Ehen halten wieder „länger“

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Ehen halten wieder etwas länger, während die Zahl der Scheidungen tatsächlich etwas sinkt. Diese Entwicklung der letzten Jahre hat sich in Deutschland auch 2016 fortgesetzt. In Zahlen: Genau 162.397 Ehen wurden im Jahr 2016 geschieden. Das sind laut Statistischem Bundesamt (Wiesbaden) fast 1000 oder 0,6 % weniger als im Jahr davor. Eine Ehe wurde im Schnitt nach 15 Jahren geschieden, 2015 war es noch ein Monat weniger. Vor 15 Jahren waren die Werte noch dramatischer: 1991 hatten die geschiedenen Ehen im Durchschnitt nur knapp 12 Jahre Bestand. Wenn man bedenkt, dass der Scheidung noch Trennungsjahre vorausgehen, ist die „Haltbarkeit“ der Ehen noch kürzer. Mehr als die Hälfte der geschiedenen Paare hat minderjährige Kinder.

Die gute Nachricht ist, dass Ehepaare offenbar bereit sind, mehr Verantwortung füreinander und besonders für Kinder zu übernehmen. Andererseits aber sind 15 Jahre auch kein guter Wert. So zeigt sich einerseits die Sehnsucht nach Geborgenheit und Vertrauen, nach natürlicher Liebe, die aber andererseits nur eine kurze Halbwertzeit besitzt, weil oft die eigenen Interessen der Bereitschaft, auf den Ehepartner zuzugehen, entgegenstehen und offenbar vorgehen. Was für ein Elend für die Kinder, die doppelt leiden: Einerseits verlieren sie ein Elternteil (und werden durch Besuchsregelungen zwischen der einen und der anderen Seite hin- und hergeschoben). Andererseits müssen sie die psychischen Folgen des Streits und der Auseinandersetzung zwischen ihren Eltern schon vorher erleben und über sich ergehen lassen, ohne helfen zu können und eine positive Lösung zu erleben.

Unsere Zeit ist eben geprägt dadurch, dass „die Menschen selbstsüchtig sein werden“, „ohne natürliche Liebe, unversöhnlich“ usw. (2. Tim 3,2.3).

Was tun wir, wenn wir erleben, dass Christen in ihren Ehen in Schwierigkeiten geraten? Hoffen wir nur, es wird schon wieder? Beten wir wenigstens intensiv für solche Ehepaare, ganz konkret? Suchen wir Kontakt, um mitanzupacken und zu helfen? Oder suchen wir nur einen „Fachmann“, der sich um das alles kümmern soll? Wo sind die „Ältesten“, solche Gläubige, die am Ort einen Hirtendienst tun (sollten) und Paare wieder zusammenbringen? Durch Wegsehen ist noch keine Ehe gerettet worden. Wir sollten so etwas wieder mehr als „unsere“ Verantwortung begreifen.

Und wenn man in seiner Ehe betroffen ist? Sind wir dann solche, die den Egoismus, die persönliche Sicht zurückstellen, um auf den Partner zuzugehen und wieder neu Vertrauen zu schaffen? Wer auf seiner Position beharrt, hat den Ehepartner schon verloren. Und als Eltern werden wir von Gott auch dafür verantwortlich gemacht, dass wir unsere Kinder im Stich lassen. Unabhängig davon, ob wir Mütter oder Väter sind. Jeder von uns ist betroffen und verantwortlich.

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