II: Segnungen des Überrests (V. 17-21)
Die großartige Prophetie Joels endet mit einem wundervollen Abschnitt, der einen Ausblick auf die Zeit des Tausendjährigen Reiches gibt. Darin wird vorgestellt,
- dass Gott in der Zukunft wieder in Beziehung zu Juda treten (V. 17) und sie nach der Größe seiner Verheißungen segnen wird (V. 18). Das Volk wird eine vollkommene Wiederherstellung erleben.
- dass Fremde die Stadt Jerusalem nicht mehr durchziehen werden (V. 16.17). So wird das Volk eine vollkommene Befreiung erfahren.
- dass Jerusalem zum Wohnort des Messias werden wird, der in der Mitte seines Volkes wohnt (V. 17.21). Damit wird das Volk eine vollkommene Gemeinschaft mit Jesus Christus besitzen.
Der Herr auf Zion (V. 17)
Durch das Wirken Gottes am Herzen des zukünftigen Überrestes wird Juda zur Erkenntnis gelangen, dass der Herr (d. h. Jesus Christus) ihr Gott ist (Joel 4,17; Sach 12,10). Die Aussage „ihr Gott“ kann verschieden akzentuiert werden:
- Liegt die Betonung auf „Gott“, rückt die göttliche Autorität in den Vordergrund, unter die das Volk sich künftig stellen wird.
- Liegt die Betonung auf „ihr“, wird die wiederhergestellte Beziehung zwischen Gott und seinem Volk hervorgehoben.1
Das Volk wird also erkennen, dass der Herr ihr Gott ist, der auf Zion wohnt. Es wird unter seiner Herrschaft leben in einer wunderbaren Beziehung.
Der Prophet nennt den Berg Zion einen „heiligen“ Berg. Dieser Berg wird nicht aus sich selbst heraus heilig sein. Die Heiligkeit dieses Ortes liegt begründet in der Heiligkeit des Messias. Weil der Heilige dort wohnt, wird Zion ein heiliger Berg genannt.2
Der Ausruck „Zion“ ist im buchstäblichen Sinn zu verstehen. Es handelt sich nicht um ein „geistliches Zion“ – etwa die himmlische Stadt Jerusalem, die Versammlung. In der Zukunft wird Zion eine Stadt im Land Israel auf der Erde sein: das irdische Jerusalem. Sie wird als die „Stadt des Herrn“, „Zion des Heiligen Israels“ und das irdische Zentrum der tausendjährigen Regierung des Messias gesehen und danach mit der alten Schöpfung verschwinden.
Die bedeutende Stadt Jerusalem (Zion) wird künftig frei sein von Feinden. Solche, die zuvor als Werkzeuge des göttlichen Gerichts gegen das untreue Volk dienten, werden die heilige Stadt nicht mehr zertreten (Joel 4,16–17; vgl. Jes 52,1). Stattdessen wird der Messias dort in der Mitte seines Volkes wohnen und sein Königsthron aufrichten (Ps 2,6).
Segen im Überfluss (V. 18)
Vers 18 beginnt mit dem Ausdruck: „An jenem Tag“. Dieser Begriff steht für die Zeit, wenn das Tausendjährige Reich angefangen hat. Es ist die Zeit der Wiederherstellung aller Dinge (Apg 3,21). In dieser Zeit wird Gott die Schleusen seines Segens öffnen, den Er über Jahrtausende zurückhalten musste. Das Land wird wieder voll von Most, Milch und Wasser sein und zu seiner vollkommenen Fruchtbarkeit zurückfinden.
Der Prophet beschreibt diese Segnungen „von oben nach unten“. Zuerst sieht er die hohen Berghänge mit Weinstöcken, dann die niedrigeren Hügel mit den milchproduzierenden Herden und schließlich das Tal Sittim, das von den herabfließenden Wassern erfüllt sein wird – eine Beschreibung, die den Hinweis gibt, dass der Segen von „oben“ kommt. Er geht von Gott aus.
Der Segen im Land der Verheißung in der Zukunft steht in starkem Kontrast zum Fluch der Vergangenheit – zur Zeit Joels. Zu seiner Zeit war die Frucht im Land durch die Untreue des Volkes versiegt (Joel 1,5.10.20). Durch den Messias wird die Frucht im Tausendjährigen Reich jedoch wieder hervorsprießen und zur Freude des Volkes dienen, von der der Most (Wein) ein Bild ist (Ps 104,15; Ri 9,13; Pred 9,7; 10,19).
Die Segnungen „an jenem Tag“ werden nicht mehr vom Gehorsam des Volkes anhängig sein, sondern von der Gnade Gottes, der einen neuen Bund mit Israel eingehen wird, der auf das Blut des Opfers des Herrn Jesus gründet. Dabei sichert sein Wohnen auf Zion dem Volk jede Segnung. Er ist die Garantie dazu.
Gericht an Ägypten und Edom (V. 19)
In Vers 19 baut der Prophet einen starken Kontrast zu Vers 18 auf. Während es in Vers 18 um die zukünftige Fruchtbarkeit ging, geht es in Vers 19 um die Fruchtlosigkeit Ägyptens und Edoms. Juda wird Segen erleben und reichlich mit Most, Milch und Wasser versorgt sein, während Ägypten und Edom unter Fluch und Gericht geraten und zu einer öden Wüste werden.
Ägypten hat Israel oft im Kampf mit Assyrien durchquert und dort schreckliches Leid verursacht. Edom hat jede Gelegenheit genutzt, um das Leid, das Israel durch Feinde erfahren hat, noch zu vergrößern. Edom wird für immer als Nation ausgelöscht werden. Der Prophet Obadja spricht in seiner Prophezeiung ausführlich darüber. Ägypten hingegen wird wiederhergestellt, nachdem es für seine Sünden bestraft wurde (Jes 19,18.25).
Das Gericht an den Feinden Judas ist notwendig. Vier Gründe rechtfertigen das Gericht an den Nachbarvölkern:
- Gott muss Böses bestrafen. Er ist heilig.
- Es dient dem Volk Israel zum Genuss des Segens in ungestörter Ruhe.
- Durch den Vollzug des Gerichts ergreift der Herr Besitz von seinem Thron.
- Gott sichert dem Volk durch das Gericht der Feinde politische Sicherheit zu.
Juda und Jerusalem – Ägypten und Edom – ein Kontrast (V. 20)
In Vers 20 macht der Prophet das Endziel von Gottes Wegen in Bezug auf Israel klar: Juda und Jerusalem werden von Geschlecht zu Geschlecht bewohnt werden, im Gegensatz zu Ägypten und Edom, die zu einer Wüste gemacht werden.
Das Wohnen des Herrn in Zion (V. 21)
Das Buch endet mit der Reinigung Judas von der Blutschuld des Herrn Jesus und der Tatsache, dass Er in Zukunft in der Mitte seines Volkes wohnt.
Die hier beschriebene Reinigung bezieht sich auf das Blut Christi, an dem Juda und Jerusalem schuldig geworden sind, weil sie den Messias verworfen und gekreuzigt haben. Gott wird den gläubigen Überrest durch das Blut des Herrn Jesus reinigen, das zum Sühnungsblut geworden ist. Dadurch werden die Sünden des Volkes – besonders die Schuld der Kreuzigung des Messias – endgültig getilgt.
Zudem ist die Reinigung notwendig, damit der Herr in der Mitte seines Volkes wohnen kann. So kommt der Prophet zum Ende seiner Weissagung ein weiteres Mal auf das Wohnen des Herrn in Zion zu sprechen (vgl. Joel 4,17). Die Wiederholung offenbart, dass Er beständig in der Mitte seines Volkes wohnt, denn nur das kann alle verheißenen Segnungen und das Überleben von Juda garantieren.
Wunderbares Ziel Gottes für ein Volk, dass zutiefst in Sünde gefallen ist. Wo die Sünde überströmend geworden ist, ist die Gnade überreichlicher geworden. Durch diese wird Gott seinem Volk Wiederherstellung schenken, in Beziehung zu ihnen treten und sie segnen, während Er in ihrer Mitte wohnt. Er, der König der Könige und Herr der Herren.
Fußnoten
- 1 Nachdem Israel in die babylonische Gefangenschaft geführt worden war (606/605 bis 586 v. Chr.), erklärte Gott es zu „Lo-Ammi“ - „Nicht-mein-Volk“ (Hos 1,9). Erst in Zukunft, wenn das Volk Buße tut und seinen Messias anerkennt, wird der Herr sich dem Überrest wieder zuwenden und ihn als „sein Volk“ annehmen. Dann wird Er ihr Gott sein. Der Prophet Hosea beschreibt diesen Augenblick mit den Worten: „Und ich will zu Lo-Ammi sagen: ‚Du bist mein Volk‘; und es wird sagen: ‚Mein Gott‘“ (Hos 2,25). Welch ein wunderbares Verhältnis wird hier sichtbar!
- 2 Als der HERR Mose im Dornbusch erschien, wurde der Ort zu heiligem Boden (2. Mo 3,5); ebenso wurde der Ort heilig, als Er Josua bei Jericho begegnete (Jos 5,15). Doch als das Volk seine Wohnstätte - den Tempel in Jerusalem - entweihte, musste der HERR sein Heiligtum verlassen (Hes 10,4.18).
Quelle: bibelpraxis.de/a9799.html
Artikelreihe: Der Prophet Joel
- Einleitung
- Geschichtlicher Hintergrund
- 5 Appelle
- Der Tag des HERRN
- Gebet
- Invasion des Assyrers
- Bußaufruf
- Gottes Antwort auf den Überrest (2,18-27)
- Die Ausgießung des Geistes (3,1.2)
- Die Ausgießung des Geistes (Exkurs Pfingstpredigt)
- Gottes Gerichte in der Drangsalszeit (3,3.4)
- Errettung (3,5)
- Gericht der Nationen
- das Gericht der Nachbarvölker Israels
- Tyrus, Sidon und die Bezirke Philistäas
- Das Ende der Nachbarvölker
- Segnungen im Reich