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Ein Knecht hatte eine unfassbar große Schuld bei seinem Herrn und bekam diese durch die Barmherzigkeit dieses Herrn erlassen. Ein anderer Knecht hatte nun bei ihm selbst eine viel geringere Schuld. Aber er war nicht bereit, diese zu erlassen. Der Herr und König stellt dem ersten Knecht sein ganzes Versagen vor. Er muss ihn „böser Knecht“ nennen. Denn seine Bosheit ist durch sein Verhalten deutlich geworden. Er selbst hatte so viel Erbarmen erwiesen bekommen. Hätte er dann nicht auch ein kleines bisschen Erbarmen zeigen sollen?

Der Herr straft jetzt den ersten Knecht und überliefert ihn den Peinigern, bis die ganze Schuld bezahlt wäre. Das war unmöglich. Aber Gott handelt mit seinen Knechten entsprechend ihrem Verhalten. Das macht deutlich, dass es hier nicht um die Vergebung unserer Schuld in Bezug auf die Ewigkeit geht. Die Vergebung unserer Schuld hängt, was die Frage von Himmel und Hölle betrifft, nie von unserem eigenen Verhalten ab (vgl. die Erklärungen zu Mt 6,14.15). Sie ist ein Geschenk Gottes an den Menschen, der es annehmen will. Wenn man das nicht erkennt, käme man auch hier zu ganz falschen Vorstellungen, als ob man das Heil in Christus doch wieder verlieren könnte. Nein, das ist unmöglich: Ewiges Leben wird nicht zu einer vorübergehenden Gabe, sondern bleibt ewiges Leben (vgl. auch Joh 10,28-30).

Aber in seiner Regierung handelt der Vater mit den Jüngern entsprechend ihrem Verhalten. „So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.“ Wenn wir nicht vergebungsbereit sind, wird auch unser Vater uns nicht vergeben, das heißt, wir werden hier auf der Erde kein glückliches Leben führen können. Denn es ist keine praktische Gemeinschaft zwischen uns und dem Vater möglich, wenn wir nicht in Übereinstimmung mit seinen Gedanken anderen vergeben. Das muss uns innerlich unglücklich machen.

Wir lernen in unserem Gleichnis also den Maßstab für unsere Vergebungsbereitschaft kennen: Wir sollen vergeben, wie Gott uns vergeben hat. Das ist direkt eine neutestamentliche Lehre: „Einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat gegen den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr“ (Kol 3,13). „Seid aber zueinander gütig, mitleidig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat“ (Eph 4,32).

So sehen wir, dass die Atmosphäre des Reiches nicht äußere Macht ist, sondern innere Demut. In dieser Gesinnung ist man in Gemeinschaft mit dem Vater im Himmel. Jemand, der die Gnade Gottes erfahren hat, wird vom Geist der Gnade geprägt. Er liebt die Kleinen; er vergibt denen, die ihm Unrecht tun; er ist in der Nähe des Vaters und Ihm ähnlich in seinem Handeln. Derselbe Geist der Gnade herrscht sowohl in der Versammlung als auch im Einzelnen, im Königreich genauso wie in der Versammlung.

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