Das Kreuz war die Offenbarung von Güte, inmitten der Bosheit der Welt, und zwar auf eine Weise, die nirgendwo anders zu finden ist. Während des Lebens Jesu öffneten sich die Himmel über Ihm und zeugten von seiner Vollkommenheit, auch von der Freude des Vaters an Ihm. Dadurch erfahre ich etwas von der schrecklichen Bosheit des Herzens, die einer solchen Güte widerstehen könnte.
Wenn ich zum Kreuz komme, vorausgesetzt, ich bin so von meiner Sünde überführt worden: Was für ein elendes Geschöpf sehe ich in mir selbst! Ich habe diesen gesegneten Einen gehasst und, noch schlimmer, meine Sünden haben Ihn ans Kreuz gebracht.
Aber jetzt ist Er nicht mehr dort! Ich komme zum Kreuz, und dort hängt kein Christus mehr. Wo ist Er? Er sitzt zur Rechten Gottes.
Aber meine Sünden haben Ihn ans Kreuz gebracht. Dort waren sie auf Ihn gelegt worden. Ist Er, verbunden mit ihnen, in die Herrlichkeit zur Rechten Gottes gegangen? Nein!
Was ist mit ihnen geschehen? Ich finde im Kreuz, dass Gott mit meinen Sünden abgerechnet hat, als sie auf Christus lagen. Es war, nachdem Er selbst die Reinigung unserer Sünden bewirkt hatte, dass Er sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat (Hebräer 1,3). Dies ist der Kontrast in Hebräer 10.
Die jüdischen Priester standen täglich da und brachten oft dieselben Opfer, aber dieser Mensch, nachdem Er ein Opfer für Sünden dargebracht hatte, setzte sich für immer.
Ja, Er wird aufstehen zum Gericht, wenn die Zeit gekommen ist. Ja, Er wartet jetzt nicht auf seinem eigenen Thron, sondern auf dem des Vaters, bis seine Feinde zu seinem Schemel gemacht werden. Im Hebräerbrief lesen wir, was dieses besondere Werk des Herrn Jesus Christus für uns bedeutet.
Er starb für unsere Sünden gemäß den Schriften (1. Kor 15). Er wurde dort zur Sünde für uns gemacht, trug unsere Sünden an seinem eigenen Leib am Holz und musste infolgedessen den furchtbaren Kelch des Zorns Gottes trinken.
Aber das ist vorbei. Jetzt, da ich Ihn zur Rechten Gottes sitzen sehe, bin ich daran gebunden, an die Wirksamkeit dieses einmaligen Werkes zu glauben. Das in diesem Zusammenhang verwendete Wort ist sehr stark. Es gibt keine Unterbrechung oder Aufhebung seiner Wirksamkeit. Daher hat der einmal gereinigte Anbeter kein Gewissen mehr von Sünden. Er kann nicht zu Gott kommen, ohne festzustellen, dass Christus, der seine Sünden getragen hat, dort ist. Der verherrlichte Christus kann in das Glück des Menschen eintreten, dem seine Übertretung vergeben und dessen Sünde bedeckt ist, dem Gott keine Ungerechtigkeit anrechnet.
Es gibt zurzeit viel Lässigkeit und Unglauben (Gott sei Dank nicht so sehr in diesen Ländern) in Bezug auf den immensen Wert und die Bedeutung des Todes Christi.
In diesem Tod wurde Gott in allem, was Er ist, vollkommen verherrlicht, und zugleich wurde dem Bedürfnis des Menschen entsprochen. Wenn Gott nur seinen Hass gegen die Sünde in der Vernichtung des Sünders manifestiert hätte, wäre das zweifellos gerecht gewesen. Aber wo wäre dann seine Liebe? Wenn andererseits die Sünde übersehen worden wäre, den Menschen erlaubt worden wäre, ihre Sünden zu behalten, und nicht mehr davon gesprochen worden wäre, gäbe es keine Gerechtigkeit.
Wenn ich zum Kreuz komme, finde ich, was nirgendwo sonst gefunden werden kann: das gerechte Urteil über die Sünde, aber zugleich die vollkommene Liebe zum Sünder. Je genauer wir es betrachten, desto mehr erkennen wir den Wert des Kreuzes, desto kostbarer wird uns Christus.
Aus: The Law, and the Gospel of the Glory of Christ
Quelle: bibelpraxis.de/a7350.html