Hymenäus und Philetus werden in 2. Timotheus 2,17 als Männer beschrieben, „die von der Wahrheit abgeirrt sind, indem sie sagen, dass die Auferstehung schon geschehen sei, und den Glauben einiger zerstören". Die Frage bezieht sich weiter auf die Verse: „Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet"(2. Tim 2,21). Zur Beantwortung dieser immer wieder aktuellen Frage muss der Abschnitt von Vers 14 bis 21 als Ganzes gesehen werden.
Zunächst jedoch einige Worte zu Hymenäus und Philetus. Sie waren von der Wahrheit des Wortes Gottes abgeirrt, weil sie behaupteten, die Auferstehung sei schon geschehen. Die Lehre dieser Männer ist wohl dahingehend zu verstehen, dass der Christ nicht mehr auf das Kommen des Herrn zu warten braucht und das Fleisch (die alte Natur) nicht mehr vorhanden ist. Diese destruktive Lehre hatte den Glauben einiger bereits zerstört. Der Fall war so eindeutig, dass Paulus darauf verzichten konnte, zur Trennung von diesen „Lehrern" aufzufordern. Ebenso ist es übrigens bei Petrus, wenn er von falschen Lehrern spricht, die Verderben bringende Sekten nebeneinführen, bei Johannes, der die Vorläufer des Antichristen beschreibt, und bei Judas, der von gottlosen Menschen schreibt, die die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und unseren alleinigen Gebieter und Herrn Jesus Christus verleugnen (2. Pet 2,1; 1. Joh 2,18-27; Jud 4). In allen Fällen suchen wir vergeblich nach einer Aufforderung, wie man sich diesen Menschen gegenüber zu verhalten hat. Eine Ausnahme bildet der zweite Brief des Johannes, wo Johannes eine gläubige Frau belehrt: „Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf, und grüßt ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken" (V. 10 und 11).
Im allgemeinen sollten solche Fälle für jedes im positiven Sinn einfältige Kind Gottes so klar sein, dass eine Aufforderung, sich zu trennen, nicht erforderlich ist. Kommt das nicht bereits in den Worten Christi, unseres guten Hirten, über die an Ihn Glaubenden zum Ausdruck: „... seine Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen" (Joh 10,4.5)? Das göttliche Leben und der in uns wohnende Heilige Geist befähigen uns, in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes das Gute vom Bösen zu unterscheiden, wenn es auch darin durchaus ein geistliches Wachstum gibt (1. Joh 2,20. 27; Heb 5,14).
Trennung von jeder Art des Bösen (V. 14-26)
In 2. Timotheus 2,14-21 geht es jedoch nicht nur um so eklatante Fälle wie Hymenäus und Philetus. Zunächst bittet Paulus Timotheus, andere zu warnen, nicht Wortstreit zu führen, der zu nichts nütze, sondern zum Verderben der Zuhörer ist (V. 14). Dann ermahnt er ihn, die ungöttlichen, leeren Geschwätze zu vermeiden, die zu weiterer Gottlosigkeit führen (V. 16). Nach der Erwähnung von Hymenäus und Philetus erinnert er an den äußerst wichtigen, für alle Christen gültigen göttlichen Grundsatz, von Ungerechtigkeit abzustehen (V. 19), und schließlich nennt er als Vorbedingung für ein Leben und einen Dienst zur Ehre des Herrn die Reinigung von den Gefäßen zur Unehre (V. 21). Im nächsten Abschnitt (V. 22-26) wird Timotheus aufgefordert, die jugendlichen Lüste zu fliehen (V. 22) und die törichten und ungereimten Streitfragen abzuweisen (V. 23).
Diese Aufzählung enthält zwei wichtige geistliche Belehrungen. Erstens zeigt sie uns, wie viele Aktivitäten unter Christen nicht zum Nutzen und Segen dienen, sondern zu Uneinigkeit und zum Unsegen, ja sogar zum Verderben führen können. Solche negativen Aktivitäten werden oft nicht rechtzeitig erkannt oder nicht ernst genug genommen. - Zweitens lernen wir daraus, dass es verschiedene Grade oder Stufen des Wegwendens davon gibt. Das wird wenig verstanden. Zwischen inniger geistlicher Gemeinschaft und radikaler Abwendung gibt es eine ganze Anzahl von Zwischenstufen, die wir beachten sollten.
Die Voraussetzung für einen Gott wohlgefälligen Wandel war und ist zu allen Zeiten, dass man „unterscheidet zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen und zwischen dem Unreinen und dem Reinen" (3. Mo 10,10; Hes 44,23; 2. Kor 6,17). Die daraus hervorgehende Absonderung von allem, was im Widerspruch zum Wesen Gottes und zur gesunden Lehre des Christus steht, führt nur scheinbar auf einen Weg der Einsamkeit. In Wirklichkeit ist sie der Ausgangspunkt für eine gesegnete und glückliche Gemeinschaft mit denen, „die den Herrn anrufen aus reinem Herzen" (V. 22).
Die in den Versen 14-18 beschriebenen bösen Einflüsse hatten bereits damals in den Versammlungen solche Verwirrung angerichtet, dass Paulus unter der Leitung des Heiligen Geistes in Vers 19 einen göttlichen Grundsatz niederlegt: „Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die, die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit." Die von Gott gegebene Grundlage des Glaubens ist bestätigt und besiegelt durch zwei unveränderliche Feststellungen. Einerseits kennt der Herr alle, die Er durch Sein kostbares Blut erlöst hat (Joh 10,27; 1. Pet 1,18.19). Eine wunderbare Tatsache! Andererseits wird jeder, der Seinen Namen nennt, der sich mithin als Christ zu Ihm bekennt, aufgefordert, von der Ungerechtigkeit abzustehen (1. Pet 1,15.16). Eine ernste Ermahnung! Die eine Feststellung enthält göttlichen Trost für jedes Kind Gottes in Tagen geistlichen Niedergangs und Verfalls. Die andere ist ein Appell an die Verantwortung aller Christen, sich von Ungerechtigkeit in jeglicher Form fernzuhalten.
Abstehen von Ungerechtigkeit (V. 19)
Ungerechtigkeit ist das Gegenteil von Gerechtigkeit. Gerechtigkeit (hier im praktischen Sinn) ist das Handeln eines Erlösten in Übereinstimmung mit seiner Beziehung zu Gott (vgl. Off 19,8). Ungerechtigkeit ist im Wort Gottes nicht nur eine Verletzung des (menschlichen) Gerechtigkeitsempfindens. Sie ist auch nicht etwas „Harmloseres" als Sünde. Andererseits beschränkt sich Ungerechtigkeit nicht auf die falschen Lehren, durch die Hymenäus und Philetus den Glauben einiger zerstörten.
Ungerechtigkeit ist Sünde unter dem Aspekt der Beziehung zu Gott, in der jeder steht, der bekennt, Christus anzugehören. Der Apostel Johannes schreibt: „Jede Ungerechtigkeit ist Sünde" (1. Joh 5,17). Das wird durch andere Stellen bestätigt. „Stellt auch nicht eure Glieder der Sünde dar zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit, sondern ... zu Werkzeugen der Gerechtigkeit" (Röm 6,13; vgl. 1. Joh 1,9).
Die Duldung von Ungerechtigkeit im Leben eines Kindes Gottes ist unentschuldbar. Wirkliche Liebe zu unserem Herrn wird uns dazu führen, uns aufrichtig und mit aller Kraft zu bemühen, uns von Ungerechtigkeit fernzuhalten. Das betrifft in erster Linie Ungerechtigkeit in unserem eigenen Leben, aber darüber hinaus auch in unserer Umgebung. Das für „abstehen" verwendete Wort (griech. aphistanai) meint eine vollständige Trennung. Es wird an anderen Stellen wiedergegeben durch „scheiden, sich trennen, weichen von" (Lk 4,13; Apg 12,10; 15,38; 19,9; mit negativer Bedeutung „abfallen" 1. Tim 4,1; Heb 3,12).
Eine von unserem Fleisch, der alten Natur, beeinflusste Sichtweise wird dabei zum gefährlichen Stolperstein. Denken wir nur an unsere Gefühle, liebgewordene Gewohnheiten oder auch Gleichgültigkeit. Um „objektiv", das heißt aus Gottes Sicht, zu urteilen, können wir uns als Kinder des Lichts nur auf das Wort Gottes, das „Wort der Wahrheit", stützen. In dessen Licht ist beispielsweise das gewohnheitsmäßige Unterlassen des Sündenbekenntnisses Ungerechtigkeit (1. Joh 1,8-10). David ging in seinem Wunsch, von dieser Art von Ungerechtigkeit abzustehen, so weit, Gott auch um Reinigung „von verborgenen Sünden" zu bitten (Ps 19,13; vgl. Ps 32,1-6). Ein Christ, der in Gemeinschaft mit der Welt lebt, mag zwar wie Lot durch das, was er sieht und hört, „Tag für Tag seine gerechte Seele quälen", aber er steht nicht von der Ungerechtigkeit ab (2. Pet 2,8). Ein weiteres Beispiel: Befindet sich ein Kind Gottes in einer Sekte am richtigen Ort? Ist nicht auch das in den Augen des Herrn zumindest Verbindung mit Ungerechtigkeit? Auch in einem solchen Fall kann nicht von einem Abstehen von der Ungerechtigkeit die Rede sein. In manchen Fällen mag ein gewisses Maß an Unwissenheit vorliegen. Das sollten wir bei einer Beurteilung - wenn sie denn erforderlich ist - unbedingt berücksichtigen. Aber für jeden Christen gilt es, an dem Grundsatz festzuhalten: „Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit."
Ein großes Haus (V. 20)
Die beiden folgenden Verse, auf die die gestellte Frage sich eigentlich bezieht, zeigen uns das Bild eines „großen Hauses". Auf Grund der Worte in Vers 19: „Jeder, der den Namen des Herrn nennt ..." ist in diesem großen Haus ein Bild der gesamten Christenheit zu sehen. Dazu gehören alle, die sich zu Seinem Namen bekennen (was auch in der christlichen Taufe zum Ausdruck gebracht wird) und sich Christen nennen. Der in Vers 21 genannte „Hausherr" ist der Herr Jesus. Das Bild redet nicht von der Versammlung des lebendigen Gottes, dem Pfeiler und der Grundfeste der Wahrheit, wie Paulus das „Haus Gottes" in 1. Timotheus 3,15 nennt, sondern von dem, was sich daraus äußerlich im Lauf der Zeit in Form der Christenheit entwickelt hat. Wir sehen hier die „Spätfolgen" davon, was in 1. Korinther 3,12 als menschliches Bauen am Haus Gottes mit „Gold, Silber, wertvollen Steinen, Holz, Heu, Stroh" begonnen hat. Gute und schlechte Resultate des Bauens von Menschen finden sich hier nebeneinander, ja durcheinander.
Dieses Bild eines großen Hauses lenkt unseren Blick vom Bereich des rein Persönlichen auf den der christlichen Gemeinschaft. Es ist kein schönes Bild, denn hier gibt es nicht nur goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene. Aus Vers 21 geht hervor, dass mit den Gefäßen Menschen gemeint sind: „Wenn nun jemand sich von diesen reinigt ..." (vgl. Apg 9,15; 1. Pet 3,7). Goldene und silberne Gefäße stellen erlöste Menschen dar; sie tragen die Kennzeichen der Herrlichkeit Gottes (Gold; vgl. Heb 9,4.5) und der Erlösung (Silber; vgl. 2. Mo 30,11-16). Geistlich tote Bekenner dagegen sind von irdischem, natürlichem Wesen gekennzeichnet (Holz und Ton; vgl. Hes 20,32). Alles das findet sich hier neben- und durcheinander.
Gefäße zur Ehre und zur Unehre
Darüber hinaus werden die Gefäße in diesem großen Haus nach einem zweiten Kriterium, nämlich ihrem Nutzen für den Hausherrn (Christus) unterschieden. Einige dienen zur Ehre, andere zur Unehre. Dadurch wird die Verwirrung noch größer. Ein Gefäß zur Ehre kann nur ein Mensch sein, der von neuem geboren, praktisch geheiligt, dem Hausherrn nützlich und zu jedem guten Werk bereitet ist. So stellt es Vers 21 dar. Was die Kennzeichen der Gefäße zur Unehre sind, wird nicht erläutert. Aber die Gegenüberstellung „Gefäße zur Ehre ... zur Unehre" macht doch deutlich, dass Unehre hier das Gegenteil von dem ist, was zur Ehre des Herrn dient. Ein Gefäß zur Unehre ist jemand, der von Unehre sichtbar gekennzeichnet ist. Es ist daher einleuchtend, dass „hölzerne" oder „irdene Gefäße" nicht zur Ehre des Hausherrn sein können, da es sich um Ungläubige handelt. Aber ist jeder gläubige Christ ein Gefäß zur Ehre? Wenn wir als Erlöste nicht unserer heiligen Berufung entsprechend leben und nicht von der Ungerechtigkeit abstehen (V. 19), werden wir zu Gefäßen zur Unehre, und zwar sowohl zur Unehre Christi, des Hausherrn, als auch zu unserer eigenen. Verschiedene Beispiele für Ungerechtigkeit wurden schon angeführt. Die bewusste lehrmäßige und praktische Leugnung der Einheit der Versammlung Gottes in ihrer weltweiten Darstellung gehört auch dazu, weil sie sich gegen den erklärten Willen des Hauptes stellt. Ist uns das bewusst?
Es gibt Ausleger, die den Ausdruck „Gefäße zur Unehre" ausschließlich auf falsche Lehrer wie Hymenäus und Philetus anwenden möchten. Das kommt an dieser Stelle einer Verharmlosung aller übrigen Verunehrungen des Herrn gleich, sei es auf lehrmäßigem oder moralischem Gebiet. „Unehre" hat eine viel umfassendere Bedeutung, als diese Ausleger uns sagen. Das geht aus anderen Stellen hervor, wo das Wort „Unehre" (griech. atimia) vorkommt. In Römer 1,26 steht statt „schändliche Leidenschaften" im Griechischen wörtlich: „Leidenschaften der Unehre". Nach 1. Korinther 11,14 ist es, „wenn ein Mann langes Haar hat, eine Unehre für ihn". Es ist also nicht gerechtfertigt, den Begriff „Unehre" auf verderbliche Lehren einzugrenzen.
Die erwähnte Einschränkung ist jedoch sehr verbreitet. In der kirchlichen Auslegungsliteratur zu dieser Stelle ist sie die Regel. Verschiedentlich werden sogar nur ungläubige Bekenner als Gefäße zur Unehre betrachtet. Ist das verwunderlich? Wie soll denn jemand, der sich in einer religiösen Gemeinschaft befindet, deren Existenz allein schon zur Unehre des Herrn dient, Einsicht über die Absonderung davon empfangen, wenn er nicht bereit ist, entsprechend zu handeln? Hymenäus und Philetus waren zwar Gefäße zur Unehre, aber leider bei weitem nicht die einzigen.
Sich wegreinigen (V. 21)
Der in Vers 19 genannte göttliche Grundsatz, von Ungerechtigkeit abzustehen, wird in Vers 21 auf die Gemeinschaft mit anderen Christen in diesem großen Haus angewandt. Wie wir aus vielen Stellen des Wortes Gottes wissen, werden wir nicht nur durch eigene böse Handlungen, sondern auch durch Gemeinschaft mit Menschen, die sie verüben, verunreinigt (vgl. 1. Kor 5,6; 15,33; 2. Kor 6,14 - 7,1; Gal 5,9; Eph 5,11; Off 18,4). Nur wer sich von Gefäßen zur Unehre reinigt, wird ein geheiligtes, für den Hausherrn abgesondertes und nützliches Gefäß zur Ehre. Möchte das immer unser Wunsch sein!
„Wenn nun jemand sich von diesen (griech. apo touton) reinigt ...". Das Demonstrativpronomen „diesen" bezieht sich im Griechischen noch mehr als im Deutschen auf etwas unmittelbar vorher Erwähntes. Wären die in Vers 17 (also vier Verse vorher) genannten Personen Hymenäus und Philetus gemeint, müssten wir hier auf jeden Fall „von jenen" (griech. apo ekeinon) erwarten. Daher kann sich die Reinigung „von diesen" nur auf die im vorhergehenden Vers erwähnten Gefäße zur Unehre beziehen. Wie wir gesehen haben, sind aber nicht nur Männer wie Hymenäus und Philetus als Gefäße zur Unehre zu betrachten. Wenn das so wäre, brauchte man sich nur von falschen Lehrern und Ungläubigen abzusondern, alles andere wäre nicht zur Unehre des Herrn! Nochmals: Hymenäus und Philetus waren Gefäße zur Unehre, aber nicht nur sie.
Diejenigen, die in den Gefäßen zur Unehre nur Personen wie Hymenäus und Philetus sehen wollen, stützen sich besonders auf das hier verwendete Verb „reinigen" (griech. ekkathairo; eigentlich „wegreinigen"). Es ist nämlich dasselbe wie „ausfegen" in 1. Korinther 5,7, wo es heißt: „Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seiet, wie ihr ungesäuert seid." Auf Grund dieser Wortgleichheit schließt man offenbar: Wie man mit einem Ausgeschlossenen nach 1. Korinther 5 keinen Umgang mehr haben darf, so auch nicht mit einem Gefäß zur Unehre. Man möchte aber wohl nicht so weit gehen, jeden Christen, der sich in einem religiösen System in Verbindung mit Gefäßen zur Unehre befindet, wie einen Ausgeschlossenen zu behandeln (was tatsächlich auch sehr hochmütig wäre). Deshalb kommt man leicht zu der weiteren Schlussfolgerung, das Wegreinigen könne sich nur auf falsche Lehrer wie Hymenäus und Philetus beziehen. Dann aber wäre jedes andere Wegreinigen falsch.
Bei dieser Argumentation wird übersehen, dass die Worte „Fegt den alten Sauerteig aus" gar nicht direkt zum Ausschluss auffordern, das heißt zur vollständigen Trennung einer ganzen Versammlung von einer als böse gebrandmarkten Person. Sie haben einen viel weiteren Anwendungsbereich. Im Blick auf uns bezieht sich das alttestamentliche Vorbild genauso auf das persönliche Leben wie auf die Gemeinschaft, ähnlich wie das Abstehen von der Ungerechtigkeit im vorliegenden Abschnitt (2. Mo 12,15; 2. Tim 2,19). Sauerteig ist ein Bild des Bösen, das oft schleichend und im Verborgenen in unserem Leben wirksam ist. Wie die Israeliten beim Passah allen Sauerteig aus ihren Häusern entfernen sollten, so sollten auch die Korinther, die von Gott auf Grund ihres Glaubens an den Herrn Jesus, das wahre Passah, grundsätzlich als „ungesäuert" betrachtet wurden, allen „alten Sauerteig" und den „Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit" ausfegen. Nur so konnten sie ein „neuer Teig" werden, das heißt, ihrer Stellung in der Praxis entsprechen.
Die Grundbedeutung des griechischen Verbs ekkathairo ist zwar an beiden Stellen gleich. Es geht um Reinigung durch Absonderung. Das Bemerkenswerte dabei ist jedoch, dass dabei nur der dem Herrn wohlgefällige Zustand derer hervorgehoben wird, die sich auf solche Weise gereinigt haben. Nach 1. Korinther 5,7 soll der alte Sauerteig ausgefegt werden, „damit ihr ein neuer Teig seiet", und wenn jemand sich nach 2. Timotheus 2,21 von den Gefäßen zur Unehre wegreinigt, „so wird er ein Gefäß zur Ehre sein ..." Ähnlich wird das Verb ekkathairo schon in der Septuaginta verwendet, und zwar immer in konkreter Bedeutung: in 5. Mose 26,13 („aus dem Haus gebracht"), Josua 17,15 („rode dort") und Richter 7,4 („läutern"). Jedesmal geht es um Absonderung für einen besonderen, gottgewollten Zweck.
Das Wegreinigen von den Gefäßen zur Unehre ist eine der Ausdrucksformen der Absonderung vom Bösen, die wir im vorliegenden Abschnitt finden. Sicher geht dieser Schritt am weitesten. Aber das Wegreinigen von den Gefäßen zur Unehre in 2. Timotheus 2,21 ist in nicht in jeder Hinsicht mit dem „Hinaustun" des Bösen in 1. Korinther 5,13 gleichzusetzen. Da es in 2. Timotheus 2 nicht um die Zucht der Versammlung geht, sondern um persönliche Verantwortung, ist auch die Form, die das erforderliche Wegreinigen annimmt, nicht immer dieselbe. Nehmen wir ein Beispiel von trauriger Aktualität: Personen, die ganze Versammlungen in die Unabhängigkeit führen und dadurch die Bewahrung der Einheit des Geistes im Band des Friedens (Eph 4,3) in ihr Gegenteil verkehren, sind nach einem strengeren Maßstab zu beurteilen als solche, die ihnen folgen, weil sie mitgerissen werden. Auch Gott beurteilt jemand, der eine hohe Verantwortung hat, anders als jemand mit geringerer Verantwortung. Der „gesalbte Priester" und „ein Fürst" mussten bei einer Verfehlung ein größeres Sündopfer bringen als „jemand vom Volk des Landes" (3. Mo 4,3. 22. 27). Jakobus mahnt: „Seid nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden" (Jak 3,1). Unwissenheit, Gewohnheiten und menschliches Zusammengehörigkeitsgefühl trüben nur zu oft das geistliche Unterscheidungsvermögen. Daher müssen auch in einem Fall wie dem eben angeführten Unterschiede gemacht werden. Ein geistlich gesinntes Herz wird das auch ohne Schwierigkeiten verstehen, denn im geistlichen Bereich gibt es kein Schema.
Wenn sich zeigt, dass eine solche Reinigung unvermeidlich ist, sollte sie nur nach intensiven Bemühungen und mit tiefer Trauer und Demütigung geschehen. Doch darüber und über Einzelheiten der Absonderung und ihrer Konsequenzen wird hier nichts gesagt. In Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus wird solch ein überaus ernster und betrüblicher Schritt nicht in hochmütiger und richtender, sondern in geistlicher Gesinnung getan werden, wozu auch geistliches Unterscheidungsvermögen gehört.
Zusammenfassung
Das Wegreinigen von den Gefäßen zur Unehre in 2. Timotheus 2 bezieht sich nicht ausschließlich auf falsche Lehrer wie Hymenäus und Philetus, sondern hat einen wesentlich größeren Anwendungsbereich.
Gefäße zur Unehre sind nach der Heiligen Schrift alle, die in ihrem persönlichen Leben Böses dulden und nicht davon lassen wollen oder in Gemeinschaft mit Gefäßen zur Unehre sind, das heißt, die nicht von der Ungerechtigkeit abstehen (V. 19. 20). Wenn eine Beurteilung erforderlich ist, muss jedoch ein Unterschied zwischen Verführern und Verführten gemacht werden.
Ein Gefäß zur Ehre des Hausherrn kann man nur durch ständiges Selbstgericht und die Trennung von Gefäßen zur Unehre werden (V. 21). J. N. Darby schreibt zu 2. Timotheus 2: „Man kann Ihn nicht ehren durch den eigenen Wandel, solange man mit solchen wandelt, die Ihn verunehren." (Betrachtungen über Gottes Wort: Galater-Philemon, 1928: 396).
Leider ist es in letzter Zeit in unserer Mitte verschiedentlich zur Trennung von Geschwistern gekommen, die in Lehre und Praxis die weltweite Darstellung der Einheit der Versammlung Gottes aufgegeben und stattdessen die Unabhängigkeit der örtlichen Versammlung eingeführt haben. Sind solche Angriffe gegen die Wahrheit „Da ist ein Leib" - ganz zu schweigen von der dadurch verursachten Uneinigkeit - zur Ehre des Herrn Jesus? Nein. Trotz der in Gottes Wort gezeigten Notwendigkeit, sich von Gefäßen zur Unehre zu reinigen, sollte auch in solchen Fällen in demütiger Weise und mit geistlichem Unterscheidungsvermögen vorgegangen werden.
Gottes Wort fordert uns auf, uns von jeder Art des Bösen fernzuhalten (1. Thes 5,22), uns von einem Bruder zurückzuziehen, der unordentlich wandelt (2. Thes 3,6), auf diejenigen zu achten, die Zwiespalt und Ärgernis anrichten, und uns von ihnen abzuwenden (Röm 16,17), sektiererische Menschen nach einer ein- und zweimaligen Zurechtweisung abzuweisen (Tit 3,10), Menschen, die nicht die Lehre des Christus bringen, nicht ins Haus aufzunehmen oder zu grüßen (2. Joh 10.11), einen Bösen von uns selbst hinauszutun (1. Kor 5,13), aber uns auch von den Gefäßen zur Unehre zu reinigen (2. Tim 2,21).
In diesen Fällen wird kaum etwas über die Einzelheiten der Abweichungen und des Bösen ausgesagt. In 1. Korinther 5,11-13, wo es um das Hinaustun eines Bösen aus der Versammlung handelt, werden zwar einige deutliche Beispiele von bösen Handlungen und Herzenszuständen gegeben. In 2. Timotheus 2 geht es jedoch nicht um die Zucht der Versammlung, sondern um die persönliche Verantwortung des einzelnen Gläubigen. Wie Gott alles Böse hasst, sollen auch die Seinen es verabscheuen und sich davon fernhalten.
Was sagt Gottes Wort nun über unser Verhalten gegenüber solchen, von denen wir abstehen müssen? Nur beim Ausschluss wegen eines sittlich bösen Wandels (1. Kor 5) und bei der persönlichen Behandlung eines - ebenso bösen - Irrlehrers (2. Joh 10) wird jeglicher Umgang untersagt. Bei einer „Bezeichnung" (2. Thes 3,14.15) gibt es zwar auch keinen Umgang mehr, wohl aber die Möglichkeit der ernsten Zurechtweisung als Bruder. Auf Grund der Tatsache, dass die angeführten Schriftstellen verschiedene Stufen oder Formen der Absonderung zeigen, können wir in jedem Einzelfall den Herrn um Weisheit bitten, wie wir uns verhalten sollen.
Der Wunsch nach Bewahrung der Einheit des Geistes im Band des Friedens (Eph 4,3) führt niemals zur Aufrechterhaltung der Verbindung mit Lehren und Praktiken, die im Widerspruch zur Heiligkeit Gottes stehen. Andererseits wird uns die Gnade, in der wir stehen, dazu führen, sanftmütig und geduldig zu sein. Eine unvermeidliche Trennung wird also gewöhnlich erst nach ernster und liebevoller Belehrung und Ermahnung erfolgen können. Auch danach wird der Herr uns, wenn wir aufrichtig Seinen Willen suchen, das geistliche Urteil schenken, wie wir uns im Einzelfall zu verhalten haben, ohne die Ehre unseres geliebten Herrn zu verletzen.
Quelle: bibelpraxis.de/a9542.html