Cancel Culture in Politik, Gesellschaft - auch unter Gläubigen?


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(00:00:00) Seit einigen Jahren kennen wir den Begriff Cancel Culture und auch in den letzten Tagen und Wochen ist dieser Begriff wieder sehr stark verwendet worden. Es geht darum, dass man bestimmten Personen oder Personengruppen verbieten möchte, über bestimmte Sachverhalte zu sprechen. Da ist z.B. in der Woken-Gesellschaft der Gedanke, die Überzeugung, dass Menschen nichts sagen dürfen, was nach biblischen Maßstäben über Homosexualität, gelebte Homosexualität oder Gender zu sagen ist. Aber wir müssen aufpassen, dass wir selber nicht in diesen Bereich hineingeraten. Cancel Culture, das gibt es heute in der Politik, das gibt es in der Kultur, das gibt es im Sport, aber das gibt es eben auch in dem Bereich von Glauben und Religion. Und da müssen wir selber als Christen aufpassen, dass wir nicht dahin kommen, dass wir genau das auch tun, was wir in der Gesellschaft sehen und was zu einer Spaltung der Gesellschaft kommt. Wenn wir mal an einige Beispiele in der Schrift denken, Paulus hat Petrus absolut nicht untersagt, (00:01:05) in Antiochien zu reden, obwohl das, was Petrus getan hat, ja vollkommen im Widerspruch zu Gottes Gedanken war und Paulus ihn auch deshalb vor allen anderen, die dort waren, zurechtweisen musste. Aber Paulus hat Petrus nicht das Wort verboten, auch danach nicht. Er trat ihm entgegen. Wie war das mit den Jüngern, als der Herr Jesus bei ihnen war? Da finden wir, dass sie keine Angst hatten, den Herrn Jesus zu befragen, ihre letztlich unwissenden, ja törichten Fragen an ihn zu richten. Das ist schon beeindruckend. Ich nehme mal Johannes 14, wo wir finden in Vers 5, Thomas spricht zu ihm, Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst und wie können wir den Weg wissen? Der Herr hatte gerade gesagt, und wohin ich gehe, wisst ihr, und den Weg wisst ihr. Und dann kommt von Thomas eben genau diese seltsame Frage, diese seltsame Antwort. Oder in Vers 8, der Jesus hatte gerade gesagt, ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. (00:02:02) Wenn ihr mich erkannt hättet, würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben. Und dann spricht Philippus zu ihm, Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns. Es ist einfach großartig, dass die Jünger da keine Angst hatten, obwohl sie zum Teil natürlich von dem Herrn getadelt wurden und er ihnen deutlich machen musste, dass das so nicht recht war. Gehen wir zu dem Vers 22, wo wir noch einmal Judas, nicht den Iskariot, finden, der zu dem Herrn Jesus spricht, Herr, und was ist geschehen, dass du dich selbst uns offenbaren willst und nicht der Welt? Davon hatte der Jesus gesprochen und Judas hat das nicht verstanden. Also wir sehen, dass der Jesus überhaupt niemandem verboten hat zu sprechen, nicht einmal den Pharisäern oder den Satozäern oder Herodianern, die in böser Weise ihn versucht haben, immer wieder auf die Probe gestellt haben, versucht haben, ihnen eine Falle zu locken. Und wir sehen nicht, dass er das unterbunden hätte, ja, er hat manchmal mit göttlich-moralischer Autorität antworten müssen, sodass sie ja letztlich zum Schweigen gebracht worden sind. (00:03:02) Aber der Jesus hat ertragen, wenn Menschen eine andere und in seinem Fall immer eine unbiblische Meinung hatten. Bei uns ist das ja anders. Wir können ja unter gar keinen Umständen sagen, dass wir eine immer biblische Haltung haben, dass wir die biblische Meinung hätten. Wir müssen uns ja selber an das Licht stellen und müssen uns fragen, was ist denn eigentlich biblisch an dem, was wir denken, wovon wir überzeugt sind, und was ist unbiblisch an dem, was andere sagen, wovon sie überzeugt sind. Deshalb, wie sieht das bei uns aus mit der sogenannten Cancel Culture? Trauen sich zum Beispiel junge Geschwister, ihre Gedanken auch zu nennen, auszudrücken, uns gegenüber zu äußern? Wie ist das, strahlen wir eine solche Autorität aus? Das ist eigentlich ja vorbei, aber in der Hinsicht hat man doch manchmal den Eindruck, dass das noch immer da ist, dass sie Angst haben, uns ihre Meinung transparent offen zu sagen. Dass sie es eben, nur wie wir das bei den Jüngern in Markus 9 an einer anderen (00:04:03) Stelle auch mal lesen, miteinander besprechen, sozusagen hinter dem Rücken von dem Herrn Jesus, statt mit ihm selbst. Und das ist genau Cancel Culture, wenn wir nicht mehr miteinander reden, sondern übereinander und dann auch noch gegeneinander. Auch wenn es um Fragen des gemeinsamen Weges geht, wie ist das mit einem gemeinsamen Austausch? Bleiben wir im Gespräch miteinander? Oder gibt es nur noch Blasen, die nicht untereinander Kontakt pflegen, sondern nur nebeneinander bestehen, wo jeder mit seiner eigenen Blase im Kontakt ist, aber eben übersieht, dass es so wichtig ist, miteinander zu sprechen? Sind wir solche, die das unterbinden bei anderen? Natürlich, wenn es um die Zusammenkünfte geht, haben wir eine Verantwortung, dass keine falsche Lehre gebracht wird, haben wir eine Verantwortung, dass nach den Gedanken Gottes auch gesprochen wird. Und wir können nicht einfach blind zusehen oder taub zuhören, dass einfach geredet wird, was jemand reden will, was irgendwie einfach jeder sagen will. (00:05:02) Aber vergessen wir nicht, Gemeinschaft gibt es nur untereinander, miteinander. Wir lesen ja in 1. Johannes 1 Vers 7, wenn wir aber in dem Licht wandeln, wie er in dem Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut Jesu Christi seines Sohnes reinigt uns von aller Sünde. Gemeinschaft ist ein Miteinander und dieses Miteinander muss man leben, muss man erleben, muss man ausleben, muss man verwirklichen, muss man auch wollen. Und da ist die Frage, ob wir diese Offenheit, diese Freiheit eigentlich noch haben, dass wirklich miteinander gesprochen wird. Wie sagt der Apostel Johannes das in 3. Johannes 14? Ich hoffe, dich bald zu sehen und wir wollen mündlich miteinander reden. Wir wollen sozusagen im Gespräch bleiben. Sicher, da war es eine Person, mit der er einen guten Kontakt hatte, aber dieses Miteinander reden ist auch in der heutigen und gerade in der heutigen Zeit, wo die Stille einkehrt, nicht die absolute Stille, jeder redet mit denen, die so denken wie er selbst. (00:06:03) Vielleicht ist das noch ein Überrest auch aus der sogenannten Corona-Zeit, wo es zu solchen Kämpfen, zu solchen Auseinandersetzungen, dem Miteinander gekommen ist, dass man es aufgegeben hat, dass man dann eben wirklich nur noch in seiner eigenen Blase unterwegs war. Vielleicht kann es, wie wir das in Apostelgeschichte 15 finden, zu einer Erbitterung, um nicht zu sagen Verbitterung, in dem Miteinander kommen. Da gab es zwei, die eigentlich gut befreundet waren und dann lesen wir in Vers 39, es entstand aber eine Erbitterung, so dass sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus mitnahm und nach Zypern absegelte. Wie tragisch, wenn eine Erbitterung erfolgt, natürlich, wenn zwei Meinungen aufeinander prallen, die nicht miteinander kompatibel, die nicht miteinander vereinbar sind, dann muss man das einmal irgendwie anerkennen und konstatieren. Und wenn es nicht um fundamentale Dinge geht, dann muss man sie auch mal eine Zeit lang zur Seite stellen, zur Seite legen können. Aber ist das so, dass wir dann anfangen, eben nicht mehr miteinander zu reden, nur noch (00:07:05) übereinander zu reden, nur noch in dem eigenen Bereich, dann negativ über den anderen zu reden und dadurch vertiefen sich Gräben. Nochmal, wenn es natürlich um grundlegende Dinge geht, des persönlichen oder auch des gemeinschaftlichen Glaubenslebens, dann wird es früher oder später natürlich zu einer Klärung kommen. Entweder, dass man sich ausspricht und einen gemeinsamen Weg in dieser Frage findet oder dass man sich ausspricht und nicht mehr gemeinsam diesen Weg gehen kann, je nachdem, was für einen Punkt es sich dann jeweils handelt. Aber frag dich selbst und ich frage mich, darf man in meiner Gegenwart nur noch das sagen, was meinen Überzeugungen entspricht, was ich richtig finde, was ich für gut befinde? Und ich wiederhole noch einmal, lasst uns nicht diesen Hochmut haben zu meinen, wir hätten in allem und nur wir hätten die biblische Meinung und mein Gegenüber oder andere Geschwister, die haben eben grundsätzlich eine falsche Auffassung. (00:08:01) Natürlich muss man auch hier wieder unterscheiden zwischen grundlegenden Fragen, wo wir uns nicht jeden Tag wieder neu orientieren müssen und praktischen Fragen, wo wir doch immer wieder erkennen, dass wir letztlich Suchende sind. Also Cancel Culture, das ist etwas, was unsere Gesellschaft prägt, nicht nur Amerika, sondern auch Deutschland, wir merken das immer wieder, man kann das ja auch lesen, wie ist das bei mir, wie ist das bei uns? Man kann leicht reden über andere, aber wie ist das denn in unserem eigenen Fall? Dieser Herausforderung wollen und müssen wir uns letztlich stellen.
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