Nahas und Jabes 1 (1. Sam 11)

Lesezeit: 5 Min.

Philippe Laügt

Dem Kampf aus dem Weg gehen führt zu Schwäche und Urteilsverlust

Jabes' erster Gedanke ist, dem Feind Zugeständnisse zu machen, um nicht kämpfen zu müssen. Ist es nicht das, was uns so oft auszeichnet? Unsere Hände sind träge, wir sind durch unsere eigene Schuld wenig oder schlecht gerüstet für den Kampf und wir schrecken zurück vor den heiligen Schlachten Gottes, den Kämpfen im Blick auf die Sünde, dem Kampf für die Wahrheit, dem Kampf gegen die geistliche Macht der Bosheit in den himmlischen Örtern. Wir geben sogar vor, deshalb nicht zu kämpfen, weil wir dem Frieden nachjagen wollen. Und an und für sich ist es richtig, Frieden zu suchen. Aber wir vergessen, dass mit einem Gegner, der niemals aufgibt, kein Frieden möglich sein kann. Zudem ist ein Friede, der auf Zugeständnissen dem Feind gegenüber beruht, niemals ein Friede, der in Übereinstimmung mit Gott ist. Sein Friede ist untrennbar mit Heiligkeit, Wahrheit und Liebe verbunden. Wenn der Widersacher bereit ist, „einen Bund mit uns zu schließen“ und uns einen Waffenstillstand zu gewähren, dann dadurch, dass er die Bedingungen bestimmt. „Wenn ich euch allen das rechte Auge aussteche und damit eine Schmach auf ganz Israel lege“ (V. 2). Genau das ist das Ergebnis der Zugeständnisse, die wir in unserem Verlangen nach Frieden machen müssen: Sie berauben uns fast des gesamten geistlichen Unterscheidungsvermögens. Und es ist eine Schande für das gesamte Volk Gottes.

Liegt nicht gerade darin das Geheimnis vieler Fehler, vieler Schwächen in unserem persönlichen Leben und im Leben der Versammlungen? Wie können wir dann überrascht sein, wenn der Niedergang schnell voranschreitet und der Ruin des Zeugnisses immer deutlicher wird? Könnte es anders sein, wenn die Unterscheidung zwischen Gut und Böse in so vielen Umständen fehlt?

Jabes sucht Hilfe bei Menschen

Geraten die Männer von Jabes, die einen solchen Vorschlag hören, in Empörung und werden von heiligem Zorn ergriffen? Wenden sie sich an den Herrn, um seine Führung und Hilfe im Kampf zu erhalten? Nein. Sie bitten nur um einen Aufschub von sieben Tagen, der es ihnen ermöglicht, Boten an alle Enden Israels zu senden, um einen Retter zu suchen. Wenn sie niemanden finden, werden sie die Bedingungen von Nahas akzeptieren!

Spricht das nicht unsere Gewissen an? Selbst wenn wir die Schwere und die Folgen dessen, was der Widersacher uns anbietet, erkennen, neigen wir leicht dazu, Hilfe „in allen Grenzen Israels“ zu suchen, anstatt auf Den zu schauen, der „unsere Zuflucht und unsere Stärke ist, eine Hilfe, reichlich gefunden in Drangsalen“ (Ps 46,1). Wir suchen die menschliche Hilfe, den Arm des Fleisches, anstatt in der Ausübung des Glaubens auf die Führung und Befreiung von Ihm zu warten, der allein uns helfen kann und der die Erwartung des Glaubens nie enttäuscht.

 

Leslie McIntosh Grant

Ein Kompromiss mit Satan

Die erste Bewährungsprobe für Sauls Tüchtigkeit wird von Nahas, dem Ammoniter, gestellt. Sein Name bedeutet „Schlange“ und Ammon „volkstümlich“. Dieser zweite Ausdruck erinnert uns an den Humanismus, der alles auf den Menschen bezieht und Gott außen vor lässt. Die „Schlange“ ist ihr König, so dass Ammon für diejenigen steht, die heute von einer allgemeine Lehre des Feindes geprägt sind. Sie lagern gegen Jabes-Gilead, was „trockener Haufen des Zeugnisses“ bedeutet. Wenn das Zeugnis der Gläubigen zu versiegen beginnt, findet Satan Angriffspunkte. Die Männer von Jabes-Gilead zeigen sich in ihrer Angst so schwach, dass sie einen Kompromiss in Form eines Bündnisses anbieten.

Aber was beinhaltet ein Kompromiss mit Satan? Nahas stellt die grausame Bedingung, dass er ihnen das rechte Auge ausreißen darf. Wenn wir davon ausgehen, dass dies für jeden Mann von Jabes-Gilead gilt, wäre die Aussicht in der Tat furchtbar. Aber der buchstäbliche Verlust eines Auges ist gering im Vergleich zu der geistlichen Bedeutung eines solchen Verlustes.

Nahas‘ Forderung, die Augen der Männer Israels auszureißen, mag uns an Matthäus 6,22 erinnern: "Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.“ Hier ist nur von einem Auge die Rede, obwohl wir doch zwei Augen haben. Das Auge lässt das Licht herein, das vorbildlich für das Verständnis steht. Mit welchen Mitteln erkennen und verstehen wir? Ein Mittel ist der Verstand, das einzige, das der Ungläubige benutzt. Aber das rechte Auge symbolisiert das Prinzip des Glaubens, mit dem der Gläubige versteht, was der Ungläubige nicht sehen kann und völlig übersieht (vgl. Heb 11,3 und 1 Kor 2,14.15).

Um die Lehre des Widersachers anzunehmen, muss man sich praktischerweise das rechte Auge ausreißen lassen. Wenn wir uns mit der ammonitischen Welt verbünden wollen, werden sie von uns verlangen, den Glauben als Mittel zum Verstehen der Wahrheit aufzugeben. Wie Satan sehr wohl weiß, läuft dies am Ende darauf hinaus, Gott selbst zu verwerfen, auch wenn die Anhänger dieses Bösen vielleicht in hochtrabender Weise ebenfalls von Gott sprechen, dabei aber etwas anderes meinen als den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.

 

Arno Clemens Gaebelein

Die Bedingung des Feindes

Nahas, der Ammoniter, schlug sein Kriegslager gegen Jabes in Gilead auf. Nahas bedeutet Schlange. Diese Invasion ereignete sich, bevor Saul zum König gemacht worden war. In Kapitel 12,12 erfahren wir, dass es in Wirklichkeit für Israel der Anlass war, einen König zu  verlangen. Die Bewohner von Jabes boten voller Verzweiflung dem alten Feind Israels, gegen den Jephta so erfolgreich gefochten hatte, einen Bund an. Ammon repräsentiert im Bild den Feind des Volkes Gottes, charakterisiert durch gottlose Lehren und Verdrehungen der Wahrheit Gottes. Wie oft werden aufgrund feiner Irrtümer Kompromisse geschlossen, Irrtümer, die von Nahas, der Schlange, ausgehen! Aber er stellt seine Bedingung: Alle ihre rechten Augen müssen ausgestochen werden. Wir sprechen vom Auge des Glaubens und dürfen dieses Bild hier anwenden. Alle Irrtümer und falschen Lehren blenden die Augen des Glaubens und berauben das Volk Gottes des Blickes für die Wahrheit.

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