Das Beispiel des Herrn: Ehre Vater und Mutter

Lesezeit: 3 Min.

Der Herr Jesus führt ein konkretes Beispiel an, das deutlich macht, wie sehr sich die Juden von den Geboten Gottes entfernt hatten. Er benutzt dazu das fünfte Gebot vom Sinai: „Ehre den Vater und die Mutter" (2. Mo 20,12) und: „Wer Vater oder Mutter schmäht, soll des Todes sterben" (2. Mo 21,17). Das waren klare Gebote Gottes, die Er seinem Volk gegeben hatte.

Was hatten die Ältesten jetzt aus dieser Ansage Gottes gemacht? Sie hatten den Kindern - es geht hier nicht um kleine Kinder, sondern um erwachsene Kinder - die Möglichkeit gegeben, die Versorgung der Eltern zu umgehen: „Ihr aber sagt: Wer irgend zum Vater oder zur Mutter spricht: Eine Opfergabe sei das, was irgend dir von mir zunutze kommen könnte - der wird keineswegs seinen Vater oder seine Mutter ehren."

Oft hatten älter gewordene Eltern die Unterstützung ihrer Kinder nötig. Denn damals gab es kein soziales Netz, wie wir es kennen, mit Rente und Pension. Deshalb hatte Gott das fünfte Gebot gegeben. Kinder sollten nicht nur Nutznießer der früheren Erziehung und Zuwendung der Eltern sein. Sie sollten dann später auch Verantwortung spüren und übernehmen, wenn die Eltern älter wurden und nicht mehr gut für sich selbst sorgen konnten.

Scheinbar weise Rabbiner hatten nun den Kindern eine Möglichkeit eingeräumt, dieses Gebot Gottes zu umgehen. Zwar bestärkten sie in vielen anderen Stellen die Notwendigkeit, die Eltern zu ehren. Aber wenn man das für die Versorgung der Eltern nötige Geld für eine Opfergabe des Tempels hörbar/sichtbar weihen würde, könnte dieses Geld nicht mehr den Eltern gegeben werden, denn es war damit dem Herrn geheiligt.

Letztlich spielte es keine Rolle, ob das Geld wirklich, dem Versprechen bzw. Schwur gemäß als Opfergabe zum Haus Gottes kam. Allein dadurch, dass man dem Geld das Ziel „Opfergabe" zuwies, konnte man dieses Geld den Eltern nicht mehr geben, was auch immer man dann konkret mit diesem Geldbetrag unternahm. Das sah nach außen hin sehr fromm aus. Jemand stellt Gott und dessen Haus an die erste Stelle. In Wirklichkeit aber war es purer Ungehorsam dem Wort Gottes gegenüber. Denn Gott hatte geboten, die Eltern zu ehren und sich um sie zu kümmern. Wenn ein Israelit das für die Versorgung der Eltern nötige Geld Gott weihte, verachtete er Gottes Gebot und verunehrte damit den Gesetzgeber: Gott. Außerdem vernachlässigte er damit seine Eltern auf gehässige Weise.

Wie konnte Gott eine solche Opfergabe annehmen! Solch eine Anbetung ist wertlos für Gott. Man stand zwar vor den Augen vieler Menschen groß da; in den Augen Gottes aber war man ein Gesetzesübertreter. Das offenbart Jesus in seiner Ergänzung: „Und so habt ihr das Gebot Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. Ihr Heuchler!" Die Überlieferung, die so hoch gehalten wurde, erwies sich als ungöttlich und als direkter Widerspruch zu den Geboten Gottes. Diese Menschen hielten ihr eigenes Versprechen für wichtiger als das Befolgen des Wortes Gottes. Daher waren die Schriftgelehrten und Pharisäer in Wahrheit keine frommen Menschen, sondern Heuchler, die sich und ihre eigenen Gebote wichtiger nahmen als Gott. Sie gaben vor, die Seite Gottes zu vertreten, in Wirklichkeit jedoch lebten sie nur ihre eigenen Traditionen aus. Das war nichts anderes als Heuchelei. Wenn man nicht davor zurückschreckt, Gott um seine Rechte zu bringen, so wird man sich auch nicht scheuen, den Eltern ihr Recht zu verweigern.

Beitrag teilen

Verwandte Artikel

Die Aufgabe des Knechtes in 1. Mose 24 Stefan Drüeke Was ist die eigentliche Aufgabe des Knechtes? Er hat Proben von Abrahams Reichtum bei sich und macht sich auf, um eine Frau für Abrahams Sohn Isaak zu finden: Gold, Silber und schöne Kleider. Diese gut durchdachte Auswahl zeigt er Rebekka, die er ... Video ansehen
La Le Lu - lass die Kita zu ... Manuel Seibel Fehlender Fachkräftemangel sei zum Risikofaktor für die frühkindliche Bildung geworden, las ich vor einiger Zeit. Mag ja sein. Sollte uns das dazu bringen, auch als Christen unsere Kinder (noch mehr) in Kitas usw. zu senden? Ein Wort an uns, die ... Podcast anhören
Alleinerziehende sind faul??? - was unsere Verantwortung dabei ist! Manuel Seibel Der deutsche Finanzminister, Christian Lindner, spricht von Faulheit der Alleinerziehenden. Zu wenige würden sich bereitfinden, wieder zu  arbeiten. Als ob sie zu Hause rumsitzen und Däumchen drehen würden ... Das eine ist die Verantwortung (vor ... Podcast anhören
Maria, die Mutter Jesu Stefan Drüeke War Maria wirklich sündlos – oder sagt die Bibel etwas ganz anderes? Maria selbst spricht von Gott, als ihrem Retter, und die Schrift sagt klar: „Alle haben gesündigt“ (Röm 3,23). Sie war von Gott erwählt, begnadet und die Mutter von ... Video ansehen
Gedanken zu aktuellen Fragen über die Versammlung und die Gemeinschaft am Tisch des Herrn (3) Manuel Seibel Wenn es um die Frage der Gemeinschaft geht, mit wem zusammen wir den Herrn anrufen können, spricht der Apostel Paulus von einem "reinen Herzen". Was ist das eigentlich? Und was können wir am Ort tun, wenn jemand  von einem Zusammenkommen in A ... Podcast anhören
Anregungen für Verlobte (20) - bei Schwangerschaft abtreiben? Manuel Seibel In der letzten Folge haben wir darauf hingewiesen, dass eine uneheliche Schwangerschaft nicht dazu führen muss, dass sich die beiden Personen heiraten. Für manchen liegt es aber nahe, mit einer Abtreibung „das Problem“ zu beseitigen. Artikel lesen