„Dies sind die Feste des Herrn, heilige Versammlungen, die ihr ausrufen sollt zu ihrer bestimmten Zeit: Im ersten Monat, am Vierzehnten des Monats, zwischen den zwei Abenden, ist Passah dem Herrn“ (3. Mo 23,4.5).
Der Stellenwert des Passahs
Das Passah (hebr. pesach) nimmt in den Gedanken Gottes einen breiten Raum ein. Über 70-mal finden wir das Wort allein im Alten Testament. Dennoch widmet der Schreiber dem erhabenen Thema im jüdischen Festkalender bloß einen Satz. Daraus darf nicht die Schlussfolgerung gezogen werden, dass das Fest von geringer Bedeutung wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Das machen folgende Punkte deutlich:
- Es nimmt unter den sieben Festen den vordersten Platz ein (3. Mo 23,4.5);
- Es weist typologisch auf das Sühnungswerk des Herrn Jesus hin (1. Kor 5,7);
- Es bildet die (vorbildliche) Grundlage zur Erfüllung des Ratschlusses Gottes.
Der Ausdruck „Passah“
Das Wort Passah wird vom hebräischen Verb „vorübergehen“ (hebr. pasach) abgeleitet und hat die Grundbedeutung: „Schutz vor göttlichem Gericht“. Gott selbst hatte dem Volk Israel verheißen: „Und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“ (2. Mo 12,13).
Die Problemstellung: Israel in Knechtschaft
Die Kinder Israel befanden sich in auswegloser Lage. Sie lebten in Knechtschaft in Ägypten. Eine erdrückende Situation, in der sie machtlos waren, sich selbst zu befreien. Doch Gott hatte ihr Elend gesehen und einen Plan gefasst (2. Mo 3,7.8). Er wollte dem Volk Befreiung schenken!
Allerdings gab es einen „Gegenspieler“: den Pharao. Dessen Plan war es, Israel mit aller Energie und unaufhörlich zu unterdrücken. Das ist zu jeder Zeit die Absicht des Feindes.
Doch Gottes Macht ist größer. Um den Widerstand des ägyptischen Machthabers zu brechen, hatte Er neun Plagen über das Land bringen lassen (2. Mo 7-10). Da die Wunder des Gerichts die Hartnäckigkeit des grausamen Despoten nicht zu brechen vermochten, ließ Er eine letzte Plage anordnen: das Töten aller Erstgeburt im Land Ägypten (2. Mo 11,5; 12,12.29).1
Das Erschreckende: Von dem furchtbaren Gericht waren die Israeliten nicht ausgeschlossen. Denn sie waren genauso schuldig wie die Ägypter (vgl. 5. Mo 7,7.8; 9,5.6). Allerdings machte Gott einen Unterschied (2. Mo 11,7). Seine Liebe verlangte danach (5. Mo 7,7.8).
Die Lösung: das Passahlamm
Die Kinder Israel konnten allerdings ohne sein Eingreifen das Gericht nicht abwenden, geschweige denn in eigener Kraft sich davor schützen. Gott musste eine Lösung schenken. Und er gab sie: Das Passahlamm!
Durch den Tod des Lammes und dessen Blut, das an die Türbalken der Häuser der Israeliten gestrichen werden musste, fand jede Erstgeburt in Israel „Schutz vor göttlichem Gericht“ (2. Mo 12,13).2 Weil das Gericht bereits am Lamm vollzogen war und das Blut den sichtbaren Ausdruck davon gab, konnte sich das Volk ganz auf die Verheißung stützen, „und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“ (2. Mo 12,13). Dabei handelte Gott in seiner Liebe nicht auf Kosten der Gerechtigkeit. Die Erstgeburt im Volk Israel wurde nicht einfach verschont. Nein, das Gericht wurde ausgeübt! Nur an einem „Stellvertreter“ – dem Lamm.
Das Vorbild: Christus
Im ersten Korintherbrief schreibt Paulus: „Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden“ (1. Kor 5,7). Damit besteht kein Zweifel. Das Passahlamm weist auf Christus und sein Sterben auf Golgatha hin. Es geht vorbildlich um Ihn! Das bekräftigen auch die Verse aus dem Johannes-Evangelium. Dort wird die Vorschrift aus 2. Mose 12, die Beine des Passahlammes nicht zu brechen, direkt auf den Herrn Jesus bezogen: „Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht“ (Joh 19,33). „Denn dies geschah, damit die Schrift erfüllt würde: „Kein Bein von ihm wird zerbrochen werden“ (Joh 19,36; Vgl. 2. Mo 12,46).
Schlussgedanke
Christus ist das wahre Lamm, das vor Grundlegung der Welt in der Ewigkeit zuvor erkannt worden ist (1. Pet 1,19). Durch sein kostbares Blut wird Gott auf der Grundlage des Erlösungswerkes von Golgatha einen neuen Bund mit Israel in der Zukunft eingehen und es in die Sabbatruhe einführen. Für diese Ruhe bildet sein Tod die Basis.
Sein vergossenes Blut bietet auch uns Schutz vor göttlichem, ewigem Gericht, das einmal über die Welt kommen wird. Außerdem bildet es die Basis, dass auch wir in der Zukunft in die Ruhe eingehen - in die Ruhe des Hauses des Vaters, die uns dort erwartet.
Fußnoten
- 1 Das letzte Mittel in Gottes Hand ist das größte. Das sehen wir auch in Hebräer 1,1 in Bezug auf den Sohn, der als Letzter, nach dem vielfältigen Reden Gottes durch viele Propheten, das Sprachrohr Gottes war. Mehr noch, Er war Gott selbst. So sprach Gott selbst in seiner Person (vgl. Mk 12,1-12)!
- 2 Man mag mit Recht fragen, warum Blut das Zeichen war, durch das die Erstgeburt vor dem Gericht verschont würde? Aus 1. Mose 9,4 wissen wir, dass im Blut die Seele ist. Es ist das Zeichen des Lebens. Ist es vom Körper des Tieres oder des Menschen getrennt, ist der Tod eingetroffen (vgl. Joh 19,34.35). Das vergossene Blut ist somit ein Zeichen des Todes. Wenn das göttliche Gericht Tod bedeutete, konnte die Erstgeburt nur gerettet werden, wenn jemand an ihrer Stelle sein Leben hingab. Dieser Stellvertretertod wurde darin sichtbar, dass Blut floss, das der Israelit dann an die Türbalken tat. Damit war das Blut das Zeichen, dass jemand anderes gestorben war. Allerdings nahm das Blut der Tiere im Alten Testament „nur“ einen vorbildlichen Charakter ein: „Doch in jenen Opfern ist alljährlich ein Erinnern an die Sünden; denn unmöglich kann Blut von Stieren und Böcken Sünden wegnehmen“ (Heb 10,3.4). „Christus aber, … mit seinem eigenen Blut gekommen - ist ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen, als er eine ewige Erlösung erfunden hatte“ (Heb 9,11.12). Diese Verse des Neuen Testaments zeigen, dass der Herr Jesus nicht nur die vollkommene Erfüllung der alttestamentlichen Vorbilder (Opfer) ist (1. Pet 1,19), sondern dass Er in viel höherem Maß Gott in allem zufriedengestellt hat.
Quelle: bibelpraxis.de/a9807.html