In den Tagen von König Jerobeam II. verließ der Prophet Amos seine Heimat Juda und überbrachte die Worte des Herrn nach Israel. In Kapitel 7 erhielt Amos eine Vision von Gott. Der Herr hielt ein Senkblei in der Hand und deckte damit die krumme moralische und geistliche Haltung des Volkes auf.
Offensichtlich verkündete Amos diese Vision und ihre Warnung öffentlich in der Stadt Bethel, die zu dieser Zeit eines der bedeutendsten Zentren der Götzenverehrung in Israel war. Der Mann Amazja in diesem Abschnitt war ein Priester von Bethel (Amos 7,10) und ging Amos, wie wir hier lesen, unverzüglich an.
Amazja forderte Amos spöttisch auf, nach Hause zu gehen und das Volk von Bethel in Ruhe zu lassen. Selbst der König wollte nicht durch Gottes Warnungen gestört werden. Offenbar befand sich in Bethel eine der Residenzen des Königs, obwohl Samaria die offizielle Hauptstadt Israels war. Bethel muss ein Zufluchtsort für den gottlosen Jerobeam gewesen sein – ein Ort, an dem er seine religiösen Impulse befriedigen konnte, ohne sich mit den Ansprüchen des wahren Gottes Israels auseinandersetzen zu müssen.
Es überrascht uns nicht, dass Amazja und Jerobeam die prophetische Botschaft ablehnten. Sie hatten sich schon lange zuvor für einen Weg entschieden, der sich niemals mit Gottes Wegen kreuzen konnte.
Zum Nachdenken für uns!
Aber auch wir sollten darüber nachdenken. Haben wir wie Amazja und Jerobeam manchmal das Gefühl, dass das Wort Gottes unseren Komfort stört? Wünschen wir uns manchmal, dass der Bote, der uns die Botschaft des Herrn überbringt, einfach nach Hause gehen und uns in Ruhe lassen sollte? Sind wir beleidigt, wenn derjenige, der uns die Heilige Schrift nahebringt, etwas zu persönlich zu werden scheint?
In Bethel waren alle willkommen, ihre Opfergaben in jeder ihnen genehmen Weise darzubringen (Amos 4,5). Meiden wir diese falsche Geistlichkeit, die es liebt, heilig zu erscheinen, ohne jemals durch einen Ruf zur Heiligkeit beunruhigt zu werden.
Entnommen aus: The Lord is near, 2026
Quelle: bibelpraxis.de/a9965.html