Der wahre Charakter von Politik

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Zuweilen verdeckt die Politik für eine gewisse Zeit, wie sie wirklich ist. Manchmal könnte man fast meinen, dass sie doch nicht so schlimm ist, wie immer gesagt wird. Dabei wird leicht übersehen, dass die Politik seit dem Kreuz Christi der Versuch ist, die Welt, die unter dem Gerichtsurteil Gottes steht (Joh 16,8-11), nach eigenen Idealen zu formen. Wenn einmal Gläubige an der Macht sind – auch das haben wir sogar in unserem eigenen Land erlebt –, haben sie bessere Ziele, als wenn Ungläubige die Regenten sind. Da dieser zweite Fall wesentlich häufiger stattfindet, ist die Tendenz ohnehin deutlich. Aber nicht nur das: Selbst wenn Gläubige zu Personen der Obrigkeit werden, verändern sie den Charakter der Politik nicht.

Das wird sehr deutlich, wenn man sich den amerikanischen Wahlkampf des Jahres 2016 ansieht. Wie Donald Trump von den Republikanern und Hillary Clinton von den Demokraten auftreten, offenbart den Geist der Politik. Es geht nicht um Gott, es geht nicht um Christus (selbst wenn diese „Vokabeln“ selbst in diesem „dreckigen“ Wahlkampf auftauchen), sondern allein um das persönliche Ego und die eigene Macht. Dem muss sich alles andere unterordnen.

Nun fällt es nach all den Enthüllungen leicht, abschätzig und negativ über Donald Trump zu reden. All das Vulgäre, der Schmutz im Blick auf Eheverfehlungen und sexuelle Abartigkeiten macht jedem offenbar, was hier für ein Präsident antreten würde. So jemand kann sich sogar in dem oft so christlich eingeschätzten Amerika an die Spitze einer Partei und möglicherweise des Landes bringen. Das ist Politik. Das ist unsere Welt. Das ist Welt im deutlichen Sinn.

Und auf der anderen Seite? Ist Hillary Clinton dadurch eine andere Art von Politik, weil sie nicht durch ihre Triebe gesteuert wird, sondern durch ihren Kopf und Verstand? Das, was inzwischen im Blick auf ihre E-Mail-Affäre im Außenministerium und in manchen anderen Bereichen herausgekommen ist, die Lügen, die offensichtlich eine große Rolle im Politikverständnis erfolgreicher Parteienführer spielen, werden offensichtlich. Ist es besser, strategisch zu sündigen und in dieser Welt zu handeln als durch die Triebe? Nein, es ist viel schlimmer. Denn derjenige, der gezielt Lügen und Falsch- sowie Halbinformationen einsetzt, weiß, was er tut. Er tut es mit Konzept. Das ist viel schlimmer.

Wir unterliegen oft dem Fehlurteil, dass wir moralische Sünden schlimmer finden als strategisch-geistige Sünden. Das sieht man schon in der Beurteilung des Volkes Israel in Richter 17–21. Während die Unmoral in Jabes-Gilead (Ri 19) zu einem Aufschrei im ganzen Volk führte, holte die Einführung des Götzendienstes durch den Stamm Dan (Ri 18) überhaupt niemand hinter dem Ofen hervor.

Das stellt man jetzt auch im Blick auf die USA fest. Viele Christen denken, dass die moralischen Entgleisungen und Exzesse von Trump schlimmer seien als das, was über Clinton bekannt ist. Gottes Urteil über moralische Sünden ist klar. Er verurteilt und richtet deshalb. Aber wenn jemand kopfgesteuert Böses tut und sich bewusst zum Teil eines bösen Systems macht, ist dies weitaus schlimmer. Genauso aber funktioniert Politik, wie wir immer wieder erleben.

Nun mag man denken: Das betrifft nur die große Politik, nicht aber die „kleine“ Politik, sagen wir in der Kommunalpolitik. Das aber ist ein Fehlurteil. Nun mögen die Exzesse nicht in gleichem Maß vorhanden sein. Aber der Charakter der Politik ändert sich nicht, wenn es nur um die kleine Politik geht. Denn so wie Welt immer Welt ist und bleiben wird, so bleibt Politik auch immer Politik, mit all ihren „Raffinessen“, wie man manchmal sogar anerkennend meinen könnte. Das alles aber ist nichts anderes als Welt. Wir sollten uns davor nicht den Blick verstellen lassen!

„Das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt“ (Gal 6,14).

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