Wunder – Entdeckungen eines Skeptikers (Autor: Eric Metaxas) – eine Buchbesprechung

Lesezeit: 9 Min.

Bereits 2015 wurde das Buch Miracles von Eric Metaxas ins Deutsche übersetzt. Dieses umfangreiche Buch (391 Seiten) wurde bei SCM herausgegeben. Es kostete ursprünglich 24,95 Euro, ist allerdings bereits seit einiger Zeit vergriffen und aktuell nur secondhand verfügbar.

Das Buch liest sich gut und flüssig, ist sehr gut gesetzt und lektoriert worden. Nach einleitenden positiven (Marketing-)„Stimmen" zum Buch aus Deutschland und anderen Ländern von Personen, die das Buch wärmstens empfehlen, und zwei Vorworten eines Theologen und eines Schriftstellers und Journalisten aus dem 19./20. Jahrhundert gliedert sich das Buch in zwei große Teile:

  1. Die Frage nach Wundern: eine lehrmäßige Grundlage (S. 27–149): Ist es überhaupt biblisch, an Wunder zu glauben? Wie ist das Verhältnis von Wundern zu Wissenschaft? Was sagt Gottes Wort über Wunder?
  2. Wunderberichte (S: 153–378): In diesem abschließenden Teil zählt der Autor eine große Anzahl an Wundern auf, die er selbst oder Personen, die er gut kennt und deren Berichten er daher vertraut, erlebt hat/haben.

Inhalt Teil 1

Der „theoretische“ Teil soll die Grundlage für dieses Buch legen. Gerade für einen Skeptiker, für den sich Eric Metaxas mit einem streng materialistischen Weltbild ursprünglich hält, bedurfte es offenbar einer Zeit, um Wunder als Möglichkeit im Leben zu akzeptieren.

Metaxas definiert Wunder nach dem Duden als „außergewöhnliches, den Naturgesetzen oder aller Erfahrung widersprechendes und deshalb der unmittelbaren Einwirkung einer göttlichen Macht oder übernatürlichen Kräften zugeschriebenes Geschehen“ bzw. nach C. S. Lewis als einzigartiges Geschehen, das eine Gesetzmäßigkeit durchbricht, die so selbstverständlich ist, dass wir uns kaum vorstellen können, dass sie je durchbrochen würden (S. 35).

Bewertung: Beeindruckend

Das, was Metaxas in diesem Teil schreibt und offenlegt, ist in vielen Bereichen äußerst beeindruckend. Die Vergleiche, die er zieht, um zu zeigen, wie einzigartig und wirklich wunderbar das Erschaffen des Leben, des Menschen, des gesamten Universums ist, sind großartig. Auch wenn ich selbst kein Naturwissenschaftler bin und daher nur auf einen ersten und zweiten Blick gegenchecken kann, ob diese Vergleiche zutreffend sind, scheinen mir diese Kapitel nicht nur lesenswert zu sein, sondern sie führen zur Anbetung unseres Schöpfers. Wo man hinschaut, kann man in dieser Hinsicht viele Wunder erblicken.

Auch die Wunder, die der Herr während seines Lebens vollbracht hat, führen uns dazu, neu beeindruckt zu sein. Nicht zuletzt seine Auferstehung, die vielfach in Gottes Wort bezeugt ist, und zwar durch eine große Zahl an Zeugen, die damals alle der Lüge überführt worden wären, wenn es anders gewesen sein sollte, ist ein gewaltiges Wunder. Der Hinweis, dass ein Historiker oder Jurist nicht Frauen, sondern ausschließlich Männer angeführt hat, unterstreicht die Glaubwürdigkeit dieser Berichte.

Kritik

In diesem Teil möchte ich nur kurze kritische Anmerkungen machen. Metaxas meint, dass die Wunder, die zu Selig- und Heiligungssprechungen in der römisch-katholischen Kirche geführt haben, seiner Definition von Wundern entsprechen (S. 35). Da in Gottes Augen alle Gläubigen Heilige sind und diese Wunder mehr als zweifelhaft sind – oft herbeigesucht durch zweifelhafte Zeugen, um jemand heiligsprechen zu können –, wird ein nüchterner Beurteiler zu einer anderen Sicht kommen.

Es sind auch durchaus nicht alle „Wunder“ zugleich „Zeichen“, wie der Autor schreibt (S. 108). Wir sollten zudem nicht übersehen, dass der Tod zwar ein besiegter Feind ist, aber noch immer mächtig ist und wirkt (S. 128).

Was die Person des Herrn betrifft, sollten wir uns gedanklich und in unserer Ausdruckweise möglichst nahe an Gottes Wort halten! Gott schreibt nirgendwo, dass der Herr durch Blutverlust nicht in der Lage gewesen wäre, sein Kreuz zu tragen (S. 143). Auch ist es nicht wahr, dass sich die Jünger mit dem römischen Weltreich anlegten (S. 148). Zudem übersieht Metaxas, dass die Bekehrung von Paulus durchaus nicht „klassisch“ war (S. 167). Der Apostel Paulus schreibt darüber eindrücklich in Galater 1, auch Lukas in der Apostelgeschichte.

Inhalt Teil 2

Damit sind wir schon im zweiten Teil angelangt. Hier erzählt Eric Metaxas eine Vielzahl an Wundern, die er selbst und solche, die er gut kennt, erlebt haben. Zunächst erweckt dieser Hinweis Vertrauen. Denn es wird heute viel von Wundern gesprochen. Da ist es gut, wenn man diejenigen kennt, die solche Wunder erzählen, damit sie glaubwürdig sind.

Metaxas unterscheidet Wunder, die zur Hinwendung zu Gott führen (Bekehrung und Wiederbelebung), Heilungswunder, Wunder einer inneren Heilung von zum Beispiel durch Traumata betroffene Menschen, Engelerscheinungen und Wunder, die mit der Ewigkeit in Verbindung stehen.

Bewertung: Unbrauchbar und irreführend

Hätte Eric Metaxas doch sein Buch auf Teil 1 beschränkt, so hätte man es empfehlen können! Leider aber umfasst dieser zweite Teil sogar noch mehr Seiten als der erste. Dieser Schlussteil ist nicht nur unbrauchbar, sondern entspricht der typischen Irreführung von Christen durch pfingstlerisch-charismatische Vorstellungen und Erzählungen. Wie viele lechzen heute nach Wundern! Sie kommen in diesem Buch auf ihre Kosten.

Und ja, Gott tut auch heute noch viele Wunder. Jede neue Geburt ist ein Wunder. Und es gibt auch Situationen, wo Gott eingreift, ohne dass wir das erklären können, wo auf einmal beispielsweise ein Tumor in einem Organ eines Menschen von heute auf morgen verschwunden ist.

Von diesen Wundern aber spricht der Autor nur am Rande. Seine sogenannten Wunder sind zum größten Teil Ergebnis der Vorstellungswelt von Pfingstgemeinden. Mystische und sonstige Elemente tun leider das Ihre … Ich könnte jetzt sehr viele einzelne Punkte nennen. Ich beschränke mich auf die folgenden:

  • Dabei beginne ich bewusst mit dem positiven Element: Ab Seite 167 zeigt Metaxas auf, dass jede Bekehrung ein Wunder Gottes ist. Dem kann man nur beipflichten.
  • Seite 175: Ed saß in der vierten Reihe und hörte den Ausführungen der Lehrerin zu … „Plötzlich spürte er etwas wie ein mächtige Welle, die ihn überspülte. Sofort wusste er: Das war Gott, der ihn dazu berief, ihm zu dienen.“ – Das steht im Widerspruch zu Berufungsgeschichten in Gottes Wort. Von Wellen ist nie die Rede. Vielmehr werden wir zu Nüchternheit aufgerufen.
  • Seite 176: „Er dachte weiter an Gott – und dann spürte er plötzlich eine solch starke Gegenwart in seinem Zimmer, dass er wie gelähmt war. Er konnte kaum noch atmen, doch wusste er genau: Das war Gott.“ – Wir können nach Gottes Wort sagen: Das hatte nichts mit Gott zu tun. Gott spricht durch sein Wort, nicht durch derartige Erscheinungen.
  • Seite 189: Der Traum von einem goldenen Fisch bedeutet, dass Ichthys – Jesus Christus, Gottes Sohn und mein Erlöser – mir begegnete. Später sprach der „Träumende“ (Metaxas) vor etlichen Zuhörern von seinem Traum und wundert sich, dass er am nächsten Morgen eine Mail in seinem Postkorb vorfindet, wo jemand auf einmal auch geträumt hat „und Gott tatsächlich in einem Traum zu diesem Studenten gesprochen hatte“ (S. 191). – Wo finden wir im Neuen Testament derartige Belehrungen?
  • Seite 193: Eine ungläubige Frau fällt vor einer Jesus-Staute auf ihre Knie und bekommt eine Vision (hört etwas wie eine Stimme in ihrem inneren). „Es war kein Hokuspokus-Erlebnis, bei dem alles neblig und vage bleibt.“ Jesus hatte sich ihr angeblich offenbart. – Das, was diese Frau getan hat, war Götzendienst. Auf diese Weise entfernen wir uns von Gott und Christus. Mit Offenbarung von Gott hat dies nichts zu tun.
  • Seite 194: Diese Frau sagt dann später – nachdem sie eine ähnliche Geschichte bei dem vielfach gelesenen und gerade im christlichen Bereich weit verbreiteten C. S. Lewis gelesen hat – in Verbindung mit ihrer Vision und der von Lewis: „Das Problem ist: Der Himmel tut weh. Er ist zu wirklich. Die Besucher aus der Hölle können schier nicht auf dem Gras dort oben laufen, weil es wie Messerklingen in ihre Füße schneidet. Es braucht Zeit, um so wirklich zu werden, dass man den Himmel ertragen kann; es ist ein Prozess der entschlossenen Selbsterkenntnis und Reue, zu dem nur wenige bereit sind. Schlussendlich steigen die meisten der Touristen wieder in den Bus, der sie zurück in die Hölle bringt.“ – Die Schrift zeigt uns, wie schrecklich die Hölle ist. Aber sie schildert keine Besuche oder dergleichen (vgl. Lk 16). Wer einmal in der Hölle ist, kommt dort nicht mehr hinaus. Wir sollen vor der Hölle warnen und zu Christus einladen. Solche Visionen aber finden wir in der Schrift nicht.
  • Seite 202/203: Ein Übergabegebet wird mit jemand gesprochen, der sich gar nicht bekehrt (hat). Dieser spürt Gott und hat seine Mutter, die längst gestorben war, auf der Bühne gesehen. – Das hat mit den mystischen und okkulten Vorstellungen zu tun, die es in der römisch-katholischen Kirche und in charismatischen Kreisen gibt. Zudem sind diese Übergabegebete nicht in Gottes Wort zu finden.
  • Seite 206: Eine Mutter war körperlich krank (das Bein war gehandicapt). Sie betet: „Herr, ich schaff das heute mit den Kindern nicht, wenn du mich nicht heilst.“ Während sie das betete, „spürte sie diese Wärme in dem kranken Bein und es war auf der Stelle wieder gesund.“ – Das ist das Gegenteil von dem, was wir in Gottes Wort lesen. Dort finden wir, dass Gott Kraft zum Ausharren gibt in schwierigen Situation. Seine Kraft wird gerade in Schwachheit vollbracht. Und das in diesem Buch wiederkehrende Wärmegefühl bei einer Heilung kennt man aus charismatischen Kreisen, nicht aus Gottes Wort.
  • Seite 207: „Der Heilige Geist hat mir gesagt, dass ich mich gleich wieder okay fühlen werde, wenn du für mich betest.“ – So kennen wir Gottes Wirken nicht. Es ist ein Selbstzureden und Autosuggestion, hat aber mit Gottes Wirken nichts zu tun. Gottes Wirken ist zudem nicht von unseren Gebeten „abhängig“.
  • Seite 210: „Er wusste selbst nicht, wie er zu diesem Satz kam; später gelangte er zu dem Schluss, dass da wohl Gott selbst gesprochen habe.“ – Gott sagt dagegen: „Die Geistes der Propheten sind den Propheten untertan“ (1. Kor 14).
  • Seite 223: „Dann empfahl die Frau, die geheilt worden war, Lucy, mit einer Frau zu beten, die, so sagte sie, die ‚Gabe des Gebets um Heilung und Befreiung‘ hatte.“ – Hebräer 2 zeigt deutlich, dass schon damals die Wunderwirkungen der Vergangenheit angehörten. Heute erst recht.
  • Seite 230: „Plötzlich hatte er den Eindruck, Gott sage ihm, er werde einundzwanzig Tage nach seinem Schlaganfall geheilt.“ – Das ist mystische und charismatische Spekulation und ohne Grundlage in Gottes Wort.
  • Seite 233: Um Segen zu empfangen (Wunderheilung), musste man oben auf dem Podium stehen, in der Nähe des Heilungspastors. – Über die „Vergangenheit“ der Wunderheilungen haben wir schon gesprochen. Als ob die Nähe zu einem Pastor nötig wäre, um geheilt zu werden. Der Herr musste gerade nicht zu dem Hauptmann gehen, um seinen Knecht zu heilen. Gerade so etwas (Nähe) ist das Heischen nach sichtbaren Wundern – etwas typisch Jüdisches.
  • Seite 296 ff.: Hier ist von einer „Engelin“ die Rede, die den Gläubigen geholfen habe. In Gottes Wort lesen wir von Engeln. Nie aber finden wir einen Hinweis darauf, dass Engel die Gestalt einer Frau angenommen hätten.
  • Seite 354 ff.: Auch in diesem Buch werden die sogenannten Nahtoderfahrungen als Wunder bezeichnet, bei denen Menschen zwischendurch im Himmel gelandet wären. Wir wissen, dass dies nicht wahr ist (siehe entsprechende Buchbesprechungen dazu). Ein Beispiel, warum diese Nahtoderfahrung als Himmelserfahrung schlicht Unfug ist: Der „Nahtote“ sah im Himmel (in der außer Christus, dem verherrlichten Menschen, nur Seelen zu „sehen“ sind, eine Wiese, eine Vogelscheuche, die zu ihm selbst wurde mit Levis-Jeans usw. Das alles hat mit dem Himmel nichts (!) zu tun.

Zusammenfassung

Das sind – wie gesagt – nur ein paar wenige Punkte, die offenbaren, dass die meisten der im Buch geschilderten „Wunder“ mystischer, spekulativer, charismatischer, zum Teil womöglich okkulter Herkunft sind.

Leider stillt ein solches Buch die tiefe Sehnsucht vieler Menschen und auch Gläubiger nach Wunderbarem, Außergewöhnlichem, Außerirdischem. Man ist nicht mehr mit der einfachen Kost des Wortes Gottes zufrieden. Es genügt nicht mehr, dass der Herr uns an einem Tag einfach bewahrt hat – wirklich jeden Tag aufs Neue ein Wunder. Es müssen „besondere“ Gebetserfahrungen sein, es müssen „außergewöhnliche“ Erlebnisse sein, es muss eine so wunderbare Führung Gottes sein, dass alle beeindruckt sind. Gott tut auch heute noch Großes, aber oft ganz anders, als wir es in unseren Gefühlen und Emotionen wünschen.

Dieses Buch führt daher auf eine verkehrte Spur. Es enthält im ersten Teil die Stimme des guten Hirten und führt im zweiten Teil zu Erfahrungen, die im besten Fall irdisch-sinnlich sind, zum Teil aber bis in den okkulten Bereich hineinführen.

Daher kann bzw. muss man vor der Lektüre dieses Buches warnen. Mir ist klar, dass solch eine Warnung dazu führen könnte, dass manche erst recht angezogen werden von diesem Außerirdischen. Wer das freiwillig tut, geht einen sehr gefährlichen Weg. Wir wollen lieber bei Gottes Wort und der Stimme des guten Hirten bleiben. Da sind wir sicher!

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