Hier bin ich (2)

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Samuel

„Es geschah in jener Zeit, als Eli an seinem Ort lag – seine Augen aber hatten begonnen, schwach zu werden, er konnte nicht sehen –, und die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel lag im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes war, da rief der Herr Samuel. Und er sprach: Hier bin ich!“ (1. Sam 3,2-4).

Hanna brachte ihren Sohn Samuel schon als Knabe zur Stiftshütte in Silo, wo er dem Herrn unter der Aufsicht des Hohenpriesters Eli diente. Die Söhne Elis waren böse und gottlose Männer, die den Herrn beraubten. Leider trat Eli nicht entschieden genug gegen seine Söhne auf. Nun war er alt geworden und ermahnte sie nur noch mit Worten, auf die sie jedoch nicht achteten. So wollte Gott den jungen Samuel benutzen, um Eli und seinem Haus das bevorstehende Gericht anzukündigen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Gott noch nie zu Samuel gesprochen. Darum kannte er die Stimme des Herrn noch nicht. Als Gott ihn rief, meinte er, Eli habe ihn gerufen. Erst beim dritten Mal merkte Eli, dass Gott den Knaben rief. Als der Herr schließlich das vierte Mal rief, war Samuel bereit, auf das zu hören, was Gott ihm zu sagen hatte. Aber nicht nur das. Samuel war auch bereit, den Auftrag, den Gott ihm gegeben hatte, treu auszuführen, obwohl er Eli und seinem Haus das Gericht ankündigen musste.

Fragen wir uns: Kennen wir die Stimme des Herrn und sind wir vertraut mit seinen Worten (Joh 10,4)? Kann Gott uns gebrauchen, um unseren Geschwistern etwas zu sagen, was ihnen vielleicht nicht gefällt? Und wie sieht es aus, wenn ein Bruder uns zurechtweist? Nehmen wir den Tadel bereitwillig als von Gott an?

Jesaja

„Ich hörte die Stimme des Herrn, der sprach: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich" (Jes 6,8).

In einer beeindruckenden Vision zeigte Gott seinem Knecht Jesaja etwas von seiner Herrlichkeit. Jesaja gewann dabei einen tiefen Eindruck von der Heiligkeit Gottes und war sich bewusst, dass er so, wie er war, nicht vor Gott bestehen konnte. Verzweifelt rief er aus: „Wehe mir! Denn ich bin verloren“ (V. 5). Erst nachdem eine glühende Kohle vom Altar seinen Mund berührt hatte und der Prophet damit im Bild ein Bewusstsein von dem Maß seiner Sünde und seiner Sühnung bekam, konnte Gott ihn als Prophet in dem öffentlichen Dienst (weiter) zu seinem Volk senden (V. 7).

Fragen wir uns: Sind wir noch beeindruckt von der Heiligkeit Gottes? Wissen wir, was es den Heiland gekostet hat, unsere Sünden zu sühnen? Danken wir Ihm täglich für das Erlösungswerk, das Er am Kreuz von Golgatha vollbracht hat? Geben wir Ihm eine Antwort auf seine Liebe, indem wir bereit sind, uns von Ihm zu verlorenen Menschen senden zu lassen und ihnen die Botschaft der Errettung zu bringen?

Ananias

„Es war aber ein gewisser Jünger in Damaskus mit Namen Ananias; und der Herr sprach zu ihm in einem Gesicht: Ananias! Er aber sprach: Siehe, hier bin ich, Herr!“ (Apg 9,10).

Saulus war auf dem Weg nach Damaskus. Als der Herr Jesus ihm aus dem Himmel erschien, fiel er zu Boden und konnte nichts mehr sehen. Er musste an der Hand nach Damaskus geführt werden (V. 8). Daraufhin benutzte der Herr einen unscheinbaren, aber gottesfürchtigen und redlichen Jünger mit Namen Ananias, um Saulus die Hände aufzulegen, damit dieser wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt wurde (Apg 22,12).

Ananias war nicht nur da, als der Herr ihn rief (V. 10). Er war auch bereit, das zu tun, was der Herr ihm auftrug. Obwohl ihn verständlicherweise Furcht beschlich, als er den ungewöhnlichen Auftrag vom Herrn erhielt, war er dennoch gehorsam. Nachdem er seinem Herrn die Sorge seines Herzens gesagt und dieser den Auftrag bestätigt hatte, tat Ananias, wie ihm gesagt worden war (V. 13–17).

Fragen wir uns: Sind wir dem Herrn gehorsam? Gehorchen wir auch dann, wenn uns seine Aufträge vielleicht ungewöhnlich oder sogar angsteinflößend erscheinen? Ananias jedenfalls zeichnete sich durch Bereitschaft und Gehorsam aus. Er erfüllte den Auftrag, den der Herr ihm gab. Erfüllen wir auch die Aufgaben, die Er uns vor die Füße legt?

Schluss

Beim Herrn Jesus sehen wir eine vollkommene Bereitschaft, den Willen seines Gottes und Vaters zu tun. Er war als das Lamm zuvorerkannt vor Grundlegung der Welt. Als die Fülle der Zeit kam, sandte Gott Ihn auf die Erde. Psalm 40,7-9 und Hebräer 10,5-7 zeigen, dass Er bereit war, auf die Erde zu kommen, um am Kreuz von Golgatha zu leiden und zu sterben. Er kannte keine Sünde, tat keine Sünde, und in Ihm war keine Sünde (2. Kor 5,21; 1. Pet 2,22; 1. Joh 3,5). Darum war Er in der Lage, für uns das Erlösungswerk zu vollbringen.

Obwohl der Herr genau wusste, was Ihn hier erwartete, ließ Er sich bereitwillig senden. Er kam als Mensch auf die Erde. Aber noch mehr: Er wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz (Phil 2,8). Sein vollbrachtes Werk am Kreuz ist die Grundlage dafür, dass Gott auch uns als seine Diener aussenden kann.

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