Am: Di, 8. Juli 2025
Eine Frau wurde als Mädchen über Jahre sexuell missbraucht. Dass das dauerhafte Folgen hat, bedarf keiner weiteren Erörterung. Kann man solche Erfahrungen überwinden, davon befreit werden? Eine Betroffene berichtet: Vergebung kann es für so etwas nicht geben. - Wie kann man das verstehen? Wie kann man diese Frage auf Basis von Gottes Wort sehen, ohne den Gefühlen der Betroffenen Gewalt anzutun?
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Vor einiger Zeit las ich den erschütternden Artikel über eine Frau, eine französische
Autorin, Nege Sinow, die Kindesmissbrauch, Inzest erleben musste und die aus all diesem
die Schlussfolgerung gezogen hat: Vergebung kann es nicht geben.
Ja, es ist etwas furchtbares, wer sich damit beschäftigt, dass Kinder missbraucht werden
von Männern, von ihrem Vater, von ihrem Onkel oder von sonst wem, ganz selten, in seltenen
Fällen auch einmal von Frauen, aber auch das gibt es.
Und diese persönliche Geschichte von Sinow ist eben die Geschichte des sexuellen Missbrauchs,
den ihr Stiefvater über Jahre hinweg, als sie sieben Jahre alt war, bis zu ihrem 14.
Lebensjahr an ihr verübt hat.
Und ursprünglich hat sie das nicht aufschreiben wollen, aber dann fing sie eben an, doch das
aufzuschreiben, nicht um damit fertig zu werden, sondern um sich damit auseinanderzusetzen.
Sie schreibt auch über die Folgen, die das mit ihr gemacht hat.
Das Buch, das sie geschrieben hat, man kann das nicht empfehlen, aber es geht darum zu (00:01:08)
verstehen, was unbegreiflich ist, was ungeheuerlich erscheint und Antworten zu finden auf viele
Fragen, zu denen es gar keine Antworten geben kann.
Sie sagt, sie werde immer darüber schreiben, darum geht es beim Inzest.
Es hört nicht auf, dieses Nicht-Auffüllen, Nie-Vorbeisein, diese Absage an die Kraft
der Resilienz.
Das ist etwas, was dieses Buch sozusagen ausmacht.
Das ist ganz wichtig, dass wir uns damit auseinandersetzen, das erfassen, was in einem solchen Menschen
vorgeht.
Viele von uns haben, man kann nur wirklich ausdrücklich sagen, Gott sei Dank, so etwas
nicht erlebt, mussten sich damit persönlich nie auseinandersetzen.
Aber dadurch fehlt es uns oft auch an Empfinden, an Mitempfinden, was solche Menschen mitgemacht
haben.
Wir können da heute leicht drüber hinweggehen, weil das heute zu einem so großen Thema geworden ist,
dass man es fast ein Modethema nennen kann.
Aber das, was in einem solchen Menschen vorgeht, der das erlebt hat, manchmal über Jahre, (00:02:06)
vielleicht sogar Jahrzehnte, das ist so weitreichend, das ist so furchtbar, dass es gut ist, einmal
zuzuhören, einfach mal zuzuhören, was solche Menschen empfinden.
Denn entgegen heißt es in diesem Artikel des Allgegenwärtigen Appells, dass man sein
Trauma überwinden soll, überwinden kann und die moderne Methode ist ja, das innere
Kind zu heilen, eine besondere Psychologisierung, die da vorgenommen wird, ich gehe jetzt mal
nicht darauf ein, wie sinnvoll oder sinnlos diese Vorgehensweise ist, aber dass man eben
auf diese Art und Weise will, das Trauma zu überwinden, da meint die 47-jährige Französin,
man müsse den Menschen stattdessen zugestehen, die Wunde nicht ganz schließen zu können
oder sogar nicht schließen zu wollen.
Denn, fügt sie hinzu, um ganz heilen zu können, muss man erst einmal vergeben und um vergeben
zu können, muss es etwas geben, das man vergeben kann.
Für mich ist der sexuelle Missbrauch eines Kindes nichts, was vergeben werden kann, sagt (00:03:05)
sie.
Vergeben würde bedeuten, aus ihrer Sicht, dass es nicht so schlimm war, das kann ich
nicht sagen, da liegt bei mir die Grenze.
Das ist ein interessanter Gedankengang, den sie hat.
Um vergeben zu können, muss es etwas geben, was ich vergeben kann, aber das würde bedeuten,
dass es nicht so schlimm ist.
Das in der Tat ist ein Fehlurteil und darüber müssen wir nachdenken, darüber müssen wir
sprechen.
Aber davor möchte ich noch einmal sagen, es ist wirklich bedeutsam, dass wir erkennen,
was mit solchen Menschen geschieht, die durch Inzest und durch sexuellen Missbrauch Opfer
geworden sind und das zum Teil über Jahre.
Das ist eben nichts, was man eben wie eine Lüge, die gegen mich ausgesprochen worden
ist, vielleicht einen Schlag auf die Wange oder sonst wohin überwinden kann, sondern
das sind Dinge, die in unserem Innern, die mit dem Innern einer solchen Menschen etwas
machen und dauerhaft auch fortschreiten.
Das müssen wir solchen Menschen zugestehen.
Ich habe mal ein Buch gelesen, vergeben kann man nicht müssen. (00:04:02)
Wir können solchen Menschen, die so etwas erfahren haben, was wir nicht erlebt haben,
was wir gar nicht richtig nachvollziehen können, kann man nicht aufoktroyieren, kann man nicht
sozusagen bestimmen, du musst jetzt vergeben.
Dennoch ist der Gedanke, der sich hier durch diese Frau irgendwie verselbstständigt hat,
natürlich falsch.
Durch Vergebung wird das Böse nicht Unböse.
Das sollte jeder von uns wissen, denn jeder von uns hat Vergebung nötig.
Ohne Vergebung gibt es keine Zukunft für uns.
Ohne das Bewusstsein der Vergebung kann es nichts geben, was uns glücklich macht.
Und auch wenn das absolut nicht auf die Bekehrung zutrifft, so sagte Herr Jesus doch in der
sogenannten Bergpredigt und das dürfen wir nicht übersehen, in Matthäus 6 Vers 14:
"Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, wird euer himmlischer Vater euch vergeben".
Das heißt, da geht es natürlich um das Leben eines Christen, da geht es um das Leben einer (00:05:02)
Person, die die ewige Vergebung bereits erfahren hat.
Wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehung, das heißt ihre Schuld, ihre Sünden, nicht
vergebt, wird euer Vater auch eure Vergehung nicht vergeben.
Das heißt, erstens, wir brauchen Vergebung, denn jeder von uns ist ein Sünder und wir
haben es auch nötig zu vergeben, damit wir die tägliche Vergebung, die wir nötig haben,
denn wir sündigen oft jeden Tag aufs Neue, damit wir diese Vergebung auch erleben können
von Seiten des Vaters, dass wir wieder praktischerweise Gemeinschaft mit ihm pflegen können, weil
wir selber gegen ihn gesündigt haben.
Dadurch verlieren wir nicht das ewige Heil, natürlich nicht, wenn wir uns bekehrt haben,
dann haben wir das ewige Heil, aber die tägliche Gemeinschaft mit ihm verlieren wir, wenn wir
nicht bereit sind zu vergeben.
Jetzt aber zurück zu dem Thema, kann man vergeben und wenn man vergibt, was macht das
mit der Sünde?
Erstens, wenn es um die Vergebung einem Menschen gegenüber geht, dann hat das überhaupt nichts (00:06:01)
mit dessen Beziehung zu Gott zu tun, dann hat das auch überhaupt nichts damit zu tun,
dass die Sünde irgendwie bagatellisiert würde oder dass aus der Sünde eine Nichtsünde
gemacht würde, sondern hat es etwas damit zu tun, dass das, was zwischen ihm und mir
steht, dass das zugedeckt wird.
Wann kann man das zudecken?
Das kann man zudecken, wenn ein echtes, aufrichtiges Bekenntnis da ist und dann vergibt man.
Vergeben heißt letztlich zudecken.
Aber die Sünde als solche steht dann immer noch zwischen dieser Person und Gott.
Und was wissen wir aus Gottes Wort, was im Blick auf jede Sünde nötig ist, dass der
Herr Jesus sterben musste?
Zeigt das nicht, wie dramatisch jede einzelne Sünde ist, dass man absolut dadurch nicht
sagt, vergeben würde bedeuten, dass es nicht so schlimm war?
Jede Sünde ist schlimm in den Augen Gottes.
So schlimm, dass sein Sohn dafür sterben musste.
Ist dann eine Sünde nicht so schlimm?
Natürlich gibt es auch noch Unterschiede in den Sünden.
Wer wollte das bestreiten? (00:07:01)
Es ist eben ein Unterschied, ob ich jemanden schlage oder ob ich jemanden sexuell missbrauche,
ihn zu einem sexuellen Opfer mache.
Aber die Folge einer Sünde ist der Tod des Herrn Jesus.
Und das macht noch einmal deutlich, das ist keine Bagatellisierung, im Gegenteil.
Es ist etwas, was dramatisch ist.
Und jetzt schauen wir uns an, was Gott mit uns getan hat.
Hat er uns die Sünden vergeben?
Das hat er.
Wer aufrichtig mit einem Bekenntnis zu ihm kommt, mag er es tief empfunden haben oder
nicht so tief?
Gott vergibt.
So hat Gott uns gegenüber gehandelt.
Hat er die Sünden damit ungeschehen gemacht?
Sagt er damit, eine Sünde ist nicht so schlimm?
Bagatellisiert er die Sünde?
Überhaupt nicht.
Im Gegenteil, er gibt in unser Gewissen ein Empfinden, wie dramatisch jede einzelne Sünde
in seinen Augen ist.
Und dennoch hat er uns die Sünden vergeben.
1.
Johannes 1 Vers 9: "Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Gott treu und gerecht, dass
er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit".
Was für eine großartige Liebe Gottes. (00:08:03)
Und wenn wir Epheser 4 hinzunehmen, dann sagt der Apostel in Vers 32:
"Seid aber zueinander gütig, mitleidig, einandervergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat".
In dieser Vergebung hier in Epheser 4 Vers 32, geht es nicht darum, dass ich vergebe,
wenn mir jemand seine Sünden bekannt hat, so hat Gott nicht gehandelt, sondern es heißt
wie die Fußnote in der Elberfelder Übersetzung auch sagt, die CSV-Ausgabe Hückeswagen "Gnade
erweisen".
So hat Gott gehandelt.
Gott hat nicht gewartet, bis wir unsere Sünden bekannten, sondern er hat seinen Sohn gesandt,
bevor wir überhaupt einen Gedanken daran hatten, unsere Sünde zu bekennen.
Ja, wir haben zum Teil noch gar nicht gesündigt gehabt, da hat Gott uns gegenüber diese Gnade
erwiesen.
Und macht er damit die Sünde irgendwie ungeschehen oder verniedlicht er sie?
Überhaupt nicht.
Er zeigt ja, wie dramatisch sie ist, dass Gott seinen eigenen Sohn, den Herrn Jesus
als Menschen richten musste an meiner Statt, weil er meine Sünde auf ihn gelegt hat. (00:09:05)
Das zeigt, wie ernst Gott diese Dinge sieht.
Also wir brauchen erstens keine Angst zu haben, dass eine Sünde damit irgendwie verkleinert
würde, verniedlicht würde, nicht so schlimm wäre, aber zweitens sehen wir etwas von der
göttlichen Liebe, dass er bereit war, uns sogar Sünden zu vergeben, diese Gnade zu
erweisen, bevor wir überhaupt den Gedanken hatten, zu ihm zu kommen.
Also niemand muss Angst haben, die Sünde wäre nicht so schlimm, wenn man vergibt.
Im Gegenteil, man zeigt ja, wie ernst man sie nimmt, dass es einer Vergebung bedarf,
dass man nicht einfach so die Hand drüber halten kann und sagen kann, okay, ist passiert.
Gerade bei solch schwerwiegenden Sünden ist das nicht der Fall.
Und lasst uns auch nie übersehen, dass es einen gab, der der erste der Sünder war.
Paulus sagt in 1. Timotheus 1 in Vers 12:
"Ich danke Christus Jesus, unserem Herrn, der mir Kraft verliehen hat, dass er mich für
treu erachtet hat, indem er den in den Dienst stellte, der zuvor ein Lästerer und Verfolger (00:10:02)
und Gewalttäter war, aber mir ist Barmherzigkeit zuteil geworden".
Und dann heißt es in Vers 15: "Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus
Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu erretten, von denen ich der Erste bin".
Es gab keinen schlimmeren Sünder, sagt Paulus, und das schreibt er inspiriert als mich selbst,
Paulus.
Und selbst ich habe Vergebung der Sünden erhalten und damit kann jede Sünde vergeben
werden.
Wenn der Erste der Sünder Vergebung bekommen hat, dann können auch andere Sünden vergeben
werden.
Lasst uns also das vor Augen haben.
Die dramatischen Folgen eines Kindesmissbrauchs wollen wir niemals kleinreden, aber jede Sünde
kann vergeben werden, wenn eine Bereitschaft da ist zu bekennen, wirklich Buße zu tun,
aufrichtig sich darunter zu beugen, was man getan hat und die Dinge zu bekennen.
Lasst uns das nicht übersehen und wir wollen jeden ermutigen, diesen Weg der Vergebung
zu gehen.
Das ist in der Tat heilsam. (00:11:01)
Wie willst du einem anderen die Vergebung nicht erteilen, wo du selber, wenn du dem
Herrn Jesus, wenn du Gott deine Sünden bekannt hast, Vergebung empfangen hast?
Das passt nicht zusammen.
Am Ende nicht.
Ich sage nicht, dass das sofort geschehen muss.
Gottes Wort zeigt, dass es manchmal wirklich einer gewissen Zeit bedarf, um eine Vergebung
auch aussprechen zu können, aber wenn wir dahin kommen könnten, dann schließen sich
eben doch Wunden.
Nicht, dass das Geschehen ungeschehen gemacht würde, nicht, dass eine schmerzhafte Rückerinnerung
vorhanden sein könnte, aber Wunden schließen sich und das wünsche ich dir, dass du diesen
Weg gehst und damit eine gewisse Heilung bekommst.
Das reicht nicht zur Heilung.
Da sind gewiss noch auch seelsorgerliche Bemühungen nötig, aber es gibt Heilung und diese Heilung
wollen wir von ganzem Herzen annehmen und wollen selber dazu beitragen, indem wir das,
was wir selbst von Seiten Gottes erlebt haben, auch anderen schenken, Vergebung der Sünden. (00:12:01)
Es muss auf dem rechten Weg geschehen, das heißt, es muss ein Bekenntnis da sein, aber
wir wollen diese Haltung unbedingt haben und bewahren.