Die Doppeldrachmen-Steuer

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Wir finden in diesem Abschnitt ein weiteres Beispiel dafür, dass sich seine Ankläger nicht direkt an den Herrn wandten, sondern seine Jünger angingen (vgl. z.B. Mt 9,11; 15,12). Bei ihnen vermuteten sie - zu Recht -, leichteres Spiel zu haben. In diesem Fall gehen die Einnehmer der Doppeldrachmen zu Petrus. Bezeichnend ist auch, dass sie ihn nicht fragten, ob er selbst die Steuer bezahlt hätte - denn das hatte er offenbar nicht, weil der Herr später sagt: „... gib ihnen für mich und dich." Sie hatten es lediglich auf den Herrn Jesus abgesehen! Das zeigt ihre Unredlichkeit in dieser Sache.

Man fragt sich zunächst, was es mit dieser Doppeldrachme auf sich hat. Aus 2. Mose 30,11-16 wissen wir, dass bei Volkszählungen (Vers 12) eine Sühnabgabe von einem halben Seke 1zu leisten war. Dieses Sühngeld war jedoch nie als eine zu wiederholende Abgabe gedacht.

Diese Zusatzabgabe wurde offenbar zur Zeit Nehemias erhoben: „Und wir verpflichteten uns dazu, uns den dritten Teil eines Sekels im Jahr für den Dienst des Hauses unsers Gottes aufzuerlegen: für das Schichtbrot und das beständige Speisopfer und für das beständige Brandopfer und für das der Sabbate und der Neumonde, für die Feste und für die heiligen Dinge und für die Sündopfer, um Sühnung zu tun für Israel, und für alles Werk des Hauses unsers Gottes" (Neh 10,33.34).

Interessanterweise finden wir schon in 2. Chronika 24,6 unter der Regierung des gottesfürchtigen Königs Joas einen Hinweis auf eine solche Tempelabgabe: „Da rief der König Jojada, das Haupt, und sprach zu ihm: Warum hast du die Leviten nicht aufgefordert, aus Juda und Jerusalem die Steuer einzubringen, die Mose, der Knecht des Herrn, der Versammlung Israels für das Zelt des Zeugnisses auferlegt hat?" Eigenartig ist dies insofern, als wir in 2. Mose 30,16, worauf sich Joas offenbar bezieht, keinen Hinweis auf eine wiederholte Abgabe finden.

Wahrscheinlich hat sich diese zusätzliche Abgabe dann später eingebürgert, so dass Nehemia darauf Bezug nehmen konnte, dann auch die Verantwortlichen für den Tempel zur Zeit Jesu. Gott hatte diese Steuer nicht eingeführt, hat sie dann aber geduldet. So wendet sich der Herr Jesus hier auch nicht gegen diese Steuer als solche, sondern dagegen, dass sie von Ihm gefordert wird. Nach jüdischer Tradition wurde dieser Steuer am Ende des Monats Adar (vgl. Esra 6,15; Est 3,7; ungefähr März) erhoben, offensichtlich aber ging es hierbei um eine Tempelsteuer, die jeder Israelit ab Vollendung des 20. Lebensjahrs zu zahlen hatte, um den Erhalt des Tempels zu gewährleisten. Nur die Priester erhoben den Anspruch, von dieser Steuer ausgenommen zu sein, weil sie selbst für den Tempel „arbeiteten". Allerdings gab es Schriftgelehrte, die ihnen dieses Recht absprechen wollten.

Übrigens gibt diese Begebenheit durch den Bezug auf die Tempelsteuer einen gewissen Hinweis auf die Abfassungszeit des Evangeliums. Offensichtlich stand dieser Tempel noch und war auch diese Steuer für die Empfänger dieses Evangeliums noch aktuell. Wenn das so ist, müsste die Abfassung dieses Evangeliums vor der Zerstörung des Tempels erfolgt sein (vgl. auch Mt 5,23; 23,16 ff.; 24,1 ff.).


Fußnoten

  • 1 Eine Drachme, von der in unserem Text die Rede ist, war ¼ Sekel bzw. ¾ Denar, ein Doppeldrachme also ½ Sekel. Im Neuen Testament ist davon die Rede, dass der Tagesverdienst eines Arbeiters ein Denar war (vgl. Mt 20,2). Das heißt diese Jahresabgabe von einem Doppeldrachmen lag 1,5 Denar.
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