17.11.2018 Matthäus | Persönlicher Glaube

Selbstgericht

Der Herr Jesus hatte seine Jünger gewarnt, anderen und besonders Kleinen zum Anstoß zu sein. Das ist aber nicht die einzige Zielrichtung eines Anstoßes. Ich kann mir selbst ein Ärgernis in den Weg legen. Darum geht es jetzt. Ähnlich wie schon in der Bergpredigt (Mt 5,27-30) verwendet der Herr Jesus hier sehr drastische Worte. Wenn es in meinem Leben irgendeine Sache, eine Ursache gibt, durch die ich zu Fall kommen kann, soll ich das, was mich in Gefahr bringt, sozusagen abhauen, wegschneiden, vermeiden. Ich kann nichts dafür, wenn andere mir eine Schlinge legen. Ich bin aber sehr wohl dafür verantwortlich, wenn ich in meinem eigenen Leben Dinge zulasse, von denen ich weiß, dass sie mich in Gefahr bringen.

Christus stellt seine Jünger in das Licht ewiger Dinge. Es gibt ein ewiges Feuer, und es ist besser, Verzicht zu leisten, als diesem Feuer anheim zu fallen. Die Strafe hat jetzt nicht mehr mit einer Gefangenschaft in Babylon (wie in Israel) oder mit Zucht in dem regierenden Handeln Gottes (wie im Leben einzelner Gläubiger) zu tun, so hart diese Zucht auch gewesen sein mag. Jetzt geht es darum, endgültig in das Feuer des Gerichts Gottes geworfen zu werden.

Der Herr nennt hier zunächst die Hand und den Fuß (Vers 8). Wenn ich Orte kenne, die mich in Gefahr bringen, vom Glaubensweg hinter dem Herrn Jesus abzukommen, muss ich sie vermeiden. Wenn ich Tätigkeiten kenne - sagen wir das Lesen bestimmter Bücher oder das Benutzen bestimmter „Instrumente" wie das Internet - die mich immer wieder in Gefahr bringen, soll ich auf sie verzichten bzw. deren Nutzung so praktizieren, dass ich vor diesen Gefahren geschützt werde. Wir lernen also in diesen Versen einerseits die Sorge für andere, sogar für die Schwächsten (Verse 6.7), zugleich aber auch die Sorge um uns selbst, die zu einer gewissen Strenge gegen uns selbst führt (Verse 8.9).

Natürlich geht es nicht darum, sich ein Bein abzuhauen oder ein Arm abzuschlagen. Warum nicht? Weil dann immer noch das andere Bein oder der andere Arm da wäre, der mir in gleicher Weise gefährlich werden könnte. Nein, das Abhauen dieser Körperteile steht stellvertretend für das Selbstgericht, das ich ausführen muss, um jeden Anlass zum Sündigen in meinem Leben zu erkennen und dann meine fleischliche Begierde zu bekennen und von ihr abzustehen. Das geht nur durch ein Bekenntnis, das Beugen unter meinen Zustand und das neue Bewusstsein, dass auch für diese Sünde der Herr Jesus am Kreuz sterben musste.

Wenn jemand dauerhaft bestimmten Begierden und Sünden erliegt, dann stellt sich die Frage, ob er überhaupt ein wahrer Jünger ist. Denn ein echter Jünger des Herrn ist nicht durch Sünde gekennzeichnet und geprägt, wie Johannes in seinem Brief erklärt (vgl. 1. Joh 3,9). Alelrdings stellt der Herr die Frage nach der Echtheit des Glaubens an dieser Stelle nicht. Daher spricht der Herr hier über das Gericht in seiner ganzen Tragweite, unabhängig davon, ob es in jedem Einzelfall so weit kommt - dass jemand ins ewige Feuer geworfen wird. Aber das Ergebnis von Sünde im Leben eines Menschen ist der Tod, der ewige Tod.

In den Feuersee, das ist die Hölle, kommt nur ein Ungläubiger. Das wissen wir aus vielen anderen Stellen. Aber wie auch in Römer 8,13 zum Beispiel zu lesen ist: „Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben", so richtet sich Gottes Wort an Gläubige, nicht nur an Ungläubige. Und auch in Römer 8 ist nicht vom physischen Tod die Rede. Gerade wir Gläubigen sollten uns bewusst werden, dass Gott es genau nimmt, auch und gerade mit Gläubigen. Daher stellt Er die letztendliche Konsequenz einer Handlung vor, selbst wenn sie im konkreten Fall an einem Gläubigen nicht vollzogen wird.