Ein scheinbar unscheinbarer Vers. Ein Vers, der oft als rein persönliche Angelegenheit abgetan wird. Manche Ausleger wollten ihn sogar aus der Bibel entfernen, doch in diesen wenigen Worten steckt eine tiefere Bedeutung.
- Die Bodenhaftung des Paulus
Paulus ist am Ende seines Lebens und sieht dem Tod ins Auge. Trotzdem zeigt er keine Spur von Resignation. Stattdessen schmiedet er weiterhin Pläne und bittet Timotheus um praktische Dinge wie seinen Mantel und Bücher. Dies verdeutlicht seine Nüchternheit, Besonnenheit und praktische Liebe. Deshalb haben auch die persönlichen Angelegenheiten von Paulus ihren Platz[1].
- Die Bedeutung alltäglicher Dinge
Selbst alltägliche Bedürfnisse wie Kleidung und Bücher finden im inspirierten Wort Gottes Erwähnung. Dies ist auch insofern bemerkenswert, als Paulus vorher von der Krone der Gerechtigkeit, dem gerechten Richter und der Erscheinung des Herrn spricht (V 1.8). Daraus schließen wir, dass ein Leben in Gottseligkeit (Gottesfurcht) auch die kleinen Dingen des alltäglichen Lebens von Dienern Gottes umfasst.
Für Gläubige ist das eine Ermutigung, dem Herrn auch die alltäglichen Sorgen anzuvertrauen. Gleichzeitig erinnert es daran, dass gerade scheinbar nebensächliche Dinge zu Fallstricken werden können, wenn man sie unterschätzt oder falsch bewertet.
- Die besondere Rolle der Bücher und Pergamente
Paulus bittet ausdrücklich um „die Bücher, besonders die Pergamente“. Dabei handelt es sich bei den Pergamenten wohl um unbeschriebenes Material, das Paulus vermutlich für wichtige Aufzeichnungen nutzen wollte – vielleicht, um seine Briefe für den dauerhaften Gebrauch abschreiben zu lassen. Die Bücher hingegen waren wohl keine heiligen Schriften, sondern andere Werke, die Paulus dennoch wertschätzte.
Fazit
Die persönliche Bitte von Paulus zeigt, dass geistliches Leben und praktische Bedürfnisse kein Widerspruch sind. Sie erinnert daran, dass Gott auch die kleinen Dinge des Alltags nicht gleichgültig sind - auch für die größten geistlichen Persönlichkeiten. Nicht zuletzt werden wir in unserer digital dominierten Gesellschaft heute motiviert, wieder einmal ein gutes Buch in die Hand zu nehmen…
[1] Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass Johannes am Ende seines 2. Briefs „Papier und Tinte“ (V 12), am Ende seines 3. Briefs „Tinte und Feder“ (V 13) erwähnt. In beiden Fällen wollte Johannes lieber mündlich mit den Adressaten reden, anstatt ihnen mehr zu schreiben.
Quelle: bibelpraxis.de/a9809.html