20.06.2018 Persönlicher Glaube | Versammlung / Gemeinde

Politik und andere Dinge

Auf Kohl berufen???

 

Die Generalsekretärin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, hat in der FAZ am 18. Juni 2018 einen Grundsatzartikel geschrieben mit dem Titel: „Das Vermächtnis Helmut Kohls". Besondere Beachtung hat der Artikel deshalb gefunden, weil er - möglicherweise in letzter Sekunde - angespitzt wurde durch die auf die Spitze getriebene Auseinandersetzung zwischen dem CSU-Vorsitzenden und Bundesinnenminister Horst Seehofer und der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin, Angela Merkel. Inhaltlich geht es bei dem Disput um die Frage, wie an deutschen Grenzen mit Flüchtlingen umzugehen ist. - Das ist für unser Thema heute nicht von Belang.

 

Dieser Artikel beweist auf eindrucksvolle Weise, wie Politik heute funktioniert. Und er zeigt, warum ein Christ, ein von neuem geborenen Mensch, mit dieser Politik - also mit Politik überhaupt nichts zu tun haben möchte.

 

Kramp-Karrenbauer beruft sich auf das Vermächtnis von Helmut Kohl. Sie möchte damit die Bundeskanzlerin und deren europaorientierte Politik - auch im Blick auf die Flüchtlingspolitik - durch den Namen des ehemaligen Bundeskanzlers stützen. Tut sie das mit Recht? Letztlich ist es fast schamlos, sich zu einem Zeitpunkt, an dem sich Helmut Kohl nicht mehr wehren kann, weil er verstorben ist, mit seinem Namen zu schmücken, obwohl es gerade Angela Merkel war, die durch einen Artikel in derselben Zeitung, der Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Würde dieses langjährigen Bundeskanzlers und entscheidenden Akteurs für die Deutsche Einheit und die Europäische Einheit den Dolchstoß gegeben hat. Bekanntermaßen war die Beziehung von Merkel zu Kohl äußerst angespannt. Jetzt so zu tun, als ob man in seiner Linie und in seinem Sinn tätig wäre, ist pure Heuchelei.

 

Petrus ermahnt uns: „Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei" (1. Pet 2,1). Das ist Gottes Urteil über solch ein Vorgehen. Aber so funktioniert Politik. Wenn man sich anders nicht „wehren" kann, dann beruft man sich auf die Alten, in der Hoffnung, dass etwas von ihrem Ruhm auf die Gegenwart fällt. Ob es lauter ist oder nicht, spielt letztlich keine Rolle.

 

Das ist aber nicht nur in der Politik so. Auch unter Christen stellt man manchmal fest, dass sich Einzelne auf alte, vertrauenswürdige, bekannte Riesen des Glaubenslebens berufen. Das können solche Glaubensmänner wie John Nelson Darby und William Kelly sein. Und dann werden sogar Zitate dieser Personen hervorgebracht, obwohl man genau weiß, dass der Tenor ihrer Worte und Belehrungen in eine ganz andere Richtung gegangen ist. Das ist Trug und zum Teil kann das auch Heuchelei sein.

 

Wirklich ein „C"?

 

Im weiteren Verlauf dieses langen Artikels - und ich beschränke mich auf diese beiden Punkte - beruft sich die Generalsekretärin auf das „C" in dem Parteinamen. Christlich Demokratische Union. Die Partei müsse sich auf das Christliche konzentrieren. Das verbinde. Also ob es christliche sei, alles zu akzeptieren, was der andere für richtig hält, unabhängig davon, ob es christlich ist oder nicht. Es sei ein Vermächtnis, dass diese Partei christliche Grundsätze habe.

 

Das mag sein. Aber was ist an der Politik wirklich „christlich", wenn viele das Kreuz ablehnen, wenn sie die im Neuen wie im Alten Testament verurteilte Praxis der Homosexualität vertreten, wenn sie die Ehe für alle als christlich bezeichnen. Es sei eben der (christliche) Weg des menschlichen Miteinanders.

 

Wer Gottes Wort liest, wird sofort erkennen: Das ist das Gegenteil von christlich. Natürlich gibt es ein positives Verständnis von Toleranz, wenn es keine Toleranz des Bösen ist. Aber die genannten Dinge gehören zu dem, was Gottes Wort Sünde nennt. Damit kann sich ein Christ somit nicht verbinden - es wäre Gemeinschaft mit dem Bösen (übrigens in allen Parteien, besonders die AFD eingeschlossen!).

 

Nicht das Wort „christlich" ist entscheidend, sondern das, was man damit verbindet. Das müssen auch wir Christen uns sagen lassen. Wir können behaupten, Gott gemäß zu leben. Wir können leicht behaupten, dass die Zusammenkommen, die wir besuchen, bibeltreu seien. Wir müssen es an Gottes Wort prüfen und uns prüfen lassen.

 

Gott ist Licht und Liebe. Beides muss in unserem Leben sichtbar werden, und nicht das eine auf Kosten des anderen. Licht ohne Liebe ist nicht Licht Gottes, Liebe ohne Licht ist keine göttliche Liebe. Berufen hat sich schon das Volk Israel darauf. Micha, der Prophet, spricht davon: „Seine Häupter richten um Geschenke und seine Priester lehren um Lohn, und seine Propheten wahrsagen um Geld; und sie stützen sich auf den HERRN und sagen: Ist nicht der HERR in unserer Mitte? Kein Unglück wird über uns kommen!" (Micha 3,11). Das Wort in den Mund nehmen können wir auch. Aber ist es auch wahr? Versammeln wir uns in seinem Namen, verwirklichen wir, was Er uns in seinem Wort sagt?

 

Wenn nicht, gleichen wir den heutigen Politikern. Und dann brauchen wir uns nicht zu wundern, dass wir kaum Glaubwürdigkeit und keine moralische Autorität besitzen.