12.07.2018 Versammlung / Gemeinde

Berichte, zeige, schreibe… (2)

Bild: Rubens

Im ersten Teil haben wir gesehen, dass uns Gott als Propheten benutzen möchte. Als Propheten, die sich in Gottes Nähe aufhalten und dann den Mut haben Gottes Gedanken weiterzugeben, was aber nicht immer auf Zustimmung stoßen muss. Hesekiel hatte von Gott den Tempel und seinen Ort gezeigt bekommen und sollte darüber berichten.

 

„schämen und den Bau messen..."

Der Prophet sollte darüber berichten, wie Gott den Tempel sieht. Das Ergebnis sollte sein, dass sie sich schämen und nachmessen. Sie sollten nachmessen und sehen, ob das, was vorhanden war Gottes Gedanken entsprechen würde ... Tun wir das auch wenn Gott uns auf Dinge hinweist, die nicht in Ordnung sind? Oder überhören wir das geflissentlich und sind lieber mit den Dingen bei uns beschäftigt die, wie wir meinen, in Ordnung sind?

 

Der Versammlung (Gemeinde) in Laodizea wird vorgeworfen, dass sie von sich meinte „reich" zu sein (Off 3,17), während sie aber arm, blind und in ihrer Entschiedenheit lauwarm war. Das passiert, wenn man beim Beschäftigen mit dem „Bau" (in der Arbeit für den Herrn und seiner Versammlung) nicht demütig ist! Statt sich zu schämen und vor dem Herrn auf die Knie zu gehen, sind wir vielleicht stolz darauf wie viel wir wissen (vgl. 1. Kor 8,2-3) und richtigmachen, und machen dabei wohl einen der größten Fehler, den wir machen können: Wir sind mit uns, statt mit unserem Mittelpunkt, Christus, beschäftigt! Wollen wir nicht mit Ihm und seinen Ansprüchen beschäftigt sein, und selbst ganz klein werden? Denn nur in einer Haltung der Demut, kann Gott fortfahren uns weitere Details darüber zu offenbaren, wie wir Ihn noch besser ehren können.

 

„und wenn sie sich... schämen... zeige ihnen die Form des Hauses..."

Wenn sie sich schämen würden, sollte Hesekiel ihnen die Form des Hauses zeigen. Dann waren sie in der richtigen Haltung Gottes Gedanken zu hören! Dem Demütigen gibt Gott Gnade (Jak 4,6). Nur in dieser Haltung sind wir in der Lage Gottes Gedanken zu erfahren. Bereits bei unserer Bekehrung war es allein die Gnade, die uns errettete und nicht irgendetwas, das wir hätten tun können (Eph 2,7-10). Das einzige was wir tun konnten war, unsere Schuld einzusehen und zu glauben. Warum meinen wir also noch, wir müssten so viel in die Hand nehmen, wenn es darum geht, wie Versammlung Gottes praktiziert werden soll? Sollten wir nicht auch hier Gott glauben und vertrauen?

 

In der Bibel steht nichts davon, dass es einen ordinierten Pfarrer oder Ähnliches in einer örtlichen Versammlung geben muss. Wird nicht allen Männern gesagt, dass sie an „jedem Ort" beten sollen (1. Tim 2,8)? Kann es also richtig sein, wenn ein Bruder ohne Grund in den Zusammenkünften sich nie am Gebet beteiligt, obwohl ausreichend Zeit da ist? In 1.Kor. 14,29 steht, dass „zwei oder drei" predigen, und dass sie von den anderen Brüdern beurteilt werden.

‚Aber das gibt doch ein heilloses Durcheinander, so ganz ohne Programm!‘, wirft vielleicht jemand ein. Aber dieses Durcheinander gibt es eben nicht, wenn wir, wenn ich, die richtige Herzenshaltung habe. Wenn ich demütig bin, möchte ich nicht mich in den Vordergrund stellen. Dann habe ich weder aus Menschenfurcht Angst, etwas zu sagen, wenn der Herr es von mir möchte, noch muss ich etwas unbedingt sagen, nur um etwas gesagt zu haben. Ich stehe vor dem Herrn und möchte mich von seinem Geist leiten lassen. Dieser Geist möchte den Herrn Jesus verherrlichen (Joh 16,14) und uns in die ganze Wahrheit leiten (Joh 16,13). Wenn ich mich also vom Geist leiten lasse, ehrt das Gesagte den Herrn und dient zur Erbauung der Geschwister („alles geschehe zur Erbauung" 1 .Kor 14,26). Wenn ich als Bruder (vgl. 1. Kor 14,34; 1. Tim 2,11) aufhöre, mich in Demut leiten zu lassen, was ich wann und wie sagen soll, muss ich mir bewusst machen, dass das Auswirkungen auf die geistliche Erbauung in der Zusammenkunft haben wird und den Herrn nicht ehrt.

 

„schreibe es vor ihren Augen auf"

Nun sollte Hesekiel das Gezeigte auch noch aufschreiben. Etwas zu sagen ist eine Sache, es aber dann auch aufzuschreiben, eine andere. Wenn man etwas zu Papier gebracht hat, ist es gespeichert. Man hält es fest und es ist damit nicht mehr nur eine Sache des Moments. Wenn Gott uns als Propheten (und hoffentlich sind wir alle Propheten) etwas gezeigt hat, und uns vielleicht auch schon dazu benutzt hat, das Gezeigte weiter zu geben (in welcher Form auch immer -eine Prophetin wird andere Wege haben als ein Prophet -vgl. Apg 21,8-11; Ri 4,4-6), dann ist es ebenso wichtig, daran festzuhalten (2. Tim 1,13-14)! Bei dem zu bleiben, was man gelernt hat und sich nicht fortziehen zu lassen (1. Tim 6,20), bedarf es des „Heiligen Geistes, der in uns wohnt". Und solange geistgemäß ich klein und der Herr Jesus groß ist, bin ich hierzu in der Lage.

 

Doch das ist nicht nur für mich selbst wichtig. Hesekiel sollte es „vor ihren Augen" aufschreiben. Sie sollten sehen, wie er es aufschrieb. Wenn ich das Gute selbst auch festhalte, wird das gesehen. Wenn ich allerdings gepredigt habe und selbst nicht danach lebe, dient das den anderen Geschwistern nicht zur Erbauung. In dem, was ich sage, sollte auch bei mir die Übung erkennbar sein, das Gesagte selbst festzuhalten (vgl. 1. Kor 9,27).

 

„damit sie... alle seine Satzungen behalten und tun"

Das ist der Weg, wie wir Gott wirklich ehren können: Gehorsam. Bevor wir Gott lobpreisen und unsere „Opfer des Lobes" darbringen (Heb 13,15), möchte Gott Gehorsam von uns: „Hat der HERR Gefallen an Brandopfern und Schlachtopfern, wie daran, dass man der Stimme des HERRN gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett der Widder" (1. Sam 15,22). Das ist die richtige Reihenfolge!

 

Wenn wir in Hesekiel 43 weiterlesen, finden wir ab Vers 13 den Altar beschrieben. Zunächst geht es darum, dass das Volk die Satzungen des Hauses Gottes hält, und dann wird der Altar beschrieben, an dem Gott Anbetung gebracht werden kann. Und genau das ist das Ziel jeder Erbauung: Dass Gott reine und wahre Anbetung gebracht wird. Möchten wir nicht auch solche Propheten sein, die Gottes Gedanken hören, tun und weitergeben (Esra 7,10) und mit anderen Geschwistern den Herrn „aus reinem Herzen" anrufen (2. Tim 2,22)?

 

„... denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter" (Joh 4,23).