2 Fragen zum "Zurückziehen" aus der Gemeinschaft der Gläubigen und zum Behandeln von Sünde einer solchen Person (Teil 1)


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(00:00:00) Wir haben von einem Leser, einem Bruder, zwei Fragen bekommen und ich möchte gerne versuchen, diese Fragen auch zu beantworten. 1. Wenn jemand aus eigener Initiative für längere Zeit aufhört, das Brot zu brechen. Frage Teil A: Kann diese Person dann irgendwann zurückkommen und das Brotbrechen aus eigener Initiative und ohne Prüfung wieder aufnehmen? Frage Teil B: Hat das örtliche Zusammenkommen die Pflicht, nach einer gewissen Zeit festzustellen und danach zu handeln, dass diese Person sich faktisch selbst zurückgezogen hat? Und ist dies der Person, die sich zurückgezogen hat, auch mitzuteilen? Das ist also erstmal Punkt 1. Wenn man versucht, diese Fragen zu beantworten, muss man Folgendes erst einmal zur Kenntnis nehmen. Fragen bzw. Antworten zu diesem Themengebiet finden wir in Gottes Wort, im Neuen Testament. Es geht ja um die Wahrheit der Versammlung und wie die Versammlung handelt bzw. handeln muss. Letztlich findet man das in Kapitel 5, Kapitel 10 und Kapitel 11 des 1. Korintherbriefs. Wir haben auch die Frage von Ausschluss und Aufnahme in Matthäus 18 Verse 15 bis 20. (00:01:05) Aber damit ist es fast erschöpft. Ich sage fast, weil es natürlich einzelne Hinweise auch noch an anderer Stellen gibt. Das heißt, wir haben nicht viele Verse in Gottes Wort im Neuen Testament, die dieses Thema behandeln. Wir müssen also nach Prinzipien suchen, die das biblische Handeln zeigen. Die Frage des Ausschlusses wird in vorbildlicher Weise noch in 3. Mose 13 und 14 bei der Frage des Aussatzes vorgestellt. Zwei lange Kapitel, die uns deutliche Hinweise geben, wie wir im Blick auf die Frage, muss ausgeschlossen werden oder nicht, genau prüfen sollen. Nun, wenn jemand aus eigener Initiative für längere Zeit aufhört, das Brot zu brechen, müssen wir erst einmal sagen, das kennt Gottes Wort nicht. So etwas kommt in Gottes Wort nicht vor. Wir lesen im Gegenteil in 1. Korinther 11 Vers 28: "Jeder aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch". Ja, wir haben eine persönliche Prüfung, jeden Sonntag für uns vorzunehmen, ich für mich ganz persönlich, (00:02:02) du für dich, was ist eigentlich in meinem, in deinem Leben los? Aber dann ist die Alternative nicht zu sagen, nein, dann eben nicht. Sondern, ich prüfe mich und wo etwas zu bekennen ist, bekenne ich das dem Herrn. Wo etwas zwischen mir und meinem Bruder steht, dann bekenne ich es meinem Bruder und dann esse ich. Also die Alternative, nichts zu essen, gibt es nicht. Ich spreche jetzt natürlich nicht von dem Fall, dass jemand in einen sündigen Zustand gekommen ist. Also nach 1. Korinther 5, dass jemand ein Hurer geworden ist, ein Habsüchtiger, ein Räuber, ein Götzendiener und so weiter. Wobei es eben nicht darum geht, dass man dann erst ein Hurer wird, wenn man dies 10 Mal getan hat. Einmal Hurerei ist bis auf absolute Ausnahmen ein Beweis, dass ein böser Zustand in meinem Herzen schon vorhanden war und ich dahin gekommen bin. Also Gottes Wort kennt nicht ein sich selbst Zurückziehen, das ist unnormal, das ist unbiblisch. Dann schließt sich die Frage an, was ist dann zu tun? Die Antwort ist, erstens ein persönlicher Hirtendienst. (00:03:04) Wir sind als Glieder der Versammlung Gottes, 1. Korinther 12, zusammengestellt, sind voneinander abhängig, sind miteinander verbunden. Und das heißt, in persönlicher Weise wird, wenn es sich um eine männliche Person handelt, ein Bruder einen solchen Dienst tut. Wenn es sich um eine weibliche Person handelt, vielleicht eine Schwester, die das sieht. Wir finden in Titus 2 diesen Hirtendienst von älteren Schwestern beispielsweise. Oder ein Ehepaar tut diesen Dienst, einen persönlichen Hirtendienst. Ich merke, dass jemand immer seltener kommt, ich merke, dass jemand auf einmal gar nicht mehr kommt. Dann gehen wir hin, dann versuchen wir, eine solche Person zu erreichen. Wir finden zweitens, dass in Gottes Wort gezeigt wird, dass es einen Ältestendienst gibt. Damals gab es angestellte Älteste, weil die Apostel sie angestellt haben oder Delegierte der Apostel. Heute haben wir das nicht mehr, aber den Ältestendienst gibt es weiter. Und Petrus zeigt uns in 1. Petrus 5, dass gerade der jetzt angesprochene Fall eine Aufgabe von Ältestendienst ist: (00:04:01) "Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist". Dann wird gezeigt, in was für einer Art und Weise wir das tun sollen, 1. Petrus 5 Vers 2. Das heißt, da findet ein Ältestendienst statt, wenn ein persönlicher Dienst, unabhängig davon, ob das jetzt jemand ist, der einen Ältestendienst tut oder nicht, nicht wirklich Frucht hervorbringt, wenn somit die wegbleibende Person nicht wieder zurückkommt. Dann ist die Brüderschaft gefordert, einen solchen Ältestendienst auszuüben, so jemanden zu besuchen. Warum? Um Ursachen herauszufinden. Warum kommt derjenige denn nicht? Man sollte sich sehr davor hüten, das vorweg einfach schon anzunehmen, zum Beispiel zu meinen, er sei weltlich gesonnen, oder es sei etwas Böses vorgekommen. Wir wissen das nicht und deshalb können wir das auch nicht einfach annehmen. Nein, wir müssen in einem solchen Gespräch herausfinden, liegt die Ursache bei ihm, bei dieser Person, dass irgendetwas vorgefallen ist? Liegt die Ursache vielleicht bei uns, den Geschwistern, dass wir hartherzig sind, dass wir hart mit einer solchen Person handeln, dass wir lieblos sind, kalt sind? (00:05:04) Was ist wirklich los? Liegt das an dem Zusammenkommen, an den Prinzipien des Zusammenkommens, dass jemand sich damit nicht mehr einsmachen kann. Oder dass er gemerkt hat, dass da irgendetwas nicht in Ordnung ist? Das werden wir sicher herausfinden wollen. Oder gibt es einen dritten, vierten Grund, den wir jetzt nicht bisher genannt haben, weil es viele Gründe geben mag. Dann ist natürlich die Konsequenz, dass man Korrekturen vornimmt. Die Person an sich selbst, wir an uns, wenn wir lieblos oder in anderer Weise falsch gehandelt haben. Wenn das Zusammenkommen nicht mehr nach den biblischen Kriterien stattfindet und jemand uns das aufzeigt, dann müssen wir das ebenfalls korrigieren. Hoffentlich sind wir bereit, Korrekturen auszuführen. Das ist das Erste, was wir miteinander tun wollen. Dann ist jetzt der erste Teil der Frage: Kann diese Person dann irgendwann zurückkommen und das Brotbrechen aus eigener Initiative und ohne Prüfung wieder aufnehmen? (00:06:01) Dabei müssen wir bedenken, dass in 1. Korinther 10 deutlich gemacht wird, dass wir Gemeinschaft miteinander haben beim Brotbrechen. 1. Korinther 10 Vers 17: Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen Teil an dem einen Brot. Mit anderen Worten, wir haben Gemeinschaft miteinander, wenn wir von diesem Brot essen. Diese Gemeinschaft setzt voraus, dass wir Verantwortung füreinander übernehmen. Ich habe ja Gemeinschaft mit jemandem und 1. Korinther 10 macht im weiteren Verlauf deutlich, dass äußere Teilhabe innere Gemeinschaft bedeutet. Das heißt, wenn jemand in einem bösen Zustand nach 1. Korinther 5, in moralisch oder lehrmäßig bösem Zustand (1. Korinther 5 und Galater 5), beides wird Sauerteig genannt, lebt und dort am Brotbrechen teilnimmt, führt die äußere Verbindung, die ich mit ihm habe, die äußere Teilhabe an dem Brotbrechen, zu innerer Gemeinschaft, nämlich mit diesem Bösen. Das heißt, wir haben Verantwortung füreinander. (00:07:01) Diese Verantwortung aber kann ich nicht mehr wahrnehmen, wenn jemand nicht kommt. Ich weiß ja gar nicht, wie sein Leben aussieht. Ich kann nicht mit ihm sprechen, ich habe keine Verbindung zu ihm. Er entzieht sich damit der, im positiv gemeinten Sinn, Zucht der Versammlung. Das heißt, diese Verantwortung kann ich nicht wahrnehmen, deshalb weiß ich nicht, in was für einem Zustand er ist, kann das auch nicht übersehen. Das macht deutlich, wenn jemand längere Zeit nicht gekommen ist, dann ist natürlich ein Gespräch nötig. Er kann nicht einfach teilnehmen, sondern es ist ein Gespräch wichtig. Und wer ist dafür verantwortlich, das deutlich zu machen? Natürlich die Brüderschaft, solche, die einen Ältestendienst tun. Das heißt, man geht zu ihm und sagt, lieber Bruder, wir wissen nicht, was los ist, vielleicht erfährt man das eben in einem solchen Gespräch, aber wir können die Verantwortung dir gegenüber nicht wahrnehmen und du uns gegenüber auch nicht, weil du nicht mehr die Gemeinschaft, die Verbindung mit uns pflegst. (00:08:01) Das heißt, bevor du wieder am Brotbrechen teilnimmst, ist ein Gespräch notwendig, damit wir der Ordnung der Schrift, 1. Korinther 10, auch nachkommen können. Das heißt, in der Tat, so jemand kann dann nach einer gewissen Zeit nicht einfach wieder kommen und vom Brot essen. Aber noch einmal, das setzt voraus, dass wir ihm das gesagt haben, dass wir mit ihm gesprochen haben. Und das zeigt, wie wichtig es ist, diese Verantwortung wahrzunehmen. Nicht als Polizei, natürlich nicht als Polizei, aber doch als solche, die Verantwortung füreinander spüren, die Verantwortung füreinander auch wahrnehmen. Das heißt, wir teilen ihm das mit und dann haben wir auch die Verantwortung, das der Versammlung, dem örtlichen Zusammenkommen mitzuteilen. Die Geschwister wissen ja nichts von unseren Gesprächen, sie müssen aber wissen, wie sie sich so jemandem gegenüber verhalten sollen. Was ist denn los mit dieser Person? Es kann ja nicht jeder ein Gespräch mit ihm suchen. Bei einem Zusammenkommen, das vielleicht aus 50 oder 100 Personen besteht, sind das so viele, dass es nicht möglich ist, dass jeder das tut. Daher müssen die Geschwister eine Information bekommen, was ist eigentlich der Grund, dass jemand nicht kommt? (00:09:06) Ist da Böses? Muss die Versammlung womöglich handeln? Dieser Punkt kommt noch in Frage 2. Zunächst noch Teil B der ersten Frage. Hat das örtliche Zusammenkommen die Pflicht, nach einer gewissen Zeit festzustellen und danach zu handeln, dass diese Person sich faktisch selbst zurückgezogen hat? Und muss sie dies der Person, die sich zurückgezogen hat, auch mitteilen? Die Antwort ist eindeutig ja. Man muss erst zu der Person gehen, um ihr das mitzuteilen. Man tut das in Liebe, denn man man will ihn gewinnen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, dass wir das im Sinne von 1. Korinther 5, aber auch im Sinne von Matthäus 18 Vers 15 tun. Da geht es natürlich um konkrete Sünde, das wissen wir in unserem Fall nicht. Aber die Haltung, die wir haben, sollte diese sein: Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir allein und ihm allein. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen. Das ist unser Ziel, wir wollen jemanden gewinnen. Da mag es über einen längeren Zeitraum Gespräche geben, wir wollen ihn wirklich gewinnen und in dieser Haltung wollen wir mit ihm reden, (00:10:07) aber dann müssen wir ihm das dann eben, wenn er nach einer Zeit immer noch nicht kommen möchte, mitteilen, dann auch der Versammlung. Auch was unsere Beurteilung dieser Sache ist und ich sage klar, jeder Fall ist anders. Man kann nicht sagen, da ist jemand drei Sonntage nicht da oder drei Wochentage, wo wir zusammenkommen, also gehe ich in dieser Weise vor. Wir geben Zeit. Das bedeutet, dass wir mit Weisheit, mit Einsicht, mit Liebe, mit Demut, mit Sanftmut, mit Langmut vorgehen. Das beinhaltet, dass wir nicht sehr schnell meinen, eine Entscheidung fällen sollen zu müssen, sondern es bedarf der Zeit, es bedarf der Umsicht, es bedarf wirklich eines Verständnisses, was hier los ist und das geht eben nicht innerhalb von ein paar Wochen. Da müssen wir also auch weise sein. Aber einfach schweigen und nichts tun können wir nicht. (00:11:03) Die Versammlung weiß ja nicht, ob vielleicht Zucht geübt werden muss, weil sich in Gesprächen herausstellt, dass Sünde vorhanden ist. Deshalb ist es so wichtig, das örtliche Zusammenkommen einzubeziehen und ihm auch Mitteilungen dieser Art zu geben.
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Artikelreihe: Zurückziehen aus der Gemeinschaft der Gläubigen & Sünde

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