Am: Sa, 6. Juni 2026
Es ist bemerkenswert, dass es kaum noch Menschen gibt, die nicht unter einem Trauma leiden. Sogar Fußballvereine scheinen dazu zu gehören. Am meisten schadet diese "Inflation" denen, die wirklich Hilfe nötig haben.
Da es einige nachvollziehbare Fragen zu diesem Podcast gab, haben wir einen zweiten zu diesem Thema gemacht, der am 13. Juni zur gewohnten Zeit veröffentlicht wird.
Transkript der Audiodatei
Hinweis: Der folgende Text ist ein computer-generiertes Transkript der Audiodatei. Vereinzelt kann die Spracherkennung fehlerhaft sein.
(00:00:00)
Vor kurzem wurde ich aufmerksam auf einen Artikel, den ich in der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung las, über Traumata und da wurde die Frage gestellt, warum haben plötzlich alle
ein Trauma?
Der Artikel wird eingeleitet mit der Feststellung, es hat mittlerweile den Anschein, dass beinahe
jedes Lebensereignis einen bleibenden Schaden hinterlassen kann.
Den Medien ist zu entnehmen, dass der Hamburger Sportverein bis eben ein Aufstiegstrauma hatte.
Wenigstens im Sprachgebrauch finden wir, dass Trauma ein ständig wiederkehrender Begriff
geworden ist.
Es heißt hier im Artikel, eine Inflation des Traumabegriffs ist aber auch in der Psychotherapie
zu beobachten.
Was ist denn ein Trauma?
Da wird in dem Artikel gesagt, wie der Begriff Trauma, der aus dem Altgriechischen stammt
und in der Medizin für Wunde verwendet wird, schon andeutet, geht es eben um eine seelische
Verletzung als Folge eines oder mehrerer Ereignisse, die der oder die Betroffenen als schwere psychische
Erschütterung erleben und letztlich nicht verarbeiten können.
Dabei ist nicht das Trauma selbst notwendigerweise das Hauptproblem, sondern die sogenannten (00:01:05)
Trauma-Folgestörungen, wie in der posttraumatischen Belastungsstörung eine Depression, Angst,
Sucht, dissoziative Störungen oder dergleichen, die dann zur Ursache für Behandlungen werden.
Es ist tatsächlich interessant, dass man den Eindruck hat, dass Trauma und Traumata
ständig jetzt wiederkehren in das Bewusstsein.
Wir haben an anderer Stelle schon von der Psychologisierung von vielem gesprochen und
das erlebt man hier auch.
Wenn man mal überlegt, was die Ursachen, also die Anlässe für Traumata sind und dann
auf die Bibel zurückschaut, dann wird man erstens feststellen, dass Kriege in der Bibel
Tagesordnung waren, im alten Testament jedenfalls.
Da finden wir, dass das Volk Israel von Krieg zu Krieg gelaufen ist.
Hast du schon jemals erlebt, gelesen, dass in Gottes Wort davon die Rede ist, dass da
eine Person ein Trauma hatte? Das heißt natürlich nicht, dass es sie damals nicht gab!
Natürlich finden wir Personen, die sich durch Erlebnisse auffällig verhalten haben, aber früher jedenfalls hat
man das nicht Trauma genannt - wobei dieser Begriff sicherlich, wenn er existiert hätte, hätte genannt werden können.. (00:02:02)
Heute bei der Psychologisierung, die wir erleben, ist das jedenfalls der Fall.
Zweitens, wir haben immer wieder Vergewaltigungen in der Bibel, das ist ja wirklich etwas furchtbares.
Das sind in der Tat Traumata! Wir denken an Dina in 1.
Mose 34 Vers 2, die von Sichem, dem Sohn Hemos, entehrt wird, das ist ein anderer Begriff
für Vergewaltigung.
Wir haben in 2.
Samuel 13 Vers 14, dass Amnon Tamar vergewaltigt.
Ja, sie geht dann nachher in einer sehr besonderen Weise damit um, wie sie in der Öffentlichkeit
auftritt.
Aber hat diese Verhaltensweise wirklich mit einem oder dem Trauma zu tun? Geht es nicht vielmehr
um diese Entehrung, die für sie bedeutete, dass sie jetzt keine Möglichkeit mehr hatte,
keine Chance mehr hatte zu heiraten?
Wir finden in der Bibel furchtbare Ehen, die sicherlich begleitet waren von schlimmen Lebensumständen.
Ich nehme mal ein Beispiel, das ist Abigail, die mit einem Mann verheiratet war, der Nabal
hieß. (00:03:01)
Und wir lesen in 1.
Samuel 25 in Vers 25, dass wenn sie David zu beschwichtigen sucht, sie sagt,
Mein Herr, kümmere sich doch nicht um diesen Mann Belials, um Nabal, denn wie sein Name,
so ist er.
Nabal ist sein Name, und Torheit ist bei ihm.
Das heißt, Nabal bedeutet Tor, gemeiner Mensch, und Torheit, Schlechtigkeit oder Gemeinheit
ist bei ihm.
Sie muss darunter sehr gelitten haben, und sie muss, wir würden heute sagen, traumatische
Erlebnisse dort gehabt haben, bei diesem Tor, dessen Herz später wie Stein wird, nachdem
er sich dann auch noch betrunken hat.
Aber wir lesen nichts davon, dass Abigail irgendwie ein Trauma hatte.
Wir finden das Volk Israel, viertens, in einer furchtbaren Sklaverei in Ägypten, hat jemals
jemand gelesen davon, dass sie da traumatische Erfahrungen gemacht haben?
Das haben sie im heutigen Sinn, aber wir lesen nicht, dass sie dadurch irgendwie in ihrem
Leben kaputt gemacht worden sind.
Bedenke bitte fünftens, was das Volk Israel, und sagen wir mal ganz besonders, die Nachkommen, (00:04:04)
die Kinder Korahs, die Söhne Korahs erlebt haben, als diese Rotte Korahs einfach verschluckt
wurde vom Erdboden, das würden wir heute unbedingt als traumatisches Erlebnis bezeichnen,
4. Mose 16, irgendeinen Hinweis darauf, dass die Personen danach irgendwie eine posttraumatische
Belastungsstörung, PTBS, gehabt haben? Es muss doch schrecklich gewesen sein, das bei der
eigenen Familie zu erleben! Und wie sind die Erlebnisse von Paulus zu werten?
Gehen wir mal nach 2. Korinther 6, es gibt ja mehrere Stellen in diesem Brief, auch Kapitel
11 besonders noch, wo Paulus von seinen traumatischen Erlebnissen berichtet.
2. Korinther 6 Vers 4, in allem uns als Gottesdiener erweisen, in vielem Aussagen, in Bedrängnissen,
in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufständen, in Mühen, in Wachen, in Fasten.
Und später heißt es, dass sie als Gezüchtigte gelebt haben, als Traurige, als Arme.
In Kapitel 11 finden wir dann später, dass er davon spricht, dass er in Vers 23, dass (00:05:08)
er in Mühen überreichlicher war, in Gefängnissen überreichlicher, in Schlägen übermäßig,
in Todesgefahren oft.
Dann von den Juden habe ich 5 mal empfangen, 40 Schläge weniger eine.
Das war eine Methode, um sicherzustellen, dass man nicht zu weit gegangen ist.
3 mal bin ich mit Ruten geschlagen, 1 mal gesteinigt worden, 3 mal habe ich Schiffbruch
erlitten, einen Tag und eine Nacht habe ich in der Tiefe zugebracht.
Oft auf Reisen in Gefahren, durch Flüsse in Gefahren, in Gefahren durch Räuber, in
Gefahren von meinem Volk, in Gefahren von den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in
Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern,
in Mühe und Beschwerden, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte
und Blöße, außer dem, was außergewöhnlich ist.
Also wir sehen, dass Paulus hier wirklich traumatische Erlebnisse hatte.
Wenn man noch das Kapitel 1 dazu nimmt, dann spricht er dort in Vers 8, (00:06:04)
Denn wir wollen nicht, dass euch unbekannt sei, Brüder, was unsere Bedrängnisse betrifft,
die uns in Asien widerfahren sind, dass wir übermäßig beschwert wurden, übervermögen,
sodass wir sogar am Leben verzweifelten.
Wir selbst aber hatten das Urteil des Todes in uns selbst, damit wir nicht auf uns selbst
vertrauten, sondern auf den Gott, der die Toten auferweckt, der uns von so großem Tod
errettet hat und errettet, auf den wir unsere Hoffnung gesetzt haben, dass er uns auch ferner
retten wird.
Also er hat diese furchtbaren Erlebnisse so erlebt, als ob er mit dem Leben abgeschlossen
hätte und dann das Weiterleben, das der Herr ihn doch bewahrt hat, wie eine Totenauferweckung
ansieht.
Das sind Menschen, in dem Fall jetzt auch zum Teil Gläubige, die wirklich traumatische
Erlebnisse hatten.
Und dann fragt man sich, warum liest man bei ihnen nichts von einer PTBS, von solchen Einschränkungen?
Nun erstens, das war durchaus nicht immer geistlich, wie sie gehandelt haben, nicht
geistlich, wie sie darauf reagiert haben und Vertrauen auf Gott, bei dem Volk Israel ein (00:07:02)
großer Teil war ungläubig.
Trotzdem haben sie nicht von diesen Traumaerlebnissen gesprochen. Sicher, diesen Begriff
gab es damals auch nicht. Jedenfalls war es zweitens damals keine Mode.
Heute ist es dazu geworden, das ist ja offensichtlich der Anlass auch für
diesen Zeitungsartikel, dass man eben durch eine Traumabewältigung, durch eine Traumatherapie,
dadurch, dass man von einem Trauma spricht, dass man im Gespräch ist.
Damals hatte man drittens keine Zeit für so etwas, keine Zeit für solche Behandlungen,
keine Zeit, sich damit zu beschäftigen, keine Zeit, sich selbst damit auseinanderzusetzen,
weil einfach die Anforderungen des Lebens das nicht zugelassen haben und man gelebt hat,
weil man einfach lebenstüchtig sein wollte, weil man in dem Leben sich auch zur Verfügung
stellen wollte.
Das heißt viertens, diese Dinge hatten keinen Stellenwert in der Gesellschaft.
Heute haben sie einen Stellenwert.
Heute ist jede Einschränkung, ist jede psychologische Behandlung, ist der Rede wert und wir als
Christen, wir als Gläubige, wir passen uns hier an, wir sind beeinflusst von diesen Zeitströmungen (00:08:03)
und sie kommen meistens ein paar Jahre später dann auch bei uns an und deshalb ist das auch
unter Christen inzwischen ein so hohes Thema.
Fünftens, sicher, die hatten damals viele Kriege, das waren häufige Ereignisse, so
dass sie sich daran gewöhnt haben, aber irgendwann war immer das erste Mal und dann lesen wir
trotzdem nichts von Traumata oder dergleichen.
Sechstens, ist das nicht oft Egoismus heute?
Die Frage ist, wie geht es mir, was empfinde ich?
In jedem Seminar wird gefragt, wie haben sie sich damit gefühlt, wie haben sie das empfunden
und so weiter.
Der Mensch wird in den Mittelpunkt gestellt.
Das war damals nicht so.
Selbst in der ungläubigen Welt war nicht der Mensch der Mittelpunkt von allem, obwohl
natürlich auch da Egoismus existierte.
Aber heute ist es eben, man muss fragen, wie geht es dem Menschen und wenn man das nicht
fragt, dann ist man nicht sensibel, dann ist man nicht empathisch, mag ja auch alles richtig
sein.
Aber dadurch kommen eben auch solche Auswüchse dann, dass inzwischen alles zu einem Trauma
erklärt wird.
Siebtens, wenn es dann Glaubensleute gab, die hatten Vertrauen auf Gott.
Sehen wir Paulus an, hier im zweiten Koranterbrief, das zeigt, auch er hatte wirklich verzweifelte (00:09:06)
Umstände, wo er verzweifelt ist, aber er hat auf Gott vertraut und hat sich Gott übergeben
und das fehlt uns Christen.
Wir können ja und brauchen uns auch keine Gedanken zu machen über das, was in der Welt
los ist.
Aber auch unter Gläubigen ist es jetzt ständig von Psychologen und Psychotherapeuten und
es müssen so viele auch ausgebildet werden, als sogenannte Heilpraktiker, um dann eine
psychologische Beratung davor nehmen zu können, ist das, was wir in Gottes Wort finden, ist
das nicht eben eine Therapeutisierung, eine Psychologisierung, eine Verkrankheitsmachung,
die wir in unserer auch geistlichen Glaubensgesellschaft haben?
Ja, es ist ganz gewiss wahr, es gibt einen Niedergang in der Schöpfung.
Dieser Niedergang, der eingesetzt hat mit dem Sündenfall, der geht natürlich immer
weiter, dass wir nicht mehr so robust sind wie früher, das ist zweifellos der Fall.
Das heißt aber immer noch nicht, dass wir einfach auf diesem Weg weitergehen sollten
und alles zu einer psychischen Erkrankung und zu einem seelischen Trauma deklarieren (00:10:02)
sollten.
Ja, wir dürfen nichts kleinreden an schlimmen Erfahrungen, das tut Gott auch nicht, das
tut er auch in der Schrift nicht, Gott sagt nicht, dass eine Vergewaltigung nicht etwas
Furchtbares ist, er sagt nicht, dass ein sexueller Missbrauch von Kindern nicht etwas
Furchtbares ist, das ist es und dabei bleiben wir auch. Das sind in der Tat Traumata!
Gott nennt diese Dinge und er nennt sie eine schlimme Sünde von Seiten derer, die das tun
und damit macht er ganz deutlich, was für ein Urteil er darüber hat.
Das heißt, Gott redet die Dinge nicht klein, aber er empfiehlt auch nicht, dass man sich in
einen Opferstatus begibt und dann ein Leben lang davon zehrt, dass man eben ein Opfer
gewesen ist. Das ist man gewesen, wenn man vergewaltigt worden ist und bei Kindesmissbrauch
erst recht, das sind ganz furchtbare Dinge, echte Traumate, die wir in keiner Hinsicht irgendwie kleinreden
dürfen. Aber aus allen Dingen, aus allen Problemen ein Trauma zu machen, das hilft
gerade denen nicht, die wirklich ein Trauma haben, die wirklich in eine furchtbare Situation
gekommen sind, wie man Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch nennen muss.
Wir wollen uns zweitens damit beschäftigen, wie wir helfen können, sind wir solche, die (00:11:06)
eine Hilfe sein können, damit erstens Wunden wirklich verbunden werden, dass Balsam auf
Wunden kommt und damit darüber hinaus solche Personen eben gerade nicht in ein Loch fallen
oder sich von dem Zeitgeist, der in unserer Gesellschaft herrscht, auch in dieser Hinsicht
anstecken lassen.
Das heißt, auch im Blick auf uns selbst wollen wir nicht zulassen, dass wir in eine Spirale
kommen, da ist der Ehepartner gestorben, heimgegangen, wir wissen, dass er beim Herrn ist, aber dann
geht eine Spirale los, dass wir uns ständig um uns selbst drehen, im Selbstmitleid kommen.
Jetzt kannst du sagen, du kannst ja gar nicht mitreden und wahrscheinlich hast du recht
damit und trotzdem zeigt uns doch Gottes Wort, dass gerade als Gläubige wir eine andere Perspektive
haben.
Was hat Abraham getan?
Er hat seine Frau beerdigt, aber dann ist er aufgestanden, weg von dieser Grabstätte
und Gott zeigt uns Möglichkeiten, Gott zeigt uns Mechanismen, wenn ich das technisch ausdrücken
darf, wo wir diese Dinge überwinden können. (00:12:03)
Das heißt, es liegt auch an mir selbst, wie ich mit einer traurigen, mit einer schweren,
mit einer schlimmen, einer furchtbaren Erfahrung umgehe.
Die Erfahrung, da kann ich nichts für, die ich machen musste, aber wie ich damit umgehe,
dafür bin ich verantwortlich, nicht ein Kind.
Bei einem Kind ist das etwas anders, wenn wir von dieser furchtbaren Sache von Pädophilie
und sexuellem Missbrauch reden, echter Missbrauch! Aber als Erwachsener sind wir durchaus
fähig, die psychologisch genannten Ressourcen zu nutzen, die Gott uns gegeben hat und ja,
er hat sie uns gegeben. Wir haben einen Gott im Himmel, wir haben einen Herrn Jesus,
der uns vollkommenen Beistand geben kann.
In aller Regel haben wir auch eine Familie, haben wir auch Gläubige, die uns zur Seite
gestellt werden.
Ja, wir müssen auch sagen, dass wir in einer verweichlichten Gesellschaft leben, wo inzwischen
alles so furchtbar ist, alles so schlimm ist, dass alles dramatisiert wird.
Wollen wir mitmachen auf diesem Weg?
Das wollen wir nicht.
Also wir wollen auf der einen Seite Dinge nicht kleinreden: Missbrauch ist und bleibt Missbrauch!
Wir wollen aber nicht dadurch, dass wir alles zu einem Trauma erklären, dazu führen, dass wirkliche (00:13:05)
Nöte dadurch eben nicht mehr als solche erkannt werden und nicht mehr als solche behandelt werden
und wir solchen eben dann nicht helfen können.
Wir wollen die richtige Einordnung haben, dann werden wir uns richtig verhalten und
dann werden wir selbst auch in unserem eigenen Leben die Dinge richtig sehen. Am Samstag, den 13. Juni, wird noch ein zweiter Podcast zu diesem Thema diese Gedanken ergänzen. Da es einige nachvollziehbare Fragen zu diesem Podcast gab, haben wir einen zweiten zu diesem Thema gemacht, der am 13. Juni zur gewohnten Zeit veröffentlicht wird.