09.03.2019 Matthäus | Menschliches Zusammenleben

Zwei oder drei

Wir kennen die Zahl „zwei oder drei“ besonders im Blick auf das Zusammenkommen als Versammlung (Gemeinde). Aber es gibt diese Zahl auch noch in anderer Hinsicht, so vier Verse vor dem „bekannten“.

In diesem Fall ist es eigentlich in traurigem Zusammenhang. Denn leider sind wir Menschen und auch wir als Gläubige oft so halsstarrig, dass wir nicht hören, wenn uns jemand behilflich sein möchte, unsere Sünde zu bekennen. Stattdessen verharren wir sogar noch in der Sünde. Doch was für ein Wunder der Gnade: Der Herr gibt uns auch dann noch nicht auf! Auch wenn wir solch einen inneren Zustand offenbaren, hat Er einen Weg, um unsere Herzen noch zu gewinnen.

Wenn einer allein nicht ausreicht, dann weist der Herr an, dass noch ein oder zwei weitere Brüder mitgehen. Wenn es um das Problem von Schwestern geht, dann gilt das entsprechend auch für sie. Eine wichtige Voraussetzung gilt für alle: Sie müssen schweigen können „wie ein Grab“. Denn das ist die Absicht des Herrn, die hinter diesen Anweisungen steht. Die Sache soll nicht bekannt werden, sondern zunächst zwischen den beiden Brüdern (Geschwistern) oder, wenn der eine nicht auf seinen Bruder hört, zwischen den zwei bzw. drei Geschwistern bleiben.

Diese Anforderung ist offenbar sehr schwer. Wir reden gerne über das, was wir erleben und was uns bewegt. Und bekanntermaßen verbreiten sich schlechte Nachrichten um ein Vielfaches schneller als gute Dinge. So auch das Versagen eines Bruders. Wir werden hier aufgefordert, solche Fehler sozusagen in der Finsternis zu belassen.

Der Herr bezieht sich in Vers 16 auf das Gesetz von 5. Mose 19,15: „Ein einzelner Zeuge soll nicht gegen jemand auftreten wegen irgendeiner Ungerechtigkeit und wegen irgendeiner Sünde, bei irgendeiner Versündigung, die er begeht; auf zweier Zeugen Aussage oder auf dreier Zeugen Aussage hin soll eine Sache bestätigt werden.“ Den gleichen Grundsatz finden wir im Neuen Testament, wo Paulus schreibt: „Aus dem Mund von zwei oder drei Zeugen wird jede Sache bestätigt werden“ (2. Kor 13,1).

Wenn ein Bruder nicht auf einen Einzelnen hört, wird er vielleicht auf zwei oder drei Zeugen hören. Denn diese Mehrzahl unterstreicht noch einmal, dass es sich wirklich um etwas handelt, was nicht nur der Betroffene, sondern auch noch weitere Personen als Sünde ansehen. Und wenn mehrere Gläubige eine Sache auf das Gewissen einer Person legen, hört sie vielleicht doch, auch wenn sie zunächst nicht bereit war zu bekennen. Durch dieses zweite Hingehen wird dem Betroffenen auch deutlich, dass die Geschwister nicht bereit sind, diese Sünde einfach zu übergehen. Die Heiligkeit Gottes in seiner Versammlung, um diesen Gedanken der neutestamentlichen Briefe und der hier folgenden Verse einzubringen, erlaubt ihnen eine solche Gleichgültigkeit nicht. Und zeugt ein solcher zweiter Besuch nicht auch von der Liebe des Herrn und dieser Brüder, die den sündigenden Bruder nicht einfach auf seinem falschen Weg weiterlaufen lassen wollen?

Noch immer ist es das Ziel des Herrn (und auch des Bruders bzw. der Geschwister), den sündigenden Bruder zu gewinnen. Wenn er gewonnen werden kann, so soll die ganze Sache begraben und vergessen werden. Sie wird nie wieder angerührt werden.

Der Herr spricht an dieser Stelle noch nicht von Versammlungszucht, wohl aber von brüderlichen Bemühungen und damit von brüderlicher Zucht. Dieser Hinweis sollte helfen zu verstehen, dass bis zu diesem Zeitpunkt kein Zustand vorliegt bzw. vorliegen darf, den wir in 1. Korinther 5 finden. Es geht darum, eine konkrete Sünde zu bekennen, damit diese nicht zwischen Brüdern belastend stehen bleibt. Wie können zwei Brüder, zwischen denen eine Sünde steht, gemeinsam beten, gemeinsam am Tisch des Herrn von dem Brot der Gemeinschaft essen? Sie könnten nicht übereinkommen, wie es hier in Vers 19 oder auch in Amos 3,3 gesagt wird.

Es ist kaum anzunehmen, dass ein Bruder nicht bereit ist, auf zwei oder drei andere zu hören, die er bislang als seine Brüder geachtet hat. Aber leider ist unser menschliches Herz, auch das Fleisch im Gläubigen, zu so etwas fähig. Aber selbst dann gibt der Herr einen solchen Bruder noch nicht auf. Er nennt noch eine dritte Maßnahme, durch die der Bruder doch noch gewonnen werden könnte.