Joel 2 – Angriff der Heere aus dem Norden
III: Gottes Antwort auf den Überrest (V. 18-27)
Der Wendepunkt in der Geschichte Israels
Am Anfang von Kapitel 2 wurde der Einfall des Assyrers in Juda und Jerusalem gezeigt, den Gott als Zuchtrute für Israel in der Zukunft gebrauchen wird (V. 1-11). Daran anknüpfend hatte der Prophet den Bußaufruf an das untreue Volk geschildert, zu Gott umzukehren (V. 12-17). Nun folgt die ergreifende Antwort Gottes an solche aus dem Volk, die dem Bußaufruf Folge leisten. Sie wird in den Versen 18-27 beschrieben. Daraus geht hervor, dass es in der Zukunft einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte Israels geben wird. Folgende Ereignisse wird Gott bewirken:
- die Vernichtung des Feindes Israels (Assyrer);
- die Wiederherstellung der Schöpfung vom Fluch der Sünde;
- die Wiederherstellung der Segnungen der Tierwelt;
- die Wiederherstellung der Segnungen des Volkes.
Dieser Abschnitt gibt somit einen Überblick über Geschehnisse, die mit der Erscheinung des Herrn Jesus in Macht und großer Herrlichkeit zu Beginn des Tausendjährigen Reiches stattfinden.
Der Eifer und das Mitleid des Herrn (V. 18)
Bevor der Prophet auf die umwälzenden Ereignisse näher eingeht, kommt Er auf den Herrn selbst zu sprechen. Dieser steht im Zentrum jeder Prophetie. In ergreifender Weise stellt er vor, wie dieser für sein Land eifert, indem Er es wieder aufblühen lassen und dafür sorgen wird, dass es dauerhaft Frucht trägt. Zugleich wird er Mitleid haben mit seinem Volk und es aus seiner Not erretten (Joel 2,18).1 2
Drei Verheißungen (V. 19.20)
Nachdem der Herr seinen Eifer für das Land und sein Mitleid für das Volk zum Ausdruck gebracht hat, macht Er dem Volk für die Zeit des Tausendjährigen Reiches Verheißungen.
- Als erstes sichert Er den Wiedererhalt von Früchten wie Korn, Öl und Most3 zu, die ihnen durch den Verwüster genommen wurden.
- Als zweites verheißt Er ihnen die Hinwegnahme von Hohn, den das Volk unter den feindlichen Nationen besonders in der Drangsalszeit zu ertragen hat. Diese Zusage wird dem Volk Erleichterung schenken und ihrer Ermutigung dienen.
- In einer dritten Verheißung spricht Gott dem Volk die Vernichtung des Feindes zu. Es ist der „von Norden Kommende“, der Assyrer, der durch die unmittelbare Erscheinung des Herrn selbst vernichtet werden wird, weil dieser sich brüstet, „Großes“ getan zu haben (Hochmut; vgl. Jes 10,24-27; 14,25.25; Hes 38,15.16.21.22; Dan 11,40-45; Mi 5,5).4
Der Herr tut Großes
Nach der Vernichtung des Feindes wird das Wüten im Land beendet sein. Dann wird der Herr „Großes tun“ und das Volk (als Folge seines Mitleids) und das Land (als Folge seines Eifers) segnen – wie in Vers 19 verheißen wurde. Folgende drei „Bereiche“ werden angesprochen, auf die das zutreffen wird:
- die Schöpfung (V. 21)
- die Tierwelt (V. 22)
- die Menschen (V. 23)
Die Schöpfung – Freude statt seufzen (V. 21)
Bereich 1: „Fürchte dich nicht, Erde, frohlocke und freue dich, denn der Herr tut Großes“ (V. 21). Nachdem der Feind durch den Herrn Jesus selbst vernichtet sein wird, werden alle Plagen verschwinden, die einmal über das Land gekommen sind. Die Erde wird wieder grün sein, die Felder eine reiche Ernte hervorbringen und der Weinstock und der Feigenbaum seine Frucht tragen (Joel 2,22). Die Wiedererlangung der Frucht ist nicht das Ergebnis menschlicher Anstrengung. Es ist allein Gottes Werk: „Der Herr tut Großes“. Damit hängt der zukünftige Segen nicht mehr vom Menschen ab, sondern von Gott selbst.
Die Tierwelt – Nahrung statt Entbehrung (V. 22)
Bereich 2: „Fürchtet euch nicht, ihr Tiere des Feldes, denn es grünen die Weideplätze der Steppe; denn der Baum trägt seine Frucht, der Feigenbaum und der Weinstock geben ihren Ertrag“ (Joel 2,22). Neben der Erde wird auch der Tierwelt Trost zugesprochen. In Joel 1 war Furcht angemessen. Dort wurden die Tiere infolge der Dürre in großer Not beschrieben (Joel 1,18.20). Mit der Wiedererlangung der Frucht des Landes ist die Nahrungsmittelversorgung der Tiere jedoch sichergestellt. Die „Weideplätze der Steppe“, die zuvor verdorrt und verbrannt waren (Joel 1,19), werden wieder Frucht bringen.5 Das Rufen der Tiere wird nicht ungehört bleiben (Joel 1,20).
Die Menschen – Segen statt Fluch und Gericht (V.23)
Bereich 3: „Und ihr, Kinder Zions, frohlockt und freut euch in dem Herrn, eurem Gott! Denn er gibt euch den Frühregen nach rechtem Maß, und er lässt euch Regen herabkommen: Frühregen und Spätregen wie zuvor“ (Joel 2,23). Auch dem Volk wird Trost zugesprochen. Die Tatsache, dass es mit „Kinder Zions“ angesprochen wird, ist äußerst bemerkenswert.6 Zion ist einer der Berge, auf denen Jerusalem gebaut ist. Zion wird oft „die Stadt Davids“ genannt. Er wohnte dort. Wenn der wahre David, der Herr Jesus, dort wohnen und von dort aus regieren wird, wird der Berg Zion „eine Freude der ganzen Erde“ sein (Ps 48,3). Wie mit dem Berg Sinai das Gesetz verbunden ist, so ist mit dem Berg Zion die Gnade verbunden (Heb 12,18-22). Die „Kinder Zions“ sind also „Kinder der Gnade“. Daher liegt die Quelle der Freude nicht im Volk selbst oder in den bloßen Umständen, sondern „im Herrn“, ihrem Gott.
Dieser wird ihnen Gnade erweisen, obwohl sie jeden Segen verwirkt hatten. Er wird sie in einen neuen Bund einführen (Gnadenbund), der auf dem kostbaren Blut des Lammes Jesu Christi basiert (Jer 31,31; vgl. Mt 26,28). Auf dessen Grundlage wird Gott den Früh- und Spätregen geben (Joel 1,23). Der Frühregen fällt im Oktober und November; der Spätregen im März und April. Dieser ist der Garant für eine gute Ernte und ist als natürlicher Regen zu verstehen, der das Land bewässert. Ohne diesen ist eine ertragreiche Ernte unmöglich (vgl. 3. Mo 26,4; 5. Mo 11,14-17; 1. Kön 8,33-36; Jer 3,3). In diesem liegt das Geheimnis des Segens, dass das Land wieder Frucht hervorbringt, dass Mensch und Tier ihre Nahrung erhalten und gesegnet werden. Der Regen, der die Ernte und Weinlese sicherstellt, ist an die Gegenwart des Messias gebunden: „Sein Hervortreten ist sicher wie die Morgendämmerung; und er wird für uns kommen wie der Regen, wie der Spätregen die Erde benetzt“ (Hos 6,3) und: „Im Licht des Angesichts des Königs ist Leben, und sein Wohlgefallen ist wie eine Wolke des Spätregens“ (Spr 16,15).
Ergebnisse des Wirkens des Herrn, der Großes tut
Das Segensausmaß (V. 24)
Nachdem drei „Bereiche“ genannt worden sind, auf die sich der Segen im Tausendjährigen Reich erstrecken wird (Schöpfung [Land], Tier, Mensch), offenbart Gott das Ausmaß seines Segens. Unter der Herrschaft des Messias werden die Tennen voll Getreide sein und die Fässer überfließen von Most und Öl. Getreide, Most und Öl sind drei Produkte des Landes, die zusammen den vollen Segen ausmachen. Durch sie wird das Volk satt werden (vgl. V. 19) und in der Lage sein, Gott wieder seine Speis- und Trankopfer zu bringen (Joel 2,14; vgl. Joel 1,13).
Anbetung (V. 25.26)
Sobald sich das Volk zu Ihm bekehrt, ist Er bereit, ihnen alles das zu erstatten, was sie in den Jahren der Zucht unter der Heuschreckenplage, der Dürre und dem Einfall des Assyrers entbehren mussten. Er gibt gerne! Dabei segnet Gott immer im Überfluss. Er tut „Großes“. Dieses Handeln Gottes wird unter dem Volk (Überrest) in der Zukunft Lob und Anbetung gegenüber dem Namen des Herrn auslösen. Das ist das Endziel von allem, was Gott mit und für sein Volk tut.
Dieses Prinzip gilt auch für unser Leben – persönlich und gemeinsam. Wir dürfen Gott loben und den Vater anbeten, für das Große, was Er getan hat, indem Er seinen Sohn gesandt hat, um das Erlösungswerk zu erfüllen und den Ratschluss Gottes zur Ausführung zu bringen.
Die Gegenwart des Herrn (V. 27)
Die Buße des Volkes in der Zukunft (V. 12-17) und Gottes Antwort in Gnade (V. 18-27) wird zu einer erneuerten Beziehung zwischen Israel und dem Herrn führen. Wie in Fußnote 1 bereits erwähnt, wird Er das Volk wieder öffentlich als sein Volk („Ammi“) anerkennen und in ihrer Mitte wohnen. Seine Gegenwart ist der Garant dafür, dass das Volk nie mehr beschämt wird. Nicht fremde Völker, sondern Israel selbst wird im eigenen Land leben und dort überreich gesegnet sein. Durch Gottes Gegenwart wird dieser Segen und jede Anbetung sichergestellt! Wunderbarer Herr!
Fußnoten
- 1 Bemerkenswert ist die Formulierung „mein Volk“ (V. 18.19.26.27). Heute ist Israel „Lo-Ammi“ (Nicht-mein-Volk; Hos 1,9). Doch mit der Wiederkunft Jesu Christi wird es zu einer Veränderung der Beziehung kommen. Im Tausendjährigen Reich wird Gott sich dem Volk (Überrest) wieder annehmen und in Beziehung zu ihm treten. Dann wird Israel wieder „Ammi“ (Mein-Volk) sein. Er hat sein Volk nie vergessen (vgl. Hos 2,25).
- 2 Wenn Joel an dieser Stelle nicht direkt von der Erscheinung des Herrn Jesus spricht, bezeugen viele andere Bibelstellen eindrücklich, dass der Wendepunkt durch sein Kommen in Macht und Herrlichkeit herbeigeführt werden wird vgl. Sach 14,3-4; Ps 102,16; Jes 42,13)
- 3 An dieser Stelle scheint es nicht der Gedanke Gottes zu sein, die Segnungen zu vergeistlichen. In der Vergangenheit ist dies geschehen. So bezog man das Korn auf den Leib Christi, den Most auf das Blut Christi und das Öl auf den Heiligen Geist. Joel denkt jedoch an irdische Segnungen, die zum Leben und zur Freude des Volkes beitragen.
- 4 Im Unterschied zur Heuschreckenplage, deren Schwärme nach Westen ins Meer getrieben wurden, wird dieser Feind in „dürrem und wüstem Land“ sein Ende finden (vermutlich im Wüstengebiet südlich von Israel).
- 5 Aus anderen prophetischen Büchern wissen wir, dass in dieser Zeit das Verhältnis zwischen Raub- und Haustieren ebenfalls eine grundlegende Veränderung erleben wird. Jesaja beschreibt es eindrücklich: „Der Wolf wird beim Lamm wohnen […] der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind“ (Jes 11,6-8). So wird selbst von den stärksten und wildesten Tieren keine Gefahr mehr ausgehen. Die ganze Schöpfung wird in Frieden leben - befreit vom Fluch und unter der segensreichen Herrschaft des Messias.
- 6 Der Ausdruck kommt nur drei Mal in der Bibel vor und nur ein einziges Mal in den Büchern der Propheten (vgl. Ps 149,2; Klgl 4,2; Joel 2,23)
Quelle: bibelpraxis.de/a9321.html
Artikelreihe: Der Prophet Joel
- Einleitung
- Geschichtlicher Hintergrund
- 5 Appelle
- Der Tag des HERRN
- Gebet
- Invasion des Assyrers
- Bußaufruf
- Gottes Antwort auf den Überrest (2,18-27)
- Die Ausgießung des Geistes (3,1.2)
- Die Ausgießung des Geistes (Exkurs Pfingstpredigt)
- Gottes Gerichte in der Drangsalszeit (3,3.4)
- Errettung (3,5)
- Gericht der Nationen
- das Gericht der Nachbarvölker Israels
- Tyrus, Sidon und die Bezirke Philistäas
- Das Ende der Nachbarvölker