
Dieses Gleichnis kann man vielleicht in zweierlei Hinsicht verstehen.
1. In Matthäus 13,32 liest man, dass das Senfkorn kleiner ist als alle Samenkörner. Der Herr Jesus zeigt den Jüngern hier also, dass schon ein kleiner Glaube, wenn er aufrichtig und echt ist, ausreicht, um große Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Ein kleiner Glaube ist kein Kleinglaube, denn er ist echt. Kleinglaube ist zu beklagen, wenn man das, was man tun und glauben könnte, nicht tut, weil Sünde, Hochmut (das eigene Ich) oder Eigenwille im Weg steht.
Kleiner Glaube dagegen ist dann vorhanden, wenn man sich der eigenen Unfähigkeit bewusst ist und damit zu Gott kommt. Genau das tat der Vater des mondsüchtigen Kindes hier. Das aktive Vertrauen mag noch gering sein, aber man weiß, dass man selbst nichts ausrichten kann. Es ist möglich, dass man sich nicht einmal bewusst ist, dass der Herr alles zu tun vermag (vgl. Mk 9,22). Aber man kommt doch zum Herrn Jesus in der Haltung, dass nur Er überhaupt helfen kann (vgl. Mk 9,24). Das ist genau der Parallelbericht über die Heilung des Mondsüchtigen. Während aber Unglaube Kraft in sich selbst sucht oder durch Sünde gar nicht zu Gott aufschaut, zeichnet sich ein kleiner Glaube dadurch aus, dass man Gott in die Situation hineinbringt
2. Andererseits kann man auch daran denken, dass die Erwähnung des Senfkorns hier nicht notwendigerweise die geringe Größe des Glaubens angibt, sondern auch an eine weitere Eigenschaft des Senfs denken lässt. Es hat eine enorme Wuchskraft. In Kapitel 13 wird das unnatürliche Wachstum des Senfstrauchs betont. Dennoch wissen wir, dass der Schwarze Senf innerhalb eines Jahres bis zu zwei, manchmal sogar bis zu drei Metern hoch wachsen kann. Unter diesem Blickwinkel zeigt uns der Herr, dass der Glaube eine enorme Kraft entfalten kann. Er ist so stark, dass er sogar „Berge versetzen" kann. Voraussetzung ist, dass wir nicht auf uns sehen, sondern unser ganzes Vertrauen auf unseren Gott, unseren Vater, setzen.
Quelle: bibelpraxis.de/a3274.html