Für Jesus Christus entscheiden – nicht entschieden werden

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Allgemein akzeptiert: der Ruf nach vorne

Es ist heute modern, ja fast gar nicht mehr anders anzutreffen bei Evangeliumsveranstaltungen: Am Ende der Verkündigung werden diejenigen, die sich für Jesus Christus entscheiden wollen, nach vorne gebeten, um dann dem Verkündiger ein Übergabegebet nachzusprechen, durch das man sich - so heißt es - bekehrt. Wir hatten schon Anfang der vergangenen Woche auf diese Praxis bei ProChrist hingewiesen, wobei es heute kaum noch christliche Evangeliumsevents ohne dieses Vorgehen gibt.

Als theologische Begründung für den „Ruf nach vorne“ wird heute darauf verwiesen, dass die Bibel lehre, man müsse auch öffentlich zu dem stehen, was man glaube. Man verweist dann zum Beispiel auf folgenden Vers: „Wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst“ (Römerbrief, Kapitel 10, Vers 9).

Was heißt denn „bekennen“?

Aber ist damit wirklich gemeint, nach einer Evangeliumsveranstaltung nach vorne zu marschieren, um mit - oftmals vielen - anderen ein Übergabegebet nachzusprechen? Es geht doch vor allem darum, in einer Umgebung, die meinen Glauben nicht akzeptiert, zu diesem zu stehen. Bei Veranstaltungen wie ProChrist beispielsweise fällt es relativ leicht, sich zum Glauben zu bekennen. Da gibt es eine christliche Atmosphäre. Das kann also in Römer 10 sicher nicht gemeint sein. Aber in der Nachbarschaft, die ungläubig ist. In der Familie, die vielleicht den Herrn Jesus Christus ablehnt. Am Arbeitsplatz, wo man zu einem religiösen Spinner gestempelt wird: Da sich zu Jesus Christus zu bekennen, das ist wirklich ein echtes Bekenntnis. Dazu gehört eine Menge Mut.

Hinzu kommt, dass wir heutzutage wissen, dass es gruppendynamische Prozesse gibt. Es ist sicher nicht von ungefähr, dass zum Beispiel bei Ulrich Parzanys Aufruf bei ProChrist, nach vorne zu kommen, auf einmal Musik gespielt wird. Dadurch werden die Gefühle angesprochen. Und unter dem gefühlsmäßigen Eindruck, dass der Prediger mich getroffen hat und dass jetzt eine Entscheidung von mir verlangt wird - und das kann ein absolut ehrlicher Eindruck sein - geht man nach vorne.

Gefühlsmäßige Entscheidungen können sehr trügen

Vergessen wir aber nicht die Warnung, die der Herr Jesus selbst ausspricht, als Er das Gleichnis vom Sämann sprach: „Der aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden aufnimmt; er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur für eine Zeit; wenn nun Drangsal entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich Anstoß“ (Matthäusevangelium, Kapitel 13, Verse 20 und 21).

Genau das ist die Erfahrung mit diesen „nach vorne Gehenden“. Im Endeffekt wundert man sich, wie wenige davon wirklich in eine örtliche Gemeinde gehen. Warum? Weil gefühlsmäßige Entscheidungen getroffen wurden, die nicht wirklich Entscheidungen des Herzens, des Lebens waren. Oftmals jedenfalls. Denn eine Entscheidung wird nicht mit dem Gefühl, sondern mit dem Willen, mit dem Herzen getroffen. Und daran hapert es oft.

Predige das Wort

Warum? Weil so wenig auf das geachtet wird, was Gott selbst in seinem Wort gesagt hat. Paulus sagt seinem jüngeren Freund Timotheus - gerade für die letzten Tage: „Predige das Wort“ (2. Timotheus, Kapitel 4, Vers 2). Warum haben wir so wenig Vertrauen zu Gott, dass Er selbst durch den Heiligen Geist in dem Herzen der Zuhörer einer evangelistischen Botschaft wirkt und die Bekehrung bewirkt. Unserer Dazutun, unsere vermeintlich guten Hilfsmittel wie Musik, Suggestion durch Musik, weich eingesetzte Stimme, das Gehen vom Standpult zu den Menschen mit beweglichem Mikrophon, das Lichtkreuz, usw. sind gut gemeint. Aber sie verkennen einen Makel: Sie behindern das Wirken Gottes selbst.

Wir Christen sollen das Wort predigen. Und wir sollen die Menschen auch nicht im Stich lassen. Aber Gott wirkt. Und nicht der Mensch, sondern das Wort Gottes, das Wort allein, bewirkt die Umkehr eines Menschen: „Ihr seid nicht wiedergeboren aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“ (1. Petrusbrief, Kapitel 1, Vers 23).

Nachgesprochenes Gebet?

Abgesehen davon: Ist ein rein nachgesprochenes Gebet wirklich eine eigene Willensentscheidung? Ist das die Bekehrung eines Menschen? Vielleicht das eine oder andere Mal. Oftmals sicher nicht! Und dann hat man Menschen dramatisch fehlgeleitet, denen man nach dem Ruf nach vorne auch noch die Zusicherung zuspricht, sie seien erlöst. Und in Wirklichkeit sind sie nach wie vor in der Finsternis, ohne Gott! Zwar innerlich angesprochen, aber ohne echte Buße - das heißt innere Sinnesveränderung, Umkehr im Herzen - und ohne ein wirkliches Sündenbekenntnis. Welch ein Trugschluss kann daraus hervorkommen!

Aber bis heute gilt: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus“ (Apostelgeschichte, Kapitel 16, Vers 31).

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