Israel feiert - Die Feste des HERRN (5): das Passah (2)

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Das Passah – Einsetzung und Erinnerung – ein Unterschied

Der Anlass des Passahfests im jüdischen Festkalender ist auf das Gericht in Ägypten zurückzuführen, als Gott dem Volk das Passahlamm zum „Schutz vor göttlichem Gericht“ gab (2. Mo 12,15). Dort hatte Er es eingesetzt.1 Alle späteren Passahfeste, die der Einsetzung folgten, die das Volk in der Wüste und im Land Kanaan feierten, waren eine Erinnerung an das Passah in Ägypten (2. Mo 12,14). Nach jüdischem Festkalender sollten sie jährlich gefeiert werden.2 3

Es ich wichtig, den Unterschied zwischen Einsetzung (Ägypten) und Erinnerung (Wüste und Kanaan) zu sehen. Nur so lassen sich die jeweiligen Schwerpunkte und Anwendungsbereiche klar erkennen. Eine schematische Darstellung mag helfen:

 

Fest

Ort

Frequenz

Charakter

Passah

Ägypten

einmalig

Einsetzung

Passah

Wüste; Kanaan

wiederholend

Erinnerung

 

Das Passah – Im Festkalender

Der jüdische Festkalender nennt kaum Einzelheiten über das Passah selbst. Dazu hat Gott zwei lange Kapitel im zweiten Buch Mose gegeben, in denen wir über die Einrichtung und Satzung erfahren. Der Festkalender lenkt unsere ganze Aufmerksamkeit dagegen lediglich auf zwei Punkte:

  1. den Zeitpunkt des Passahfests
  2. den Adressaten des Passahfests

1. Der Zeitpunkt des Passahfests

Im ersten Monat, am Vierzehnten des Monats, zwischen den zwei Abenden…“ (3. Mo 23,5).

  • „Im ersten Monat“

Das bürgerliche (politische, soziale) Jahr Israels begann im siebten Monat. Das ist im Judentum der Monat Ethanim oder Tischri (1. Kön 8,2).4 Im gregorianischen Kalender entspricht das unserem September/Oktober. An diesen Jahresbeginn war Israel „gewöhnt“.

Doch dann änderte Gott den Kalender. Von nun an sollte der Abib, der später auch Nisan genannt wird (Neh 2,1; Est 3,7), der Anfang des Jahres sein (2. Mo 12,2; 5. Mo 16,1). Die Neuausrichtung basiert auf der Einsetzung des Passahs (Passahlammes), das einen Neubeginn für Israel markiert.5

Das Kreuz steht in Gottes Heilsplan auch am Anfang und markiert für Millionen Seelen ebenfalls einen Neuanfang im Leben. Außerdem ist Christus (das wahre Passahlamm) bis heute der Bezugspunkt für die Zeitrechnung in der Geschichte dieser Welt. So spricht man von 2026 vor Christus oder 2026 nach Christus.

  • „Am vierzehnten des Monats“

Mit dem 14. Tag wird der Zeitpunkt des Passahs nun näher bestimmt. An diesem Tag sollte das Lamm geschlachtet werden. Untrennbar damit verbunden ist der zehnte Tag. Denn am zehnten Tag hatte Gott dem Volk angeordnet, ein Lamm zu nehmen (2. Mo 12,3). Damit lassen sich gleich mehrere Gedanken verbinden:

  • Die Zahl 10 steht in der Bibel häufig für Verantwortung.6 Bis das Lamm kam, wurde der Mensch ungefähr viertausend Jahre erprobt. Es stellte sich heraus, dass er Gott nicht gefallen kann.
  • Darüber hinaus kann der zehnte Tag mit der „Verborgenheit“ des Herrn Jesus in Verbindung gebracht werden. In zweierlei Hinsicht:
  1. im ewigen Ratschluss Gottes: In Ägypten musste am zehnten Tag ein Lamm erwählt werden. Bis zur Auswahl war es „verborgen“. Bevor irgend ein Mensch den Plan Gottes kannte, war Christus im Herzen Gottes (1. Pet 1,18-21). Der Herr Jesus war in der Ewigkeit als Retter bestimmt, doch für die Welt war Er bis zu seinem Kommen „verborgen“.
  2. in seinem Leben vor dem öffentlichen Dienst: Bevor der Herr Jesus seinen öffentlichen Dienst mit etwa 30 Jahren auszuüben begann, wurde Er von Gott und vor Gott erprobt. Das geschah im „Verborgenen“ (bspw. in der Wüste; Mt 4,1-11).
  • Nachdem der Israelit das Lamm am 10. Tag genommen hatte, musste er es bis zum 14. in Verwahrung halten. In dieser Zeit konnte es jeder beobachten und sich davon überzeugen, dass es ein Lamm ohne Fehl ist. In Bezug auf den Herrn Jesus entsprechen die Tage vom 10. bis zum 14. dem Zeitraum seines öffentlichen Wirkens unter den Menschen. In dieser Zeit war Er für jeden sichtbar. Es konnte sich jeder überzeugen: Es ist das Lamm ohne Fehl und ohne Flecken (vgl. Lk 23,4.14.22.41; Mt 26,59; 27,4.24; Mk 14,55).
  • „Zwischen den zwei Abenden“

Am 14. Tag im Monat Abib ließ Gott die Schlachtung des Lammes schließlich anordnen. Dazu hatte Er sowohl den Monat als auch den Tag der Opferung genau bestimmt. Er legte auch den Zeitpunkt fest: „zwischen den zwei Abenden“.

Aus 5. Mose 16,6 wissen wir, dass das Passah am Abend bei Sonnenuntergang geschlachtet werden sollte. Andererseits ist klar, dass das Blut des Lammes vor Mitternacht an die Türpfosten und Oberschwelle gestrichen werden musste (2. Mo 11,4). Bei dem Ausdruck „zwischen den zwei Abenden“ geht es also um die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Einbruch der Dunkelheit. Offenbar ist der Ausdruck später in der Geschichte des Volkes auf die neunte Stunde des Tages festgelegt worden (15 Uhr). Das wäre der Zeitpunkt, an dem Christus sein Leben als das wahre Passahlamm in den Tod gegeben hat (Mt 27,46-50).

2. Der Adressat des Passahfests

… dem Herrn“ (3. Mo 23,5).

Das jährliche Passahfest in der Wüste und später im Land Kanaan war ein Erinnern, auf welche Weise Gott sie vor dem Gericht geschützt und nach 400 Jahren der Knechtschaft aus Ägypten befreit hatte.7 Dennoch galt es in erster Linie dem HERRN. Der Schwerpunkt liegt also nicht auf der Bedeutung für den Israeliten (wie in 2. Mose 12), auch nicht auf dem Herzenszustand des Volkes („Brot des Elends“) und auch nicht darauf, an welchem Ort es zu feiern war (5. Mo 16). Der Schwerpunkt liegt auf dem Herzen Gottes, was es für Ihn bedeutet. Er ist der „Adressat“. Ihm gehört alle Ehre! Heute und in Ewigkeit.

Exkurs: Acht Passahfeiern

In der Bibel finden wir insgesamt acht Passahfeiern. Beginnend vom Auszug des Volkes aus Ägypten bis ins 1000-jährige Reich. In der Zeit der Gnade wird es nicht gefeiert.

  1. in Ägypten                           (2. Mo 12)
  2. in der Wüste                        (4. Mo 9)
  3. in Kanaan                             (Jos 5)
  4. unter Hiskia                          (2. Chr 30)
  5. unter Josia                            (2. Chr 35)
  6. im Buch Esra                        (Esra 6)
  7. zur Zeit Jesu                         (Lk 22)
  8. im Tausendjährigen Reich (Hes 45)

 

Fußnoten

  • 1 Begleitumstände wie der Auszug, das Schlagen der Erstgeburt, die Blutbesprengung etc. sind einmalige Ereignisse in Verbindung mit der Erlösung Israels aus Ägypten gewesen, die sich nie wiederholt haben.
  • 2 Hier gibt es Parallelen zum Mahl des Herrn, aber auch einige Unterschiede.
  • 3 Diese Anweisung hatte Gott dem Volk bereits in 2. Mose 12 gegeben: „Und ihr sollt ihn als Fest dem Herrn feiern; als ewige Satzung bei euren Geschlechtern sollt ihr ihn feiern (2. Mo 12,14). Sie sollten nie vergessen, auf welche Weise Gott sie vor dem Gericht geschützt hatte.
  • 4 Bis heute gilt der Monat Ethanim als Anfang des bürgerlichen Jahres in Israel.
  • 5 In Israel gab es also zwei parallel laufende Zeitrechnungen. Die eine betrifft das bürgerliche Jahr. Die andere, die „neue“, das religiöse Jahr. Heute ist in Israel nur die bürgerliche Zeitrechnung von Relevanz.
  • 6 „Zehn-Gebote“; 40 Jahre Wüstenwanderung (4x10 Jahre); 40 Tage Erprobung des Herrn Jesus in der Wüste (4x10 Tage) etc.
  • 7 Die 430 Jahre, von denen wir in 2. Mose 12,40 lesen, nehmen Bezug auf das Wohnen im Land Ägypten (vgl. Gal 3,17). Die 400 Jahre, von denen wir an anderen Stellen lesen, nehmen Bezug auf die Knechtschaft in Ägypten (1. Mo 15,13; Apg 7,6). So lebte das Volk etwa 30 Jahre ohne Knechtschaft in Ägypten, bevor es darin 400 Jahre Sklaverei erlebte.
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