Der Russische Aufmarsch um die Ukraine (4): Gibt es gute und schlechte Regierungen?

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Aber ist diese (politische) Empörung und „Enttäuschung“ angesichts dessen, was Wladimir Putin mit dieser Kriegsentscheidung entschieden hat, tatsächlich berechtigt? Folgt Putin anderen Prämissen als die übrigen Regierungen? Was können wir von „weltlichen“ Regierungen erwarten? Handeln sie andersartig als „christliche“ Regierungen? Gibt es hier womöglich ein „gut“ und „böse“?

Nun gibt es tatsächlich politische und militärische Entscheidungen, die offensichtlich für jeden „böse“ sind. Die Menschen töten, ermorden und in ihrer Existenz vernichten. Solche Anordnungen sind in jeder Hinsicht verkehrt. Aber ist dies das einzige Kriterium für eine Beurteilung?

Es gibt auch andere Blickrichtungen. In den letzten Tagen mussten wir lernen, dass es in der Durchsetzung politischer Interessen Herrschaftssysteme gibt, die Demokratien offensichtlich überlegen sind. Eigentlich hätten wir das aus früheren Zeitepochen wissen können. Aber der Mensch verdrängt so etwas sehr schnell. Das gilt ebenfalls für uns Gläubige.

Russland bezeichnet sich nach der Verfassung vom 12. Dezember 1993 als ein „demokratischer föderativer Rechtsstaat mit republikanischer Regierungsform“ und einem semipräsidentiellen Regierungssystem. In der Praxis aber ist dieses Land eine Monarchie, aktuell regiert von Wladimir Wladimirowitsch Putin. Er herrscht über seinen Staat ähnlich wie früher Zaren oder in anderen Reichen Kaiser. Und die von vielen so hoch gefeierte Demokratie hat gezeigt, wozu sie politisch (nicht) in der Lage ist. Solidaritätsadressen von Ländern wie Deutschland werden von den Einwohnern der Ukraine als purer Zynismus wahrgenommen (inzwischen hat die deutsche Regierung allerdings, nach einigen Tagen Krieg, Waffen zugesagt). Die deutsche „Politik“ hat der Ukraine beispielsweise 5.000 Militärhelme geliefert, um in einem Krieg gegen ein im militärischen Bereich hoch technologisches Land wie Russland bestehen zu können. So „unterstützen“ sich „gute Regierungen“ gegenseitig. Inzwischen wissen wir, dass unter moralischem, politischem und militärischem Druck andere Entscheidungen gefallen sind. Wären sie gekommen, wenn Russland innerhalb von zwei Tagen die Ukraine eingenommen hätte? Dennoch – man muss anerkennen, wie schnell Bewegung in diese Entscheidungen gekommen ist!

Eine „gute“ Regierung ...

Was ist für uns Christen dabei von Belang? In den letzten zwei Jahren hat man immer wieder von der „guten Regierung“ mit guten Plänen gehört. Kritische Mahnungen wurden gelegentlich dadurch beantwortet, dass an das „Gute“ erinnert wurde, was das Ziel der Regierung in dieser oder jener Entscheidung wäre. Jetzt zeigt uns Gott, was Staatsgewalten mit „gut“ zu tun haben. Vielleicht ist das eine Erinnerung zur rechten Zeit. Vor einigen Jahrzehnten mussten wir Gläubigen das schon einmal in bitterer Weise lernen, nachdem wir einen klaren Blick verloren hatten, dass die Exekutiven Teil des Systems Satans sind und bleiben. Das gilt für demokratische Regierungen in gleichem Maß wie für monarchische oder andere Regierungssysteme. Wir lernen das unter anderem aus 1. Korinther 2,6 und Lukas 4,6. Der Teufel ist der Gott dieser Welt (2. Kor 4,4). Zu dieser Welt und seinen Strategen gehören auch die Regenten.

Es ist interessant, dass manche in den letzten zwei Jahren von Parallelen zur Zeit der 30er Jahre im vorigen Jahrhundert (und zu der „DDR-Zeit“) gezogen haben. Andere haben diese Vergleiche empört zurückgewiesen. Nun hat der russische Präsident diesen Vergleich gezogen und dabei Dinge behauptet im Blick auf Adolf Hitler, die so (natürlich) völlig unzutreffend sind. Dennoch ist es auffallend, dass sich viele an diese Zeit erinnert fühlen. Warum jetzt? Ein Land erkennt nicht mehr die „Souveränität“ eines anderen an, sondern nimmt für sich in Anspruch, diese Grenzen einseitig neu festzulegen. So war es vor dem zweiten Weltkrieg ...

Lernpunkte

Was zeigt uns das, im Kontext der Bibel? Was lernen wir daraus für uns?

  1. Wir müssen wieder lernen, dass Welt wirklich Welt ist und bleibt. Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, es gäbe christliche Regierungen (es gibt wohl Christen, die in der Regierung sind – etwas völlig anderes!). Natürlich wird eine monarchische oder demokratische, eine kommunistische oder soziale Regierungsgewalt auch Entscheidungen treffen, die nicht verkehrt sind. Das gilt für Russland genauso wie für Deutschland. Aber viele Beschlüsse (Ehe, Erziehung, Abtreibung usw.) zeigen auch in unserem Land, dass es eine „gute“ Regierung nicht gibt.
  2. Wir müssen auf das Tausendjährige Reich warten, bis es durch den Herrn Jesus Christus wirklich eine Exekutive geben wird, die in absoluter Weise „gut“ zu nennen ist. Sie wird in jeder Hinsicht „gut“ sein.
  3. Diese Welt wird schnell wieder zum „normalen Leben“ übergehen. Die Börsen haben das gezeigt ... Das wird unsere Gesellschaft nach der Entrückung ebenfalls tun; das hat sie nach der Besetzung der Krim usw. auch schon getan. Und was hinter den Maßnahmen steckt, die erst unter großem politischem und moralischem Druck von außen als Sanktionen beispielsweise von Deutschland mitgetragen wurden (z. B. Abtrennung vom SWIFT-System), wird jeder erkennen, der darüber ein bisschen nachdenkt. Es geht den „guten“ Regenten darum, dass sie selbst dabei nicht zu stark Schaden erleiden (was man ökonomisch verstehen kann), auch wenn damit die eigentliche Beeinträchtigung für Russland in engen Grenzen gehalten wird. Und wann es dann wieder zu neuen Kooperationen von Politik und Wirtschaft mit einer solch „bösen“ Regierung (oder anderen„bösen Regierungen“) kommen wird, werden wir in den nächsten Jahren erleben ...
  4. Der Teufel hat diese Welt in seinem festen Griff. Er hat ein Ziel immer vor Augen: Christus schaden, Gott zur Seite stellen. Diese Absicht erreicht er am besten, wenn er Menschen in einem Zustand des Verlorenseins „bewahren“ kann. Er möchte Krieg und keinen Frieden. Er möchte Christen einschläfern und bei den Erlösten bewirken, dass sie keinen klaren Blick mehr haben für die Wahrheit, über den Herrn Jesus, für das, was Welt ist, für das, was böse und im Gegensatz dazu wirklich gut ist. Er will die Gläubigen schläfrig machen und ihre Urteilsfähigkeit trüben. Dieser Widersacher ist äußerst mächtig und zugleich listig. Über die vielen Jahrhunderte sind nicht nur ungläubige Menschen, sondern leider auch wir Gläubigen immer wieder in die Falle gelaufen.
  5. Über allem und hinter allem sollten wir Gott sehen. Er hat einen Plan mit dieser Erde, mit dem Geschehen dieser Erde und auch mit jedem Einzelnen der Seinen. Ihm läuft nichts aus dem Ruder. Sein Ziel ist es, seinen Christus als Regenten hier auf dieser Erde einzuführen. Er soll als der „König der Könige und Herr der Herren“ (Off 19,16) über alles herrschen. Dazu aber muss die sogenannte christliche Welt in Form des Römischen Reiches (in Israel) gerichtet werden (Off 19,17-21). Dafür muss das ungläubige Israel unter dem künftigen „falschen König“ (falsche Prophet, Off 19,20; 20,10; vgl. Joh 5,43) am Ölberg und in seiner Umgebung hingerichtet werden (Sach 14). Dazu muss auch der Assyrer (Syrien, Türkei, Irak, Iran usw.) an demselben Ort überwunden werden (vgl. auch Jes 31,4-8). Und Russland, das hinter diesem Assyrer steht, wird durch seine Macht zu einem solchen Hochmut verleitet, dass es sich erdreisten wird, sogar nach Beginn des Tausendjährigen Reiches gegen Christus anzutreten (Hes 38.39).
    Es muss also niemanden verwundern, was jetzt um die Ukraine passiert. Das macht dieses Vorgehen nicht richtig und Satan weiß auch nicht, inwiefern er mit dieser Aggression den Plänen Gottes dient. Zugleich wissen wir nicht, wie viele Schritte noch in diese oder jene Richtung laufen werden, womöglich hin und her, bis diese Erde für das zweite Kommen des Sohnes des Menschen (in Macht und Herrlichkeit) wirklich vorbereitet ist. Aber alles dient letztendlich dem Ratschluss Gottes.
  1. Interessant ist, dass im Leitartikel des Herausgebers einer großen Tageszeitung am Samstag stand: „Europa muss Atommacht werden“ Das, was bis vor Kurzem noch undenkbar erschien, wird jetzt öffentlich in Deutschland diskutiert. Und genauso wird es kommen. Denn das neue Europa ist das alte Römische Reich. Es wird eine politische und militärische Weltmacht sein. Das ist – aktuell – ohne Atomkraft undenkbar. Europa wird auf einer Stufe mit Russland stehen – das ist zwar heute ökonomisch gegeben, bei weitem aber nicht militärisch. Das wird sich ändern.
  2. Wir warten nicht in erster Linie auf diesen Augenblick, auch wenn wir uns über die Erscheinung des Herrn Jesus Christus sehr freuen (2. Tim 4,8). Wir warten auf die Entrückung! Wir sind himmlische Christen, die schon heute zum Himmel gehören, weil Christus im Himmel ist. Das Bewusstsein, dass Er wiederkommen wird, bewahrt uns darin, ein wirklich himmlisches Christentum zu führen.
  3. Gott benutzt diese Entwicklungen auf der Erde, die heute vor der Entrückung stattfinden, um auch uns innerlich zu formen. Setzen wir auf Regierungen oder auf Gott? Er will uns dazu bringen, einen klaren Blick zu bewahren, wer hinter den Aktionen dieser Erde steht: der Feind. Und wer über allem steht: Gott selbst. Er möchte, dass wir unsere Zuflucht nicht auf Menschen und menschliche Staatsgewalten setzen, mögen sie noch so „gut“ erscheinen auf den ersten Blick, sondern dass wir durch Gottesfurcht und Gehorsam ihm gegenüber geprägt sind. Er zeigt uns, dass es keine „guten“ oder „bösen“ Regierungen gibt, obwohl sie alle teilweise Richtiges und teilweise direkt Böses tun. „Gut“ ist einer: Gott (Mk 10,18).
  4. Auch wenn Exekutivgewalten wie Nero Christen unterdrücken und schädigen wollen, sind wir als Erlöste nicht aufgerufen, dagegen zu demonstrieren (sei es gegen Krieg oder auch gegen Gesundheitsmaßnahmen!). Wir sollen den Regenten schlicht gehorchen. Das aber heißt nicht, dass wir unsere Urteilskraft über die (Un-)Moral und Gewalt dieser Regierungen aufgeben sollten. Paulus wusste, was hinter dem römischen Kaiser stand. Und doch war er ihm gehorsam, soweit er damit nicht Gott ungehorsam sein musste. Das wollen auch wir weiter so handhaben.
    „Ehrt den König“ (1. Pet 2,17) heißt also nicht, das gut zu nennen, was er böse entscheidet. Doch es bedeutet, sich ihm unterzuordnen (Röm 13; Tit 3) und ihn nicht zu lästern (Jud 8). Wer sich über den Teufel lustig macht, wird auch seine Werkzeuge unterschätzen. Noch sind diese nicht von ihm inspiriert, wie das der römische Kaiser und der Antichrist sein werden (Off 13). Aber als der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams (Eph 2,2), sollte man weder ihn noch seine Instrumente verharmlosen.
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Artikelreihe: Russland, die Ukraine und Europa

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