Der Prophet Joel (16) - Joel 4 (4): Der Tag des HERRN – das Ende der Nachbarvölker (V. 9-16)

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Das Ende der Nachbarvölker (V. 9-16)

Die Verse 9–16 setzen die Gerichtsbeschreibung im Tal Josaphat fort, die der Prophet bereits in den Versen 1–3 begonnen hat. Sie schildern das endgültige Gericht Gottes über die Nachbarvölker Israels.

Aufrüstung zum Krieg (V. 9-10)

Der Abschnitt beginnt mit einem Aufruf an die Nachbarvölker, einen Krieg zu heiligen (Joel 4,9). Dazu sind umfassende Vorbereitungen notwendig, die zwei Bereiche betreffen:

  1. Mobilisierung von Soldaten (Kriegsmänner und Helden; vgl. Joel 4,9)

Für die Anwerbung der Soldaten werden nicht nur erfahrene Krieger und Helden erweckt. Es werden sogar die Schwächsten mobilisiert, die sich von der aufkommenden Kriegsbegeisterung mitreißen lassen (Joel 4,9). Auf diesem Weg werden sämtliche personelle Ressourcen ausgeschöpft, um sich für den Krieg vorzubereiten.

  1. Bereitstellung von Waffen (Schwerter und Lanzen; vgl. Joel 4,10)

Auch materielle Güter werden rückhaltlos in den Kriegsdienst gestellt. Landwirtschaftliche Werkzeuge wie Pflugscharen und Winzermesser werden zu Waffen umgeschmiedet – zu Schwertern und Lanzen (Joel 4,10; vgl. Jes 2,4; Mich 4,3). Alles Verfügbare wird für die Aufrüstung der Kriegsmaschinerie genutzt.

Aufmarsch zum Krieg (V. 11)

Auf den Aufruf zur Aufrüstung folgt der Befehl zum Aufmarsch (Joel 4,11). Dabei richtet sich die Ansprache sowohl an die Völkerschaften als auch an den HERRN:

  • Die Nachbarvölker werden aufgerufen, sich bereitzumachen und an den Ort zu kommen, an den der HERR mit ihnen Krieg führen will (Talebene Josaphat). Der Ausdruck „ringsum“ macht deutlich, dass es sich tatsächlich um die Nachbarstaaten handelt, die Israel unmittelbar umgeben (vgl. Joel 4,12; Sach 12,6).
  • Während Joel im Geist sieht, wie die feindlichen Heere ins Tal Josaphat kommen und sich sammeln, fleht er zum HERRN, seine „Helden“ zu senden, um die Feinde zu richten. Darunter sind vermutlich Engel gemeint, die hinabgesendet werden und zur Ausführung des Gerichts beitragen (Ps 103,20).

Das Gericht im Tal Josaphat (V. 12)

Der Aufruf an die Nachbarvölker, einen Krieg zu heiligen, vermittelt zunächst den Eindruck einer militärischen Auseinandersetzung. Doch das eigentliche Ziel ist ein anderes: Die Völker sollen im Tal Josaphat zusammengeführt werden, damit dort Gericht gehalten wird. Der Kriegsaufruf erweist sich damit als ein „Lockruf“, durch den die Feinde Israels vor Christus versammelt werden. Dort wird Er nicht als ,,Feldherr" auftreten, sondern sitzen, um im Rahmen eines Sitzungsgerichts Gericht über sie zu halten.1

Die Sichel Gottes (V. 13)

Dazu wird die Sichel Gottes angelegt (Joel 4,13). Das Bild, das hier gebraucht wird, erinnert an die Weizenernte und die Weinernte, die in Offenbarung 14 beschrieben wird (Off 14,14–20). Zwischen diesen beiden Ernten gibt es (auch geistlich gesehen) einen Unterschied:

  • die Weizenernte bedeutet eine Art „Scheidung“ im Gericht, bei der das Gute vom Bösen getrennt wird;
  • die Weinlese ist mehr die Ausübung von Rache.

Der Bibelausleger John N. Darby schreibt dazu folgendes: „Hier scheint es mir, als wenn beide Bilder (Weizenernte und Weinlese) zusammengenommen den allgemeinen Gedanken der Ausführung des Gerichts darstellen, wiewohl dasjenige der Kelter (Weinlese) das kräftigere ist.“2

Der Tag des Herrn (V. 14-16)

Das Gericht über die Nachbarvölker vollzieht sich am „Tag des Herrn“. Dieser Tag ist prägend für das Buch Joel (Joel 4,14; vgl. Joel 1,15; 2,1; 2,11; 3,4). Er ist durch zwei Seiten gekennzeichnet: Gericht und Segen. Im Buch Joel steht jedoch deutlich die Gerichtsperspektive im Vordergrund, bei der Christus Gericht üben wird - über den Assyrer und über die Nachbarvölker ringsum Israel, bevor die Zeit des Tausendjährigen Segens im Reich anbrechen wird.

Der Herr in Zion

Am Ende wird der Blick auf Zion gelenkt. Dort wird Christus wohnen, und in seiner Gegenwart findet der gläubige Überrest aus Juda Schutz und Geborgenheit, während der Ausübung des Gerichts (Joel 4,16). Jerusalem wird die Wohnstätte Gottes sein. Fremde werden die Stadt nicht mehr durchziehen; sie wird heilig sein. Ein Zustand, der aus heutiger Sicht kaum vorstellbar ist, aber Gottes Ziel mit seinem Volk widerspiegelt.

Fußnoten

  • 1 Trotz gewisser Parallelen besteht jedoch kein direkter Zusammenhang mit dem später stattfindenden Gericht in Matthäus 25,31-46. Im Buch Joel richtet sich das Gericht vor allem gegen die Nachbarvölker Israels, während das Gericht der Lebendigen in Matthäus alle Nationen betrifft - abhängig davon, wie sie den jüdischen Sendboten begegnet sind.
  • 2 Betrachtung über den Propheten Joel - Synopsis
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