Wegschauen - oder helfen?

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Es geht an dieser Stelle nicht um die Frage, ob der Staat seine Aufgabe erfüllt („zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lob derer, die Gutes tun“, 1. Petrus 2,14), Recht-staatlich zu sein. Es geht mehr darum, warum wir Menschen so begabt sind wegzuschauen. Und das gilt ja nicht nur für den Bereich unseres Lebens in der Gesellschaft. Auch da sind wir in diesem Sinn gefordert, unserer Verantwortung - zum Beispiel in einer solchen Situation, wenn wir mit ihr konfrontiert würden - gerecht zu werden. Hätten wir dem Opfer beigestanden?

Einander dienen

Auch in geistlicher Hinsicht gilt dieses Wort! „Durch die Liebe dient einander“ (Galater 5,13). Ich übergehe in diesem Augenblick etwas den Zusammenhang, in dem dieses Wort an die Galater gerichtet wird. Aber einander zu dienen bedeutet gerade das Gegenteil vom „Wegschauen“!

Nun leben wir in einer Zeit, in der auch Christen gerne die Tür hinter (oder vor) ihrem persönlichen, sogenannten privaten Leben zuschließen. Möglichst keiner soll dort hineinschauen. Es handelt sich schließlich um meinen persönlichen, privaten Bereich! Oder?

Gemeinsame Verantwortung heißt einander kennen

Nein, das ist eben nicht wahr. Wie können wir beispielsweise nach 1. Korinther 10 eine gemeinschaftliche Verantwortung praktizieren, wenn wir so gut wie gar nichts mehr von unseren Mitgeschwistern wissen, ja vielleicht nicht einmal wissen wollen. Dann brauchen wir auch eine solche Verantwortung nicht mehr hochzuhalten; sie wäre nicht wahr.

Aber auch dann, wenn wir zunächst einmal nichts gegen verschlossene Türen tun können - und natürlich sollen wir uns nicht in fremde Dinge einmischen (1. Petrus 4,15) - gibt es noch sehr viele Anzeichen, wenn sich das Glaubensleben eines Mitbruders oder einer Mitschwester in eine falsche Richtung zu neigen scheint. Natürlich müssen wir zunächst einmal über unser eigenes Leben wachen. Und damit hat wohl jeder von uns genug zu tun. Aber dann sollten wir nicht so tun, als ob jeder Christ ein isoliertes Leben führen soll.

Ein Leib - wir gehören zusammen

Gerade die Wahrheit, dass Gott uns als Christen zu einem einzigen Leib zusammengefügt hat, dass es nur ein einziges Haus gibt, zeigt uns, dass wir nicht nur füreinander Verantwortung haben, sondern dass wir einander auch dienen dürfen. Ja dass es eigentlich in dem neuen Leben liegt, einander zu dienen.

Wie oft haben wir bei unseren Geschwistern ein ungutes Gefühl gehabt. Wir haben uns gesagt: Eigentlich hätten wir mal hingehen sollen, helfen sollen aus einer schwierigen, vielleicht falschen Sache herauszukommen. Aber wir hatten nicht den Mut. Oder nicht die Zeit. Oder wir waren einfach zu faul. Und es mag noch viele andere Gründe geben.

Augen verschließen lädt uns Schuld auf

Wir wollen lernen, nicht die Augen zu verschließen. Wir wollen nicht immer sofort das Schlechte beim anderen vermuten. Das tut die Liebe nicht (1. Korinther 13). Aber wir wollen unsere Verantwortung mit Freuden wahrnehmen, einander zu dienen, zu helfen, aufzurichten, zu trösten, zu erbauen, zu ermuntern, zu ermutigen, zu warnen, zu ermahnen, zurechtzuweisen, zur Wiederherstellung zu führen.

Wir könnten mit Schuld sein an einem Fall, wenn wir hätten warnen können. Wir können ein Instrument in der Hand des Herrn werden, um vor einem Fall zu bewahren, vor einer großen Not vielleicht. Das ist der Wille des Herrn für uns alle.

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