Der Prophet Joel (13) - Joel 4 (1): Der Tag des HERRN – Gericht und Segnung

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I: Gericht der Nationen (V. 1-16)

Das letzte Kapitel im Buch Joel lässt sich in zwei Abschnitte gliedern. Beide stehen in starkem Kontrast zueinander:

  • Die Verse 1-16 schildern das zukünftige Gericht über die feindlichen Nachbarvölker Israels.
  • Die Verse 17-21 beschreiben den kommenden Segen im Tausendjährigen Reich, sowie das Wohnen des Herrn in Zion, in der Mitte seines Volkes (zukünftiger Überrest).

Der zentrale Schlüssel in diesem Kapitel ist der Tag des Herrn (vgl. Joel 1,15; 2,1.11; 3,4). Er bildet den Ausgangspunkt sowohl für das Gericht über die Nachbarvölker um Israel als auch für den künftigen Segen des Volkes im Tausendjährigen Reich. Für den Herrn bedeutet dieser Tag Herrlichkeit. Denn an diesem Tag werden sowohl seine Heiligkeit und Gerechtigkeit (im Gericht) als auch seine Gnade und Liebe (im Segen) vor der Welt sichtbar.

Der Inhalt dieses Kapitels hält unterschiedliche Themenschwerpunkte bereit. Die zentralen Geschehnisse, die sich auf die Zukunft beziehen und zwischen der Erscheinung des Herrn Jesus und der Aufrichtung seines Reiches liegen, sind:

  1. die Befreiung Judas: Der Herr wird sein Volk zuerst von seinen Feinden befreien auf eine Weise, die nur Gott bewirken kann (Joel 4,1a).
  2. das Gericht der Nachbarvölker: Außerdem wird Er die Nachbarvölker um Israel in der Talebene Josaphat richten (Joel 4,1b–16a).
  3. Schutz und Sicherheit: Während des Gerichts wird Er seinem Volk Schutz bieten und wie eine Festung sein, in der der Überrest in Sicherheit wohnt (Joel 4,16b.17).
  4. Segnungen im Reich: Nach dem Gericht der Nationen wird für Israel eine Segenszeit anbrechen. Christus wird in der Mitte des Volkes wohnen (Joel 4,18-21).

Die Ereignisse schildern den Weg, den Gott einschlagen wird, um das Ziel zu erreichen, sein Volk (d. h. den Überrest aus Juda) in die verheißenen Segnungen einzuführen – sowohl in die materiellen (Joel 2) als auch in die geistlichen (Joel 3). Damit dieses Ziel verwirklicht werden kann, muss zunächst Judas Gefangenschaft gewendet und das Gericht über die Nachbarvölker vollzogen werden. Danach kann Gottes Heilsplan für Israel zur Vollendung gebracht und das Volk in die Segnungen des Tausendjährigen Reiches eingeführt werden.

Der Wiedererhalt aller Segnungen basiert auf der Grundlage des vollbrachten Werkes des Herrn Jesus, auf dem Blut des neuen Bundes, den Gott mit dem zukünftigen Überrest aus Israel (hier Juda) eingehen wird.

Das Ende der Gefangenschaft für Juda und Jerusalem (V. 1)

In der Geschichte wurden Juda und Jerusalem immer wieder erobert und zerstört. Vielfach nahmen fremde Völker Besitz von der Stadt. Seit 1948 ist Israel jedoch wieder ein eigenständiger Staat. Allerdings bleibt er auf die Unterstützung seiner Verbündeten angewiesen, insbesondere der USA1 und Europa.

Der politische und militärische Druck feindlicher Völker (Nachbarvölker) lastet dagegen weiter schwer auf dem kleinen Land. Immer wieder wird Israel zur Zielscheibe von Angriffen. Ein letzter großer Schlag war am 7. Oktober 2023, als die Hamas ins Land einfiel und mehr als 1200 Israelis tötete und mehr als 200 Geiseln verschleppte. Nach biblischer Prophetie wird dieser äußere Druck in der Zukunft zunehmen. Unter wachsender Bedrängnis werden viele Juden den Antichristen annehmen, weil er als Hoffnungsträger erscheint (Joh 5,43). Doch Erlösung wird er nicht bringen (Sach 11,17). Vielmehr wird es dazu kommen, dass Nationen gegen Jerusalem ziehen und die Stadt belagern. Die Lage wird völlig aussichtslos erscheinen, insbesondere für die Gläubigen.

Diese erleben dann die „Zeit der Drangsal für Jakob“ (Jer 30,7). Sie sind nicht nur von äußeren Feinden bedroht, sondern auch von ihren eigenen Landsleuten, die dem Antichristen folgen. Dennoch bedeutet diese Bedrohung nicht den vollständigen Untergang für Juda und Jerusalem.

Denn Joel beginnt seine Weissagung in Kapitel 4 mit einer Verheißung. Christus selbst wird die Gefangenschaft Judas wenden und der Unterdrückung ein Ende bereiten. Der Zeitpunkt wird mit den Worten „in jenen Tagen“ und „zu jener Zeit“ beschrieben (Joel 4,1). Diese Ausdrücke knüpfen an die zuvor angekündigte Ausgießung des Geistes zu Beginn des Tausendjährigen Reiches in Joel 3,1 an. Damit wird deutlich, dass die endgültige Befreiung Judas untrennbar mit der Aufrichtung des künftigen Reiches verbunden ist.2

Für den treuen Überrest aus Juda wird das Ende der Gefangenschaft ein überwältigender Augenblick sein. Nach der finsteren Zeit der Drangsal bricht Erlösung für das leidgeprüfte Volk an. Nicht durch menschliche Anstrengung oder politische Strategien, sondern allein durch das machtvolle Eingreifen des Messias am Tag des Herrn, der seinem Volk Befreiung von seinen Feinden schenkt, unter deren Herrschaft sie unsagbar schwer gelitten haben.

Christus der Erlöser

Die Wendung der Gefangenschaft Judas macht die Größe und Erhabenheit des Messias Jesus Christus deutlich. Er ist der Erlöser, der zugunsten seines Volkes handelt und Befreiung bringt. Das gilt im geistlichen Sinn auch für uns heute. Wir dürfen schon jetzt als Befreite leben. Es gibt Feinde, die uns einst beherrschten: Satan, die Sünde und die Welt (Eph 2,1–3). Aus ihrer Macht sind wir erlöst (Heb 2,15; Röm 6,18; Gal 1,4). Für diese Erlösung dürfen wir jeden Tag danken und durch Christus, der uns Erlösung geworden ist, unseren Vater anbeten (1. Kor 1,30; Joh 4,23.24).

Fußnoten

  • 1 Es bleibt offen, welche Rolle die USA in der biblischen Prophetie spielen wird. An keiner Stelle der Bibel wird sie ausdrücklich erwähnt. Entweder zieht sich die USA in einem gewissen Sinn aus dem Geschehen zurück und überlässt Europa (dem kommenden Römischen Reich) die Bühne, oder dieses Land ist stillschweigend in das westliche Bündnis eingebunden, von dem die Bibel spricht. Letztlich müssen wir die Frage offenlassen, obwohl mir die Tendenz zu ersteren Überlegung wahrscheinlicher erscheint.
  • 2 Es ist dem Text nicht eindeutig zu entnehmen, ob das Gericht der Nachbarvölker Israels kurz vor der Ausgießung des Geistes stattfindet oder in direktem Zusammenhang damit steht. Wenn das Gericht der Nachbarvölker (Joel 4) in dem Gericht des Assyrers (Joel 2) eingeschlossen ist - was treue Ausleger für möglich halten - dann würde das Gericht der Nachbarvölker noch vor der Ausgießung des Geistes über alles Fleisch stattfinden.
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