Papst Benedikt XVI.: Kirchen mit Mängeln

Das Dokument

Der Vatikan hat ein vom Papst autorisiertes Schreiben der sogenannten Glaubenskongregation veröffentlicht, das unter den Namen des Präfekten der Glaubenskongregation, William Levada, und des Titularerzbischofs von Sila, Angelo Amato, herausgegeben wurde, mit ausdrücklicher Zustimmung und Bestätigung durch Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger. Das Dokument soll ausdrücklich wertvolle Hinweise zur Fortführung des ökumenischen Dialogs geben. Das Papier ist überschrieben mit: „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“.

Im Folgenden wollen wir uns einige Punkte dieser Schrift anschauen:

Punkt 1: Was Christus gewollt hat, wollen auch wir.

1. Unter der ersten Fragenbeantwortung heißt es: „Was Christus gewollt hat, das wollen auch wir ... Was die Kirche durch die Jahrhunderte gelehrt hat, das lehren auch wir.“

Schauen wir uns an, was Christus gelehrt hat: „Nennt auch niemand auf der Erde euren Vater, denn einer ist euer Vater – der im Himmel ist“ (Matthäus, Kapitel 23, Vers 9). Was tut die Römisch-Katholische Kirche? Sie beansprucht für einen Menschen den Titel „Papst“, das heißt übersetzt: Vater. Er lässt sich beispielsweise „Heiliger Vater“ nennen. „Was Christus gewollt hat, das wollen auch wir“? Hier tut die Kirche das Gegenteil.

Zweites Beispiel: Seit wann darf die Kirche „lehren“? Das Neue Testament zeigt uns geradewegs das Gegenteil! Die Kirche wird belehrt, und zwar durch die Diener, durch die Gaben, die der verherrlichte Mensch, Jesus Christus, der Kirche [ekklesia] geschenkt hat. Nach 1. Korinther 4,17 lehrte Paulus in der Kirche. Nach Epheser 4,11 hat der Herr Lehrer für die Kirche gegeben. Nach Kolosser 1,28 lehrte Paulus die Gläubigen. Nach 1. Timotheus 4,11 sollte Timotheus lehren. An keiner Stelle lesen wir auch nur die Andeutung davon, dass die Kirche lehren soll!

Drittes (und hier einmal letztes) Beispiel: Die Römisch-Katholische Kirche gibt Maria eine Sonderstellung. Sie habe in unbeflecktem Zustand – also von der Erbsünde befreit – Jesus geboren. Finden wir davon irgendeinen Hinweis in der Bibel? Nein! Nach Apostelgeschichte 1 finden wir Maria überhaupt kein einziges weiteres Mal erwähnt. Die Schrift gibt dieser Frau keine herausragende Stellung. Gott hat ihr die Gnade geschenkt, den Schöpfer Himmels und der Erde als Mensch gebären zu dürfen. Ansonsten zeigt uns die Schrift, dass sie Sünder war wie jeder andere Mensch und Jesus Christus als Retter brauchte. Dass sie „Mutter Gottes“ gewesen sein soll, ist ohnehin eine böse Lehre, welche die Bibel nicht kennt. Gott hat keine Mutter!

Wir müssen also festhalten: Der oben genannte Punkt der Schrift des Vatikan ist schlicht verkehrt!

Punkt 2: Die eine Kirche subsistiert in der katholischen Kirche

2. Zur zweiten Frage heißt es als Antwort: „Christus hat eine einzige Kirche ‚hier auf Erden ... verfasst‘ ... Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, subsistiert in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.“

In einem weiteren Punkt heißt es, dass das Ersetzen von „ist“ durch „subsistiert in“ keine theologische Bedeutung habe.

Nun ist zunächst einmal wahr, dass Christus nur eine einzige Kirche gebildet hat: „Da ist ein Leib“ (Epheser 4, Vers 4). Aus Kapitel 1, Verse 22.23 wissen wir, dass der Leib eine besondere Bezeichnung der Kirche ist. Aber ist es richtig, dass Er diese Kirche „auf der Erde verfasst“ hat? Natürlich ist die Kirche derzeit auf der Erde. Das wird sie nicht immer bleiben! Die Offenbarung spricht mehrfach von der Kirche als dem himmlischen Jerusalem, das im Himmel ist. Ihre Berufung ist himmlisch, ihr Charakter ist himmlisch, ihre Zukunft ist himmlisch, ihre Heimat ist himmlisch.

Wer gehört zu der einen Kirche?

Wer gehört zu dieser Kirche? Alle Menschen, die an den Herrn Jesus glauben, Ihm ihre Sünden bekannt haben und Ihn als Retter angenommen haben. So erklärt Paulus die Kirche in 1. Korinther, Kapitel 1, Vers 2: „der Versammlung Gottes, die in Korinther ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres Herrn.“ Dieser Vers macht deutlich, dass es nicht um die Zugehörigkeit zu einer Kirche hier auf der Erde geht, sondern dass allein die Tatsache, dass jemand im Himmel als Heiliger angesehen wird – nicht zu verwechseln mit den toten Heiligen der Römisch-Katholischen Kirche – also jemand, der sich bekehrt hat, ihn zur wahren Kirche gehören lässt.

So kann man ohne weitere Überlegungen sagen: Die biblische Kirche subsistiert zweifellos nicht in der Römisch-Katholischen Kirche, obwohl wir glauben und hoffen, dass selbst in diesem System noch gläubigen Menschen sind, die zur wahren Kirche gehören. Aber die biblische Kirche ist kein System, wird auch nicht durch die Zugehörigkeit zu einem System definiert, sondern ist ein lebendiger Organismus, der aus allen wahren Gläubigen besteht, die zwischen der Himmelfahrt des Herrn Jesus und der Entrückung der Gemeinde leben bzw. gelebt haben.

Nun betont dieses Dokument, dass die Kirche durch den Nachfolger des Petrus geleitet wird. Das Problem besteht nur darin, dass die Bibel einen solchen nicht kennt. Petrus spricht in seinem zweiten Brief zwar davon, dass sein Tod kurz bevorstand (Kapitel 1, Verse 12 bis 15). Aber er spricht an dieser Stelle gerade nicht von einem menschlichen Nachfolger, wohl aber davon, dass er sicherstellen möchte, dass die Gläubigen sich an seine Wort erinnern könnten. So sind wir dem Herrn dankbar, dass Er uns auch die Briefe des Petrus hinterlassen hat. Mit ganzer Entschiedenheit lehnen wir jedoch die Anmaßung einer sogenannten Kirche oder einer Person ab, Nachfolger von Petrus zu sein.

Der Papst – Nachfolge von Petrus?

Darüber hinaus hat sich die Kirche auch noch mit der Person „vertan“. Denn Petrus hinterlässt uns überhaupt keinen Hinweis auf irgendeinen Lehraspekt, der mit der Kirche zu tun hat. Ganz im Unterschied zu Paulus, dem der Herr Jesus die Lehre und Verwaltung der Kirche ausdrücklich anvertraut hat (Epheser, Kapitel 3).

Von Bischöfen spricht die Bibel tatsächlich. Sie werden in den meisten Übersetzungen als „Aufseher“ genannt. Das Problem besteht nur darin, dass sie örtlich begrenzte Aufgaben wahrnehmen. Sie waren Aufseher oder Älteste eines bestimmten Ortes (vgl. Apostelgeschichte, Kapitel 20, Vers 17; Philipperbrief, Kapitel 1, Vers 1; Titusbrief, Kapitel 1, Vers 5). An keiner Stelle haben sie eine überörtliche Aufgabe erhalten.

Weiter heißt es als Antwort zu der zweiten Frage, „dass in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, kraft der in ihnen vorhandenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit die Kirche Christi gegenwärtig und wirksam ist. Das Wort „subsistiert“ wird hingegen nur der katholischen Kirche allein zugeschrieben.“

Wir haben schon gesehen, dass es keinen Allein-Anspruch irgendeines Systems geben kann, wenn die Bibel gelten soll. Die Tatsache, dass ein System einen solchen Anspruch stellt, zeigt, dass es selbst jedenfalls nicht die eine, biblische Kirche sein kann. Wessen Kirche ist denn die wahre Kirche? Jesus selbst spricht von „meiner Versammlung“ (Matthäus, Kapitel 16, Vers 18). Wenn man zur einen Kirche gehören möchte, muss man zu Ihm gehören. Von einer Römisch-Katholischen Kirche jedenfalls ist im Neuen Testament nichts zu lesen, außer, dass sie durch die Sendschreiben an Thyatira (Offenbarung, Kapitel 2) und durch Babylon (Offenbarung, Kapitel 17.18) symbolisiert wird. Das kann ich an dieser Stelle allerdings nicht weiter ausführen.

Jede Kirche oder Gruppe also, die anderen Christen nur dann das Recht einräumen möchte, wahre Kirche zu sein, wenn diese sich mit ihr verbinden, ist antichristlich – denn sie nimmt für sich ein Recht in Anspruch, das nur Christus besitzt – und anmaßend – denn sie meint, mehr Rechte zu besitzen als andere Gläubige.

Punkt 3: Andere Kirchen haben im Unterschied zur katholischen Mängel.

3. Zur dritten Frage heißt es in der Antwort: „Daher sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften, auch wenn sie, wie wir glauben, mit jenen Mängeln behaftet sind, keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heils“

Wir wollen zunächst noch einmal festhalten, dass das Neue Testament nur eine Kirche kennt. Wenn also – wie wir gesehen haben – die Römisch-Katholische Kirche – nicht die wahre Kirche sein kann, weil sie auf vielen Gebieten – drei Beispiele haben wir angeführt – unbiblisch handelt und denkt, dann kann es auf der Erde eine sichtbare Kirche nicht mehr geben. Denn es gibt sowohl in der Römisch-Katholischen Kirche als auch in vielen anderen christlichen Gruppen, Kirchen und Gemeinden wahre Kinder Gottes. Sie alle bilden zusammen nach 1. Korinther, Kapitel 1, Vers 2, die wahre Kirche.

Wer also heute noch mit dem Anspruch auftritt, die eine, wahre Kirche zu sein (oder dass diese in dem eigenen System subsistiert), maßt sich einen Status an, der antibiblisch ist. Ich zweifle nicht, dass man auch heute noch auf der biblischen Basis der einen Kirche zusammenkommen kann. Aber jeder, der das ernsthaft und im Aufblick zu dem Herrn Jesus tun möchte, wird immer anerkennen, das es noch andere Kinder Gottes gibt, an allen möglichen Plätzen, mit denen er kirchlich, was das Bekenntnis nach außen betrifft, nicht direkt verbunden ist. Man geht nicht denselben kirchlichen Weg.

Ich muss mich an dieser Stelle nicht weiter über „Mängel“ verbreiten. Wir haben gesehen, dass es in der Römisch-Katholischen Kirche nicht nur Mängel gibt, sondern einen antichristlichen Geist.

Punkt 4: Es kommt auf die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche an

4. In der Antwort auf die vierte Frage wird das Thema „Mängel“ noch weiter ausgeführt. „Weil aber die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist, nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche ist, sondern eines ihrer inneren Wesenselemente, leidet das Teilkirchesein jener ehrwürdigen christlichen Gemeinschaften unter einem Mangel.“

Wir haben schon die Anmaßung gesehen, dass der Papst und seine Gefolgsleute meinen, dass es auf die Gemeinschaft mit ihrer Kirche ankäme. Dazu gehört auch, dass sie sich noch immer „katholische“ Kirche nennen, also die allgemein gültige Kirche. Von dieser Römisch-Katholischen Kirche ist der Papst tatsächlich das sichtbare Haupt. Von der wahren Kirche gibt es heute kein sichtbare Haupt, denn die Bibel kennt nur ein Haupt des Leibes der Kirche, das ist Christus und Christus allein (Kolosser, Kapitel 1, Vers 18)!

Die Römisch-Katholische Kirche behauptet aber, dass die Gemeinschaft mit ihr nicht bloß eine äußere Zutat sei, sondern inneres Wesenselement ist. Weiter oben haben wir gesehen, dass diese Kirche zu Unrecht lehrt und dass sie böse, unbiblische Lehren verbreitet. Was sagt uns nun das neue Testament dazu? „In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet“ (2. Timotheusbrief, Kapitel 2, Verse 20.21).

Die Bibel zeigt uns also, dass wir gerade durch die Trennung von diesem bösen, antichristlichen System (und nicht durch die Gemeinschaft) in der Lage sind, Christus, unserem Hausherrn, zu gefallen. Genau das erwartet unser Herr von uns. Nur so können wir für Ihn nützliche Gläubige sein.

Zum Schluss: der Geist der Römisch-Katholischen Kirche

Mit diesen, wenigen Zitaten möchte ich die Besprechung des Dokumentes, das von Joseph Ratzinger ausdrücklich gutgeheißen wurde, beenden. Auch dieses Schreiben bestätigt noch einmal den Geist, der in dieser sogenannten Kirche herrscht. Es zeigt: Wahre Kirche kann dieses System nicht sein. Wohl dem, der daraus die richtigen Schlussfolgerungen für sein Leben – auch sein kirchliches Leben – zieht.