Bibeltexte für Gottesdienst festlegen?

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In der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) ist eine Diskussion darüber entstanden, welche Bibeltexte im Gottesdienst gelesen und gepredigt werden sollen. Dazu ist vom sogenannten Kirchenamt der EKD eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden. Man schlägt in dieser Gruppe nun vor, die im Gottesdienst gelesenen alttestamentlichen Texte zu verdoppeln. Man hat wohl entdeckt, dass dieser Teil von Gottes Wort in den letzten Jahren zu kurz gekommen ist. In der Evangelischen Kirche werden die Bibeltexte vorgegeben, die zu lesen und über die zu predigen ist. Bislang war wohl 1/6 aus dem Alten Testament - das soll jetzt zu 1/3 der gelesenen Texte anwachsen.

Nun ist unzweifelhaft wahr, dass wir große Teile des Alten Testaments viel zu wenig kennen. Gerade die prophetischen Texte sind uns oftmals sehr fremd. Es wäre gut, wenn wir sie mehr lesen würden. Hier aber ist das persönliche Lesen des Wortes Gottes gefordert. Dazu gibt es einen schönen bildlichen Hinweis im Alten Testament. Als das Volk Israel in die Wüste kam, schenkte Gott ihnen täglich das Manna. Der Herr Jesus zeigt in Johannes 6, dass das Manna ein Vorbild auf Ihn selbst ist. So sollen auch wir uns täglich an Ihm nähren - geistlich natürlich. Und das können wir nur tun, indem wir sein Wort lesen - denn darin finden wir Ihn, nur darin! Wenn es also darum geht, Gottes Wort besser kennenzulernen, dann dadurch, dass wir es persönlich mehr lesen: „Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen" (Kol 3,16).

Was aber ist davon zu halten, dass die Wortlesungen in den Gottesdiensten vorweg bestimmt werden? Einmal ist eine Predigt ohnehin kein Gottesdienst, sondern ein Dienst von Gott an die Zuhörer. Aber abgesehen davon ist eine solche Festlegung im Neuen Testament überhaupt nicht vorgesehen. Sie ist menschlich - um Menschen eine Hilfe zu geben. Aber gerade das menschliche Element in geistlichem Kontext ist außerordentlich schädlich, wenn es keine Stütze in Gottes Wort findet.

In der Versammlung in Korinth bestand eine große Unordnung. Man war sehr fleischlich. Viele taten, was sie persönlich für richtig hielten. Wie reagierte Paulus darauf? Indem er festlegte, was zu lesen und was wann zu sagen und zu singen war? Nein. Er besteht ausdrücklich auf der Freiheit (vgl. 1. Kor 14,39) und gibt lediglich gewisse Rahmenbedingungen vor. Es ist kein Kavaliersdelikt, wenn man die freie Leitung des Geistes Gottes einschränkt. Gerade die Verse 26-33 dieses Kapitels unterstreichen, dass unter gewissen einschränkenden Bedingungen auf der Freiheit bestanden wird. Wer diese durch menschliche Festlegungen, die im Blick auf das Zusammenkommen „als Versammlung" (Gemeinde, Kirche; 1. Kor 11,18) bewusst einschränkt, sündigt. Denn er lässt Gott, dem Heiligen Geist, nicht die Freiheit, die Er für sich beansprucht.

Es ist etwas Großartiges zu erleben, wie der Geist wirkt und einen Bibelabschnitt, an den vor dem Zusammenkommen vielleicht niemand gedacht hat, auf einmal vor unsere Herzen und Gewissen stellt. Es ist beschämend, wenn wir feststellen müssen, dass wir durch fleischliches Ausnutzen der Freiheit diese Zusammenkommen beschädigen. Aber der Geist Gottes gibt diese Freiheit nicht auf. Auch heute nicht.

Das heißt aber nicht, dass Gott unseren Verstand ausschaltet. Im Gegenteil - dieser kommt ja von Ihm! Wenn wir also feststellen, dass das Alte Testament vernachlässigt wird, werden Brüder, die einsichtig handeln, durchaus öfter Abschnitte aus diesem Teil des Wortes Gottes lesen und erklären. Aber das darf man nicht vorher festlegen. Wir wollen auch da weiter auf die Stimme unseres Herrn hören.

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