20.04.2019 Matthäus | Versammlung / Gemeinde | Persönlicher Glaube

Vermischung von Königreich und Versammlung?

In Matthäus 16 liest man, dass Petrus die Autorität anvertraut bekam, im Königreich der Himmel auf der Erde zu binden und zu lösen. Der Herr Jesus greift diesen Gedanken hier auf und spricht dieses Recht und zugleich diese Pflicht der örtlichen Versammlung zu. Wir dürfen wohl annehmen, dass dieser Rückbezug deutlich macht, dass es um dieselbe Sache geht. Insofern gibt es keine einzelnen Nachfolger auf dem „Stuhl Petri“, wie man es in der römisch-katholischen Kirche lehrt. Nein, in dieser Funktion steht die örtliche Versammlung in der Nachfolge von Petrus, von den Aposteln und, allgemein gesprochen, von den Jüngern.

Das birgt natürlich eine Schwierigkeit in sich. In Matthäus 16 sieht man, dass die Versammlung (dort unter ihrem ewigen, göttlichen Aspekt) deutlich vom Königreich der Himmel unterschieden wird. Die Aufgabe von Petrus wird aber gerade diesem Königreich zugeordnet. Wie kann dann jetzt die örtliche Versammlung diese Aufgabe „übernehmen“? Gehört sie auf einmal zum Königreich? Schon in Matthäus 13 lernt man durch das Gleichnis der einen Perle, dass die Versammlung (Perle) mit dem Reich der Himmel (es handelt sich um ein Gleichnis des Reiches der Himmel) verbunden wird. Denn die Versammlung befindet sich, bis der Herr Jesus wiederkommt, auf der Erde gerade in dem Bereich der Christenheit.

Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Blickwinkel, mit denen die Versammlung gesehen wird. In Matthäus 16 geht es um die Versammlung, wie der Herr sie baut und wie sie vollkommen ist nach dem Ratschluss Gottes. Hier kann kein Mensch etwas tun. Alles tut der Herr, tut Gott. Deswegen bekommt Petrus nicht die Schlüssel „der Versammlung“.

In Matthäus 18 dagegen wird die Versammlung unter dem Blickwinkel der Verantwortung des Menschen gesehen. Sie ist gewissermaßen die höchste Instanz auf der Erde, wenn es um Zucht geht. Sie hat zu handeln, wenn Böses vorliegt (und wenn jemand zum Glauben kommt und die Gemeinschaft der örtlichen Versammlung genießen möchte). Diese Seite der Verantwortung, die wir ebenfalls in Offenbarung 2 und 3 sowie im Blick auf die Arbeit im Haus Gottes in 1. Korinther 3,10–17 finden, hat einen direkten Bezug zu dem Königreich der Himmel. Denn hier geht es um Autorität, um Gehorsam dem Herrn Jesus gegenüber, darum, hier auf der Erde gemäß seinen Anweisungen zu handeln. Gerade wenn Gläubige versagen, wird deutlich, dass es nicht um die Versammlung in ihrem eigentlichen himmlischen Charakter geht, wie Gott sie geschaffen hat und heute noch baut. Denn da gibt es kein Versagen. Nein, sie wird dann in ihrer Verantwortung vorgestellt.

Petrus nun hat im Blick auf die Verwaltung der Versammlung auf der Erde nach Matthäus 16,19 bestimmte Aufgaben erhalten, die später die Versammlung übernehmen sollte. In der ersten Zeit der Versammlung Gottes auf der Erde war noch keine ausreichende Belehrung vorhanden, was die Aufgaben der örtlichen Versammlung sind. Auch dafür hat der Herr die Apostel gegeben. Nachdem die Apostel, besonders Paulus, diese Unterweisungen gegeben haben und das Wort Gottes abgeschlossen war, übernahm die Versammlung selbst das Binden und Lösen, wie wir sehen werden. Denn die Apostel würden nach und nach alle heimgehen – auch Petrus. Die Versammlung aber blieb.