Der Prophet Joel (12) - Errettung (3,5)

Lesezeit: 5 Min.

I: Die Ausgießung des Geistes zu Beginn des Friedensreiches (V. 1-5)

Errettung (V. 5)

Am Ende des Kapitels spricht der Prophet eine wunderbare Verheißung aus: „Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden“ (Joel 3,5). Nachdem zuvor vom Gericht die Rede war (V. 3–4), wendet sich die Botschaft nun der Rettung zu Beginn des Tausendjährigen Reiches zu. Für den gläubigen Überrest ist diese Zusage ein tiefer Trost. Denn inmitten von Prüfungen und Leiden öffnet sich ein hoffnungsvoller Ausweg, der jedem, der sich im Glauben dem Herrn vertrauensvoll zuwendet, Rettung verspricht und die Segnungen im Reich verheißt.

„Fünf Punkte“ über die Grundsätze der Errettung

Fünf wichtige Punkte lassen sich Vers 5 entnehmen, die der Errettung zugrunde liegen:

  1. die Grundlage der Errettung
  2. die Unumschränktheit der Errettung
  3. die Quelle der Errettung
  4. der Zugang zur Errettung
  5. das „Gratis-Angebot“ der Errettung
  1. Grundlage: Die künftige Errettung gründet sich allein auf das vollkommene Erlösungswerk des Herrn Jesus auf Golgatha, auf das Opfer des Lammes Gottes ohne Fehl und ohne Flecken (1. Pet 1,18).
  2. Unumschränktheit: Die angebotene Errettung ist nicht an Herkunft, Geschlecht oder soziale Stellung gebunden. So wie der Geist Gottes künftig über alles Fleisch ausgegossen wird, so geht auch das Heil über die Grenzen von Juda und Jerusalem, sogar über Israel selbst hinaus. „Jeder“, der den Namen des Herrn anruft, wird errettet werden – sei er Jude oder Heide.
  3. Quelle: Das zukünftige Heil ist allein in der Person Jesu Christi zu finden. Das machen die Worte deutlich: „wer den Namen des Herrn anruft“ (Joel 3,5).
  4. Zugang: Um Rettung in Christus zu finden, ist allein Glaube notwendig. Darauf zielt der Ausdruck „anrufen“ ab, von dem der Prophet spricht. Anrufen bedeutet mehr als ein bloßes Aussprechen eines Namens. Es beschreibt eine Herzenshaltung der Buße und des Bekenntnisses – ein bewusstes vertrauensvolles Hinwenden im Glauben zu Christus, durch den Rettung erfolgen kann.
  5. Gratis-Angebot“: Die Errettung ist kein Verdienst des Menschen. Sie wird nicht durch Werke erlangt, sondern ist ein Geschenk Gottes – aus Gnade, für alle, die glauben. Möglich wurde dieses wunderbare Angebot durch das vollkommene Erlösungswerk seines Sohnes.

Die Aktualität der Grundsätze

Diese Grundsätze gelten auch in der Zeit heute. In Römer 10,13 wendet Paulus den Vers aus Joel 3,5 an, um zu zeigen, dass die Errettung heute bereits durch Gottes Gnade und durch Glauben an das Erlösungswerk von Golgatha zu erlangen ist. Gott macht keine Unterschiede und kennt keine nationalen Grenzen (vgl. Röm 10,13). Jeder, der Christus im Glauben annimmt, wird errettet werden. Eine feste Zusage Gottes!

Jerusalem und Zion

Nach der Verheißung der zukünftigen Errettung zu Beginn des Reiches kommt der Prophet auf den Berg Zion und Jerusalem zu sprechen, mit dem die zukünftige Errettung verbunden wird. In der Zeit des Reiches wird in Jerusalem der Regierungsthron des Herrn stehen, von dem aus Er als König der Könige und Herr der Herren regieren und durch Israel die gesamte Welt mit Segen erfüllen wird (Obad 1,17).

Zion ist einer der Berge, auf den die Stadt Jerusalem gebaut wurde. Zion steht sinnbildlich für Gottes Gnade. Das haben wir bereits in Verbindung mit den Kindern Zions in Kapitel 2,23 berührt. Durch Gottes Gnade wird „jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, errettet werden“. Die zukünftige Errettung wird also dort zu finden sein, wo Christus selbst ist und in Gnade handelt – auf dem Berg Zion in Jerusalem.

Errettung – nicht nur von Feinden

Die Errettung, von der der Prophet spricht, ist sowohl innerer als auch äußerer Natur. Der gläubige Überrest aus Juda und Israel, als auch Menschen aus den Nationen werden neues Leben empfangen (innere Seite). Es sind solche, die nach Auswahl der Gnade berufen sind (vgl. Röm 11,5; 9,27), die der Prophet als „Übriggebliebene“ bezeichnet, solche, die in die Herrlichkeit des Reiches eingehen.

Gleichzeitig wird es eine äußere Rettung geben – die Befreiung von den Feinden, insbesondere vom Assyrer, der nach Joel 2,20 durch Christus vernichtet werden wird. Demzufolge werden alle die in Sicherheit wohnen, die der Herr berufen hat und erretten wird.

Berufung und Errettung – Souveränität und Verantwortung

Erstaunlicherweise spricht Joel in Vers 5 sowohl von „Errettung“ als auch von „Berufung“. Beides sind Wahrheiten in Gottes Gedanken, die es zu unterscheiden gilt, ohne dass man sie voneinander trennen kann. Es geht dabei um die Souveränität Gottes auf der einen Seite und die Verantwortung des Menschen auf der anderen. Einerseits gibt Gott die Verheißung, dass jeder, der den Namen des Herrn anruft, errettet werden wird. Andererseits wird deutlich, dass letztlich nur diejenigen gerettet werden, die der Herr in seiner Souveränität berufen hat. Beide Aspekte – menschliche Verantwortung und göttliche Berufung – dürfen nicht miteinander vermischt werden, sondern müssen im Glauben nebeneinandergestellt und angenommen werden.1

Das gilt auch für unsere Zeit heute: Jeder Mensch wird von Gott eingeladen, seine Schuld zu erkennen, umzukehren und ein neues Leben mit Ihm zu beginnen. Diese Einladung unterstreicht die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen – sich dem Ruf Gottes im Glauben zuzuwenden (Apg 17,30; 16,31). Gleichzeitig beruft Gott in seiner Souveränität Menschen (Eph 1,4; 1. Pet 1,1.2). Diese göttliche Erwählung steht nicht im Widerspruch zur Verantwortung des Menschen, sondern bildet eine zweite, ebenso wesentliche Seite der Wahrheit.

Berufung zur Verdammnis?

Gott ruft jeden Menschen auf, von seinen Sünden umzukehren und Buße zu tun. Es ist sein Wunsch, dass niemand verloren geht. Er will, dass alle gerettet werden. Doch wer dem Ruf gleichgültig gegenübersteht oder Jesus Christus bewusst ablehnt, wählt den Weg des Verderbens. Solche Menschen werden eines Tages vor dem großen weißen Thron stehen und Christus begegnen – nicht als Retter, sondern als Richter. Als Sohn des Menschen wird Er sie richten, und zwar „nach ihren Werken“ (Off 20,11-13). In diesem Gericht wird nicht davon gesprochen, dass jemand verloren ginge, weil er nicht berufen worden wäre. Vielmehr geht er verloren, weil er seiner Verantwortung – Christus im Glauben anzunehmen – nicht entsprochen hat. Er hat die Gnade abgelehnt. So bleibt nur noch Gericht!

Wer in seinen Sünden verharrt und Gottes Angebot der Errettung nicht annimmt, geht verloren – nicht, weil es keine Rettung für ihn gäbe, sondern weil er sich selbst bewusst gegen Gottes Angebot der Rettung entschieden hat.

Fußnoten

  • 1 Die Berufung des Volkes Israel und der Nationen von der Joel in Vers 5 spricht, gilt für das Reich auf dieser Erde. Diese irdische Berufung in der Zukunft unterscheidet sich von der Berufung der Gläubigen heute, die mit einem weit größeren Segen verbunden ist - einem himmlischen Segen. Auch hier zeigt sich deutlich, was wir bereits bei der Ausgießung des Geistes erkannt haben: Der Segen im Christentum ist um ein Vielfaches größer als der, der im zukünftigen Friedensreich fließt.
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