Weise Zurechtweisung

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„Und sogleich, während er noch redete, krähte der Hahn. Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an; und Petrus erinnerte sich an das Wort des Herrn, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“ (Lukasevangelium, Kapitel 22, Verse 60 und 61).

Jesus hat nie unnötigerweise ein hartes oder strenges Wort gesprochen. Er hatte ein göttliches Mitgefühl für die Zerbrechlichkeit und Schwachheit eines Menschen, der versucht und geprüft wurde. Er war nachsichtig mit den Unwissenden, ermutigte die Schwachen, barmherzig mit den Sündern, die eine Sinnesänderung vornahmen, und voller Liebe allen gegenüber. Aber wie treu war Er als der Zurechtweiser, wenn Sünden begangen wurden. Mit welch einem glühenden Eifer legte er die Maske der Pharisäer bloß, die ihre Verdorbenheit und ihre Heuchelei unsichtbar machen sollte! Auch war Er seinen eigenen Jüngern gegenüber nicht anders: Wenn Zurechtweisung nötig war, dann führte er sie aus, manchmal durch ein beeindruckendes Wort (Matthäusevangelium, Kapitel 16, Vers 23), manchmal durch einen stillen Blick (Lukasevangelium, Kapitel 22, Vers 60). Aber die Wunden dieses Freundes waren immer treu gemeint (Sprüche, Kapitel 27, Vers 6).

Bringst auch du in gleicher Weise Frucht, wenn du jemanden wegen einer bösen Tat zurechtweist, indem du eine Beleidigung des Herrn als gegen dich gerichtet verstehst? Eine weise Zurechtweisung bedarf sehr großer christlicher Vorsicht und zarter Diskretion. Wir sollten nicht meinen, einen irrenden Bruder durch eine hastige und unüberlegte Entblößung seiner Fehler gewinnen zu können. Aber genauso wenig dürfen wir Treue aufs Spiel setzen, oder im Namen der Liebe bei Sünde ein Auge zudrücken. Wie oft hat eine passende Rüge, eine treue Warnung vor einem Leben in der Sünde und voller Tränen gerettet!

Pass auf, dass du nicht den geistlichen Feigling machst. Wenn du in dieser Gefahr stehst, dann denke daran: Was hätte Jesus an deiner Stelle getan? Hätte Er den Fluch ohne Zurechtweisung laufen lassen? Die Lüge unwidersprochen verklingen lassen? Das Böse, das über eine Person gesagt wurde, ruhige stehen lassen? Nein! Daher: Sprich vorsichtig, aber sprich in Treue!

„Seid mitleidig, voll brüderlicher Liebe“ (1. Petrusbrief, Kapitel 3, Vers 8). „Ein Wort zu seiner Zeit, wie gut!“ (Sprüche, Kapitel 15, Vers 23).

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