Diener - und doch der Sohn Gottes

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Während Lukas den Herrn als wahren Menschen zeigt, hat Johannes Ihn als den ewigen Sohn Gottes vor Augen. Während Matthäus den Herrn als den verheißenen König und Messias beschreibt, wird Er von Markus als Diener und Prophet dargestellt.

Es ist wichtig, dass wir bei unseren Überlegungen über den Herrn möglichst so ausgewogen sind wie die vier Evangelisten. Markus, getrieben durch den Heiligen Geist, schildert die Taten und Wunder des Herrn in einer nahezu ununterbrochenen Kette. Ein Werk reiht sich an ein anderes, ein Wunder an ein anderes Wunder. Beinahe jeder Abschnitt in diesem Evangelium beginnt mit dem Wort „und“ bzw. mit „sogleich“. So wird deutlich, dass der Herr ununterbrochen tätig war – an und mit den Menschen beschäftigt.

Dieser Blickwinkel wird auch dadurch deutlich, dass vom Herrn keinerlei Geburtsgeschichte beschrieben wird. Seine Jugend wird ebenfalls übergangen. Das passt zu einem Diener. Bei einem Diener ist es in der Regel unerheblich, woher er kommt oder was für eine Ausbildung er genossen hat. Es ist ausschließlich von Bedeutung, dass er dient und seinen Auftrag ausführt1.

Diener und Sohn zugleich

Und doch achtet der Heilige Geist streng darauf, dass wir bei der Betrachtung des Herrn als Diener nicht einseitig werden. Sowohl am Anfang als auch am Ende des Evangeliums wird der Herr Jesus als der Sohn Gottes vorgestellt.

Markus 1,1: „Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes.“

Bevor die Schilderungen des Dienstes des Herrn beginnen, wird unmissverständlich klar gemacht, mit wem wir es zu tun haben: mit keinem Geringeren als dem Sohn Gottes.

So endet auch das Evangelium:

Markus 16,19: „Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.“

Der Punkt, dass der Herr hier als der Sohn Gottes vorgestellt wird, ist nicht unbedingt offensichtlich. Es werden drei Aktivitäten beschrieben:

  1. Er redete mit den Jüngern.
  2. Nach diesem Reden wurde Er aufgenommen. Hier ist der Herr nicht aktiv, sondern passiv. Gott erhöht seinen Knecht, damit Er erhoben, erhöht und sehr hoch sei (vgl. Jes 52,13).
  3. Danach setzte Er sich zur Rechten Gottes. Hier wird der Herr selbst tätig, Er ist nicht länger passiv.

Der Thron – Mensch und Gott zugleich

Der Thron Gottes ist im erschaffenen, aber nicht sichtbaren Himmel (vgl. Ps 2,4; 11,4; 103,19; 113,5; 123,1; Jes 6,1;66,1). Zu ihm haben die Engel und sogar die Dämonen Zutritt. Es ist der Platz, von dem Gott in Heiligkeit und Gerechtigkeit regiert und Gericht übt. Es ist der Platz der Souveränität Gottes. Die Szenen in Jesaja 6 und Hiob 1 und 2 machen uns die furchteinflößende Atmosphäre deutlich, die den Thron Gottes umgibt.

An diesen Thron tritt man nicht ohne Ehrfurcht heran. Es muss also etwas Besonderes sein, wenn eine Person sich selbst zur Rechten Gottes setzt. Der Herr Jesus hatte als der ewige Sohn Gottes jedes Recht, jede Autorität, sich selbst, ohne besondere Aufforderung oder Erlaubnis, zur Rechten Gottes zu setzen - Er ist ja Gott selbst. Dass Er sich auf diesen Thron zur Rechten Gottes setzt, macht deutlich, dass Er Mensch ist. Denn als Sohn Gottes sitzt Er nicht zur Rechten Gottes, sondern ist Gott selbst. Aber dass Er dort nicht nur platziert wird (Ps 110,1), sondern dass Er sich selbst dorthin setzt, offenbart, dass dieser Mensch weitaus mehr ist als ein Mensch: der Sohn Gottes.

Mit diesem Blick – der ewige Sohn Gottes setzt sich selbst zur Rechten Gottes – endet das Evangelium nach Markus, das uns Jesu Leben und Sterben als Diener vorgestellt hat.

Die Person des Herrn Jesus ist unerklärlich. Wir können mit dem Verstand nicht ergründen, dass Er zugleich Mensch und Gott ist. Dies können wir nur im Glauben annehmen. Und sollten wir uns mit der Perfektion der Menschheit des Herrn Jesus beschäftigen, dürfen wir seine Göttlichkeit nie aus den Augen verlieren.

Fußnoten

  • 1 Dasselbe Prinzip finden wir bei dem Priesterkönig Melchisedek. In Hebräer 7,3 wird ausgeführt, dass seine Herkunft und weitere Geschichte, d. h. sein Anfang und Ende, nicht bekannt sind. Das wird dann auf unseren Herrn übertragen, der als der ewige Sohn Gottes weder einen Anfang noch ein Ende hat. In Hebräer 7 wird das Fehlen bestimmter Lebensaspekte also mit der Ewigkeit des Sohnes Gottes verbunden, in Markus mit dem Charakter des Dieners.
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