28.02.2018 Versammlung / Gemeinde | Dienst

Bischofsamt führt Apostelamt fort?

In einem Beitrag für ideaSpektrum schreibt der Bischof in Rente, Ulrich Wilckens, dass es in der Jerusalemer Urgemeinde nur ein Amt mit fester Autorität gegeben habe, das der zwölf Apostel. Tatsächlich ist es so, dass Gott am Anfang gerade die Apostel (und die Propheten, vgl. Eph 2,20; 4,11) benutzt hat, um seine göttlichen Gedanken den Gläubigen mitzuteilen.

 

Relativ rasch kamen dann Diakone hinzu, die sich um die äußerliche Versorgung der Gläubigen kümmerten, die arm und/oder Witwen etc. waren (Apg 6,1-7). Zwar ist in diesem Kapitel nicht von einer „Vollversammlung" die Rede, wie Wilckens schreibt, aber immerhin waren es die Gläubigen, die sich dann sieben Diakone erwählten.

 

Seltsamerweise führt Wilckens dann eine Gegenüberstellung an, die man in der Schrift so nicht finden kann. Es sei in Antiochien zu einem Streit zwischen Petrus, der pro Beschneidung war, und Paulus, der dagegen war, gekommen. Bei dem Streit, den man in Galater 2,11-14 nachlesen kann, ging es überhaupt nicht um Beschneidung, sondern um Gemeinschaft der gläubigen Juden mit Gläubigen aus den Nationen. Wir lesen an keiner Stelle, dass Petrus die Beschneidung der Nicht-Juden gefordert hätte.

 

Dann spricht der Bischof i. R. auf einmal von paulinischen Gemeinden. Das mag die Kirche heute so sehen. Aber in der Schrift ist keine Rede von Gemeinden, die Paulus zuzurechnen wären, und anderen Gemeinden. Es handelt sich ausschließlich um die Versammlung(en) Gottes. Paulus machte kein Recht auf irgendeine Gemeinde geltend.

 

Auch ist keineswegs in 1. Korinther 12-14 davon die Rede, dass nur Apostel, Propheten und Lehrer die örtlichen Versammlungen unterweisen durften. Diese hatten natürlich eine besondere Gabe vom Herrn Jesus bekommen. Aber Paulus ist äußerst zurückhaltend mit Einschränkungen der freien Leitung des Heiligen Geistes in den örtlichen Zusammenkommen.

 

Insofern stehen die Belehrungen des Apostels auch in keiner Weise mit dem allgemeinen Priestertum in Konflikt. Ulrich Wilckens übersieht, dass das Priestertum die Richtung nach oben ist, während die Belehrung die Richtung von oben nach unten darstellt. Wir alle sind nach 1. Petrus 2 Priester, die Gott und dem Herrn Jesus Anbetung bringen. Aber dass nicht alle Lehrer des Wortes Gottes sind, ist unzweifelhaft wahr.

 

Leider folgen in diesem Text dann weitere Fehler. Petrus war nicht der Apostel der Juden, während Paulus der Apostel der Heiden war. Natürlich ist es richtig, dass die Hauptstoßrichtung des Dienstes von Petrus Juden und die von Paulus Menschen aus den Nationen waren. Aber es gab keine Apostel, die gegeneinander positioniert wurden. Gerade das macht Paulus in 1. Korinther 1 und 3 sehr deutlich, wenn er die Sektenbildung in dieser Stadt geißelt, wo sich einige hinter Petrus und andere hinter ihm versammelten.

 

Daher ist es auch falsch, dass er darauf bestand, dass er als Gemeindegründer von allen in Korinth als oberste Leitungsautorität anzuerkennen sei. Wie der Autor aufgrund von 1. Korinther 3,5-17 zu diesem Schluss kommt, bleibt sein Geheimnis. Paulus diente Gott. Er hat Autorität. Gerade die Tatsache, dass allein Gott Wachstum bewirkt und keiner der Diener, unterstreicht der Apostel in diesem Abschnitt.

 

Auch wurde Paulus in keiner Vollversammlung abgelehnt. 2. Korinther 12,20 ff. spricht auch von keiner solchen.

 

Vermutlich sind diese Argumente nötig, damit der Bischof in Rente zur Schlussfolgerung kommen kann, dass das heutige Bischofsamt zur Leitung der Kirche als Fortführung der Apostelämter entstanden sei und zu seiner Hilfe das Amt der Diakone.

 

Tatsächlich ist es so, dass sowohl Paulus als auch Petrus ausdrücklich keine Nachfolger ernennen, sondern die Gläubigen dem Wort Gottes und der Gnade Gottes anbefehlen (Apg 20; 2. Pet 1).

 

Das Wort, das dem deutschen Wort „Bischof" zugrundliegt, ist Episkopos. Das findet sich im Neuen Testament, ist aber - wie der Diakon - ein auf eine örtliche Versammlung (Gemeinde) beschränkter Ältester (Aufseher). Mit einem überörtlichen Bischofsamt hat das nichts zu tun. Aber es ist wahr, dass der Herr für die örtlichen Gemeinden Älteste hat. Diese werden nicht gewählt, sondern von Gott eingesetzt (Apg 20,28).

 

Quasi-Apostel oder dergleichen, wie sie auch von der katholischen Kirche im Sinne des „Papsttums" eingesetzt werden, kennt Gottes Wort nicht. Dasselbe gilt für die Bischöfe. Das alles ist Menschenerfindung und steht im diametralen Gegensatz zu der biblischen Lehre.