Einleitung
3. Mose 23 zeigt den großartigsten Kalender, den es gibt: den Festkalender des Volkes Israel. Darin enthalten sind sieben Feste, die das Volk im Jahr feierte, deren Zeitplan von Gott genau festgelegt worden war.
Das Bemerkenswerte: Die Feste enthalten einen „Code“. Wer diesen entschlüsselt erkennt die prophetische Bedeutung der Feste, in der es im Besonderen um Gottes Heilsplan geht – insbesondere mit Israel. Natürlich haben die Feste auch Bezüge zu uns Christen, die wir anwenden dürfen. Besonders hervorzuheben ist das Fest der Wochen, das ausschließlich die christliche Zeit betrifft.
Ein befreites Volk feiert
Das Thema Feste wird eingeleitet in 3. Mose 23 mit dem Auftrag des HERRN an Mose, zu den Kindern Israel zu reden und sie zu versammeln (V. 1.2). Dieser Aufruf richtet sich an ein erlöstes Volk – an Menschen, die Befreiung erfahren haben (3. Mo 22,33). In ihren sucht Gott eine Antwort. Sie sollen Ihm Feste feiern!
Es geht um den HERRN
Auffallend ist, dass die Feste nicht „Feste der Kinder Israel“, sondern „Feste des HERRN“ (3. Mo 23,1.4.37.44) und „meine Feste“ genannt werden (3. Mo 23,1). Wenn Israel während der Feste Gott nahte und bei bestimmten Festen Opfer brachte, ging es in erster Linie um Gott, um den HERRN.1 Er ist der „Zieladressat“. Später lesen wir, dass die Feste zu „Festen der Juden“ geworden sind (Joh 2,13; 5,1; 6,4; 7,2; 11,55), in denen Gott keinen Platz mehr hatte. Sie waren zu einer bloßen Form verkommen.
Geschichtlich lassen sich die Feste in zwei Jahreszeiten teilen: Frühling und Herbst. Die erste Gruppe im Frühling umfasst vier Feste:4
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Fest |
Monat |
Tag |
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Passahfest |
1. Abib |
14. |
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Fest der ungesäuerten Brote |
1. Abib |
15.-21. |
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Fest der Erstlingsgarbe |
1. Abib |
Sonntag nach Passah |
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Fest der Wochen |
3. Siwan |
am 7. Sonntag nach dem Fest der Erstlinge (entspricht: 50 Tage nach dem Fest der Erstlingsgarbe) |
Die zweite Gruppe im Herbst setzt sich aus drei Festen zusammen:
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Fest |
Monat |
Tag |
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Fest des Posaunenhalls |
7. Ethanim |
1. |
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Der Sühnungstag |
7. Ethanim |
10. |
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Fest der Laubhütten |
7. Ethanim |
15.-21. |
Reihenfolge und prophetische Erfüllung sind deckungsgleich
Bemerkenswert ist die Reihenfolge, in der die Feste geschildert werden. Sie sind chronologisch angeordnet. Das heißt, in dieser Reihenfolge haben sie sich in ihrer prophetischen Bedeutung erfüllt bzw. werden sich noch erfüllen. Doch Vorsicht: Das Fest der ungesäuerten Brote hat keine heilsgeschichtliche, sondern eine praktische Bedeutung, in der es um das heilige und gerechte Leben des Glaubenden vor Gott geht. Daher kann es chronologisch keiner bestimmten „Epoche“ allein zugeordnet werden. Es nimmt unter den Festen eine Art „Sonderrolle“ ein.
Geistliche und natürliche Fügung
Gott hat den Festkalender so eingerichtet, dass er seinen Heilsplan wiederspiegelt. Das Einzigartige: Der Festkalender ist wie ein Puzzle, bei dem sich jedes Teil „fügt“ – geistlich wie natürlich. So weisen die Feste nicht nur im geistlichen Sinn auf den Heilsplan Gottes hin, mit dessen Erfüllung sie exakt übereinstimmen. Sie stimmen zudem absolut und in vollkommener Weise mit den unterschiedlichen Ernten, Wetter- und astronomischen Verhältnissen überein (Gerstenernte, Regenzeit, Neumond, Vollmond usw.). Alles ist „perfekt“ angeordnet, dass selbst die Dauer zwischen den Festen die geistliche Bedeutung des Festkalenders unterstreicht. So liegt beispielsweise zwischen dem Fest der Wochen und dem Fest des Posaunenhalls eine vergleichsweise lange Periode, die man als Hinweis auf die Zeit der Gnade deuten kann, die bereits Zweitausend Jahre anhält.
Der zeitliche Rahmen unter dem prophetischen Auge
Eingerahmt werden die Feste in das Passah- und Laubhüttenfest (3. Mo 23,5.33-36). Das Passah spricht vorbildlich vom Tod des Herrn Jesus (1. Kor 5,7). Das Laubhüttenfest zeugt von der Freude Israels im Tausendjährigen Reich. Bereits hier lässt sich erkennen: Die prophetische Bedeutung der Feste erstreckt sich vom Sterben des Herrn Jesus am Kreuz bis zur Herrlichkeit des Tausendjährigen Reiches.
„Erfüllte“ und „nicht erfüllte“ Feste in ihrer prophetischen Bedeutung
Noch etwas. Die „Frühlingsfeste“ stehen typologisch mit dem ersten Kommen des Herrn Jesus in Verbindung und sind bereits in Erfüllung gegangen. Schauen wir uns ihre Bedeutung kurz an:
- Passahfest: Tod Christi
- Fest der ungesäuerten Brote: das gerechte Leben des Erlösten
- Fest der Erstlingsgarbe: Auferstehung Christi
- Fest der Wochen: Pfingsten
Die „Herbstfeste“ sind dagegen noch zukünftig. Diese stehen typologisch mit dem zweiten Kommen des Herrn Jesus in Verbindung und werden sich in der Zukunft noch erfüllen:
- Fest des Posaunenhalls: Sammlung Israels
- Sühnungstag: Umkehr Israels
- Fest der Laubhütten: Tausendjähriges Reich
Der Sabbat – eine Sonderstellung!
Das ist noch nicht alles! Es gibt eine wichtige Tatsache, die noch nicht erwähnt wurde. In der Anordnung der Feste in 3. Mose 23 wird vor dem Passahfest der Sabbat genannt (V. 2). So sind es streng genommen acht Feste. Doch der Sabbat nimmt eine gewisse „Sonderstellung“ ein. Einerseits wird er zu den Festen gerechnet (3. Mo 23,2). Andererseits wird er nicht dazu gezählt (3. Mo 23,4; vgl. 1. Chr 23,31; 2. Chr 2,4; 31,3; Neh 10,33; Hos 2,13). Das liegt daran, dass der Sabbat ein ganz besonderes „Fest“ ist und zudem eine besondere Zeittaktung aufweist: als wöchentlicher Ruhetag. Damit legt Gott schon am Anfang das Ende fest, sozusagen das Ziel, zu dem alle Feste hinführen: zur Ruhe Gottes für sein Volk. Es ist nicht selten in Gottes Wort, dass das Ziel Gottes am Anfang erwähnt und anschließend der Weg dahin vorgestellt wird (vgl. Jes 52,13-53,12).
Die weitere Vorgehensweise
In der folgenden Auslegung halten wir den Sabbat in seiner „Sonderstellung“ bei. Der Aufbau des 23. Kapitels bestärkt die Tatsache, von sieben Festen zu sprechen und den Sabbat gesondert, nicht aber getrennt von den sieben Festen zu betrachten.
Die Vorschriften der Sabbatfeier finden wir in den Versen 1-3. Sie werden eingeleitet mit den Worten: „Meine Feste sind diese.“ Danach, in Vers 4, macht Gott einen neuen Anfang. Wiederholt lesen wir: „Dies sind die Feste des HERRN… die ihr ausrufen sollt“ (3. Mo 23,4). Dazu zählen die sieben Feste, die ab Vers 4 bis Vers 44 geschildert werden.
Mit diesem „Handwerkszeug“ gerüstet beginnen wir, uns den Festkalender anzusehen. Dazu schauen wir uns die historische als auch die prophetische Seite an. Außerdem werfen wir einen Blick auf die geistliche Bedeutung der Feste für unsere Zeit heute und untersuchen, was sie uns „zu sagen haben“. „Denn alles, was zuvor geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben“ (Röm 15,4).
Fußnoten
- 1 Weitere Anweisungen zu den Opfern an diesen Festtagen werden in 4. Mose 28 und 29 genannt.
- 2 Zwei Feste sind erst später von den Juden dazu gekommen. Es ist das Purim-Fest (Est 9,23-32) und das Fest der Tempelweihe (Joh 10,22). Dieses Fest wird auch Lichterfest oder Chanukka (= „Weihe“) genannt.
- 3 In 3. Mose 23 finden wir zwei Feste, die sieben Tage andauerten (das Fest der ungesäuerten Brote und das Fest der Laubhütten). Für diese beiden Feste ist der eigentliche Ausdruck „Fest“ reserviert. Ansonsten werden zwei andere Ausdrücke verwendet. Der eine bedeutet „bestimmte Zeiten“, ein weiterer „Festversammlung“. Auffallend ist, dass das Passah in 2. Mose 12 ebenfalls „Fest“ genannt wird (V. 14).
- 4 Hier fällt auf, dass das Neue Testament die bildliche Bedeutung der ersten vier Feste zeigt: Passah (1. Kor 5,7); ungesäuerte Brote (1. Kor 5,7.8); Erstlingsgarbe (1. Kor 15,20.23); Fest der Wochen/Pfingsten (Apg 2,1).
Quelle: bibelpraxis.de/a9800.html