Wenn der Herr Jesus eine Frage stellte, um eine Person zu einem Bekenntnis ihres Glaubens zu führen, entsprach sie immer dem geistlichen Zustand oder Wachstumsstand des Gefragten.
Einfacher Glaube der zwei Blinden
Die zwei Blinden, von denen wir in Matthäus 9 lesen, kamen zu Ihm, um geheilt zu werden. Er stellte ihnen die Frage: „Glaubt ihr, dass ich dies tun kann? Sie sagen zu ihm: Ja, Herr“ (Mt 9,28). Er erkannte ihren Glauben an seine Macht und wünschte, dieses Bekenntnis aus ihrem Mund zu hören. „Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, mit dem Mund aber wird bekannt zum Heil“ (Röm 10,10). Er wollte einerseits ihre innere Überzeugung festigen und sie andererseits dazu ermutigen, ihren Glauben offen zu bekennen – vor Ihm und vor anderen.
Sind wir bereit, unseren Glauben öffentlich zu bekennen? Wenn Er uns heute diese Frage stellen würde, käme vielleicht auch schnell ein „Ja, Herr“ über unsere Lippen. Doch zeigen wir unseren Glauben durch unsere Werke (s. Jak 2,18)? In notvollen Zeiten wollen wir die feste Überzeugung haben, dass Ihm keine Schwierigkeit zu groß ist – und dass Er alles vermag. Ein ruhiges, friedevolles Herz in der Not ist ein starkes Zeugnis echten Glaubens.
Wachsender Glaube der Jünger
In Johannes 1 lesen wir von zwei Jüngern Johannes’ des Täufers, die nach dessen wunderbarem Ausruf: „Siehe, das Lamm Gottes“, zum Herrn Jesus kamen. Auch ihnen stellte der Herr eine Frage – abgestimmt auf ihren noch jungen Glauben: „Was sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi (was übersetzt heißt: Lehrer), wo hältst du dich auf?“ (Joh 1,38). Sie kannten Ihn noch nicht, und Er erwartete nicht mehr als eine schlichte Antwort. Entscheidend war, dass sie bei Ihm sein wollten, um Ihn besser kennenzulernen.
Auch heute stellt der Herr Jesus jeden, der mit jungem Glauben zu Ihm kommt, vor diese Frage – und wünscht sich die Antwort eines Herzens, das einfach nur bei Ihm sein, Ihn besser kennenlernen und Ihm folgen möchte.
Später, nachdem die Jünger Ihm bereits eine Weile gefolgt waren, stellte Er eine weiterführende Frage: „Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,15.16).
Nun hatte der Herr Jesus sie so weit geführt, dass sie Ihn besser kennenlernen konnten. Er fragte nicht mehr: „Was sucht ihr?“, sondern: „Wer sagt ihr, dass ich sei?“ (Hervorhebungen hinzugefügt). Der Vater selbst hatte Petrus diese Offenbarung gegeben (s. V. 17), und so konnte der Herr aus dem Mund seines Jüngers dieses herrliche Bekenntnis hören – um ihm daraufhin eine neue Wahrheit über die Versammlung zu offenbaren, die damals noch weit über das Verständnis von Petrus hinausging.
Wachsen wir in der Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus (s. 2. Pet 3,18)? Welche Antwort hätten wir, wenn Er uns fragen würde: „Wer sagt ihr, dass ich sei?“ Er wünscht, dass wir mehr und mehr seine herrliche Person erkennen – damit Er uns noch mehr von seiner Größe und Herrlichkeit zeigen kann. Und dann werden wir dem Vater anbetend von dem berichten, was wir an seinem Sohn an Schönheiten und Herrlichkeiten entdeckt haben – und so „Gemeinschaft haben mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ und darin völlige Freude finden (s. 1. Joh 1,3.4).
Wachsender Glaube des Blindgeborenen
Ein weiteres Beispiel für die vollkommene Handlungsweise des Herrn sehen wir bei der Heilung des Blindgeborenen in Johannes 9. Nachdem Er ihn sehend gemacht hatte, schien es zunächst, als ließe Er ihn allein. Doch obwohl wir in den folgenden Verhören nichts vom Heiland lesen, wissen wir, dass Er alles wusste und den rechten Zeitpunkt abwartete, um sich dem Geheilten zu offenbaren.
Erst nachdem die Pharisäer den ehemals Blinden hinausgeworfen hatten – der sowohl körperlich als auch mehr und mehr geistlich sehend geworden war –, lesen wir, dass der Herr „ihn fand“ und fragte: „Glaubst du an den Sohn Gottes?“ (V. 35).
Er ließ ihn nicht allein dort stehen, verachtet und ausgeschlossen aus der Synagoge. Der Geheilte stand jetzt wie der Herr selbst „draußen“ – und teilte den Platz der Verwerfung mit dem, der sich ihm nun offenbarte als der ewige Sohn Gottes.
Der Geist Gottes hatte ein Werk in diesem Mann getan. Mit dieser Frage führte der Herr ihn nun zur Erkenntnis seiner Person. Der Mann nahm das Hinausgeworfensein in Kauf – und erhielt dafür den Herrn Jesus selbst.
Wenn wir bereit sind, den Platz der Verwerfung mit Ihm zu teilen, wird Er uns finden – und sich uns offenbaren. Dann sind wir zwar „außerhalb des Lagers“, aber wir sind bei Ihm, dem Sohn Gottes. Ein herrlicher Platz!
Quelle: bibelpraxis.de/a9991.html