24.09.2018 Persönlicher Glaube

Der Christ und das Geld (IGL)

Geldgier im Neuen Testament

Kein Schreiber im Neuen Testament übergeht das Thema der Geldliebe. Immer wieder warnen die Schreiber davor, das Vertrauen auf das eigene Vermögen zu setzen. Denn materieller Besitz kann uns von heute auf morgen verloren gehen. Was kann nicht alles passieren: Es gibt nicht nur versicherte Scheunen, die abbrennen und bei denen wir die Versicherungssumme erstattet bekommen. Gott hat viele Mittel, um uns an die Vergänglichkeit von Vermögen zu erinnern. Es muss nicht immer ein Aktiendepot sein, das dramatisch an Wert verliert. Gott verfügt über viele Möglichkeiten, uns davon abzubringen, unser Vertrauen auf unser scheinbar geschütztes Vermögen zu setzen. Wer meint, Sicherheit durch materielles Vermögen zu bekommen, irrt sehr. Dafür gibt es in der Geschichte der Christen viele Beispiele.

Man kann seinen irdischen Reichtum vermehren, indem man sich ständig um sein Vermögen kümmert und überlegt, wie man reicher werden kann. Man kann ihn aber auch bewachen, indem man an der Not anderer Menschen und Gläubigen vorbeigeht. Die neutestamentlichen Schreiber tadeln beides scharf.

Unter verschiedenen Stichworten lesen wir von dem fleischlichen Hang des Menschen, sich auf Materielles zu konzentrieren: Habsucht; Missgunst (im finanziellen Sinn); Engherzigkeit im Blick auf Arme; Erbstreitigkeiten; usw. Wer wollte sich davon freisprechen, hier eine Schwachstelle aufzuweisen? Niemand sollte sich schnell von einer solchen Haltung lossprechen. Es handelt sich um eine Gefahr sowohl für Arme als auch für Reiche. Oft ist es so, dass ein Reicher noch reicher werden möchte, manchmal sogar mit unlauteren Mitteln. Und Arme stehen in der Gefahr, neidisch auf Reiche zu sein. Dann strengen sie sich vielleicht an, ebenfalls reich zu werden.

Ein paar Beispiele der neutestamentlichen Schreiber zeigen, wie facettenreich das Thema ist:

  • Matthäus: „Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deine Habe und gib sie den Armen, und du wirst einen Schatz in den Himmeln haben; und komm, folge mir nach! Als aber der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt weg, denn er hatte viele Besitztümer" (Mt 19,21.22).
  • Markus: „Was aus dem Menschen ausgeht, das verunreinigt den Menschen. Denn von innen aus dem Herzen des Menschen gehen hervor die schlechten Gedanken: ... Habsucht" (Mk 7,20-22).
  • Lukas: „Einer aus der Volksmenge aber sprach zu ihm: Lehrer, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teile. Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt? Er sprach aber zu ihnen: Gebt acht und hütet euch vor aller Habsucht, denn auch wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht durch seine Habe" (Lk 12,13-15).
  • Johannes: „Wer aber irgend irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm" (1. Joh 3,17)?
  • Paulus: „Die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen, der nachstrebend einige von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben. Du aber, o Menschen Gottes, fliehe diese Dinge" (1.Tim6,10.11; vgl. 1.Tim3,3; 2.Tim3,2; Heb13,5; usw.).
  • Jakobus: „Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und der täglichen Nahrung entbehrt, jemand von euch spricht aber zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige - was nützt es? So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, in sich selbst tot" (Jak2,15-17; vgl. Jak 5,1-5).
  • Petrus: „Die ein Herz haben, in Habsucht geübt, Kinder des Fluches" (2.Pet2,14).
  • Judas: Denn sie „haben sich für Lohn dem Irrtum Bileams hingegeben" (Jud11).

 

Wissen und tun

Jeder Mensch weiß aus dem natürlichen Leben, dass die im Folgenden zitierte Botschaft des Apostels Paulus an Timotheus wahr ist: „Die Gottseligkeit mit Genügsamkeit aber ist ein großer Gewinn; denn wir haben nichts in die Welt hiereingebracht, so ist es offenbar, dass wir auch nichts hinausbringen können. Wenn wir aber Nahrung und Bedeckung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen" (1. Tim 6,6-8). Es ist keine besondere Offenbarung nötig, um zu erfassen, dass ein Mensch geboren wird, ohne jeglichen Besitz mitzubringen. Nackt kommt er auf diese Erde. Dasselbe gilt auch für das Ende eines Lebens auf der Erde: Niemand kann auch nur einen Cent in das Jenseits mitnehmen. Dennoch leben und handeln wir oft so, als ob unser materielles Vermögen noch Hunderte von Jahren mit uns gehen würde. Als ob unsere Existenz, unser Erfolg und unser Glück von unserem Vermögen abhinge. Wie kurzsichtig leben wir oft! Wer das alttestamentliche Buch des Predigers liest, wird eines Besseren belehrt. Salomo hatte alles, was man sich auf irdischem Gebiet vorstellen kann. Und doch hinterließ das alles nichts als eine innere Leere ...

 

Das Beispiel Alexanders des Großen

Es gibt im Blick auf den Tod von Alexander dem Großen eine Legende, von der man nicht sagen kann, ob sie sich wirklich so zugetragen hat. Sie ist allerdings sehr lehrreich. Dabei bedenken wir, dass dieser Mann solch eine weise Schlussfolgerung gezogen hat, obwohl er kein Gläubiger war.

Alexander war sehr intelligent und Schüler des großen Philosophen und Logikers, Aristoteles. Dessen Belehrungen hat er anscheinend zeit seines Lebens nicht vergessen. Alexander war der mächtigste Mann seiner Zeit auf der Erde, aber er hörte auf manchen früheren Ratschlag von solchen, die es, was die Macht betrifft, bei weitem nicht so weit gebracht hatten wie er. Innerhalb kürzester Zeit hatte Alexander ein riesiges Weltreich erobert. Gott hatte das schon durch Daniel vorhersagen lassen. Aber dieser so mächtige Mann starb dann bereits im Alter von gerade einmal 33 Jahren.

Bevor er starb, soll er zu seinem Feldmarschall gesagt haben: „Dies ist mein letzter Wunsch, und ihr müsst ihn mir erfüllen." Er lautete: „Wenn ich zur Grabe getragen werde, lasst meine Hände aus dem Sarkophag heraushängen." Sein Feldmarschall soll geantwortet haben: „Was ist denn das für ein Wunsch? Man lässt die Hände immer im Sarg. Wer hätte je davon gehört, dass man einen Sarg zu Grabe trug, bei dem die Hände heraushingen!" Alexander sagte dann wohl: „Ich will der Welt zeigen, dass ich mit leeren Händen gehe. Ich hatte erwartet, immer größer und größer, reicher und reicher zu werden, aber tatsächlich wurde ich immer ärmer und ärmer. Als ich geboren wurde, kam ich mit geschlossenen Fäusten, als hielte ich etwas fest. Aber im Angesicht des Todes kann ich nicht mit geschlossenen Fäusten gehen. Für geschlossene Fäuste braucht man Leben, Energie. Kein Mensch stirbt je mit geschlossenen Fäusten. Wer ist da, um sie zu schließen? Ein Toter ist eben nicht mehr da. Die ganze Energie hat ihn verlassen, und die Hände öffnen sich von selbst. Denn ein Toter kann nichts mitnehmen."

Die Erfahrung Alexanders des Großen ist nicht unser Lebensmaßstab. Wir haben Gottes Wort. Gott selbst macht uns vollkommen klar, dass wir nichts von unserem irdischen Besitz in die Ewigkeit mitnehmen können. Wir müssen nur auf Gott hören wollen. Dennoch illustriert der Hinweis von Alexander dem Großen auf tragische Weise, was Gottes Wort uns lehrt.

 

Himmlischer Reichtum

Christen besitzen einen Reichtum, der weit über irdisches Vermögen herausragt. Gott hat uns geistliche Segnungen in Christus Jesus geschenkt. Diese Segnungen sind himmlischer Natur. Wir werden sie auch im Himmel ewig genießen können. Geld und Materielles werden wir dagegen in dieser Welt zurücklassen, ja zurücklassen müssen.

Warum hängen wir dann so daran? Warum gibt es auch unter Gläubigen immer wieder Erbstreitigkeiten? Der Herr lehnte einmal ab, sich mit Erbfragen zu beschäftigen (Lk 12,14). Oft ist uns das materielle Erbe wichtiger als das geistliche Erbe, der Glaube, den unsere Vorfahren vorgelebt haben. Wir streben nach irdischem Vermögen, statt unser Herz auf die himmlischen Reichtümer zu richten. Wie leicht vertrauen wir auf materielles Vermögen, statt unserem Gott zu vertrauen, dass Er uns bewahren und helfen wird in unseren irdischen Herausforderungen. Manchmal zeigt uns Gott, wie vergänglich und instabil irdischer Besitz ist. Manchmal aber überlässt Er uns unserer irdischen Lebensausrichtung. Dann werden wir den Verlust dieser Entscheidung erst später, vielleicht sogar erst im Himmel erkennen.

 

Bleibt die Liebe Gottes in uns?

Das bereits zitierte Wort des Apostels Johannes in seinem ersten Brief ist besonders zu Herzen gehend: „Wer aber irgend irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm" (1. Joh 3,17)? Viele Erlösten besitzen heute weitaus mehr als nur das Nötigste zum Leben. Dennoch tun wir uns oft schwer damit, unsere Hände zu öffnen, wenn wir unseren Bruder oder unsere Schwester Not leiden sehen. Gott prüft uns, inwiefern wir ein Herz für solche haben, die Unterstützung nötig haben und ihnen von unserem Überfluss abgeben. „Wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?" Liebe ist ein abstrakter Begriff. Aber Liebe zeigt sich immer in konkreten Taten. Gott hat seine Liebe uns gegenüber durch die Hingabe seines Sohnes offenbart. Wir zeigen unsere Liebe zu unseren Mitgläubigen ebenfalls durch konkrete Taten. Wir werden Gottes Liebe nicht genießen können, wenn wir lieblos mit den Bedürfnissen unserer Brüder und Schwestern umgehen.

Paulus schreibt einmal: „Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger" (1. Tim 5,8). Dieser Vers bezieht sich besonders auf Witwen, wir könnten etwas verallgemeinernd sagen, er bezieht sich auf solche, denen durch Lebensumstände der Ernährer verloren gegangen ist. Solche Gläubige in unserem Umfeld haben unsere besondere Fürsorge nötig. Gott sorgt für sie, aber Er wünscht auch, dass wir für sie sorgen.

Wer am Geld hängt, wer sein Vermögen mehr liebt als den Herrn und die Seinen, wird durch seine Gier früher oder später zugrunde gehen. Wir können noch so geistlich reden - wenn gute Werke unser Leben nicht zieren, sind unsere Worte wertlos und hohl. Eine derartige Haltung wird Gott nicht segnen.

Wer den Herrn liebt und daher auch die Seinen liebt, zeigt das durch konkrete Handlungen. Er wird dafür reich belohnt werden. In aller Regel ist das kein materieller Lohn. Aber auch hier gilt, dass der Herr uns nicht nur eine Belohnung in der Zukunft geben wird. Denn es gibt niemand, der heute freigiebig ist und dem Herrn mit seiner Habe dient, „der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen, und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben" (Mk 10,30). Der Lohn des Herrn ist immer überreich. Die Frage ist, wo wir eine Belohnung suchen.

Im Glauben leben