Das Gewissen als Führer

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Das Gewissen ist die Folge des Sündenfalls

Der Mensch hat das Gewissen bei seinem Sündenfall erworben, wie Gott von Adam gesagt hat: „Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, zu erkennen Gutes und Böses“(1. Mose 3,22). Die Nachkommenschaft Adams hat es von ihm geerbt. Folglich haben sogar auch die Heiden ein Gewissen, das mitzeugt, und Gedanken, die sie anklagen oder entschuldigen (Römer 2,14.15), ein Gewissen jedoch, das ihnen keine Kraft verleiht, dem Bösen zu widerstehen. Es kann nur den, der die Sünde ausübt, verurteilen.

Das Wort Gottes allein gibt volles Licht der Wahrheit zur Beurteilung der Wege des Menschen, so dass durch seine Verkündigung das Gewissen selbst die böse Lust im Herzen entdeckt, wo sie bisher nicht vermutet wurde. So schrieb Paulus: „Von der Lust hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: „Lass dich nicht gelüsten“ (Römer 7,7). Aber das Wort Gottes muss in seinem wahren Charakter als Zeuge Christi gebraucht werden, sonst würde das Gewissen irre leiten und zum Böses tun, statt zum Gutes tun, führen. So war Saulus von Tarsus, der eine größere Kenntnis der Schrift besaß als die meisten seiner Zeitgenossen, einer von denen, die meinten, durch die Verfolgung der Christen Gott einen Dienst zu erweisen (Joh. 16,2; Apostelg. 26,9). So sagte er vor dem Synedrium: „Ich habe mit allem guten Gewissen vor Gott gewandelt bis auf diesen Tag“, das heißt, sowohl vor, als auch nach seiner Bekehrung (Apostelg. 23,1; siehe auch Kap. 24,16).

Das Gewissen ist kein unfehlbarer Führer

Obwohl das Gewissen eine wichtige Funktion ausübt, ist es also auch für die Gläubigen kein unfehlbarer Führer. Es ist eine weit verbreitete irrige Auffassung, dass, wenn das Gewissen unbeschwert sei, alles gut sein müsse. Paulus sagte im Hinblick auf sein eigenes Betragen: „Ich bin mir selbst nichts bewusst.“ Doch fügte er sogleich hinzu: „Aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt“ (1. Kor. 4,4).

Das Verborgene der Finsternis und alle geheimen Ratschläge der Herzen werden am Tage Christi ans Licht gebracht und offenbart. Daher, wenn wir auch allezeit danach trachten, „ein gutes Gewissen“ zu haben (1. Petrus 3,16), so sollten wir doch beachten, dass wir unbewusst durch irgendwelche selbstsüchtigen Einflüsse von innen her geblendet werden können, die uns veranlassen, Gutes böse, und Böses gut, Licht Finsternis und Finsternis Licht zu heißen.

Das Wort Gottes muss das Gewissen anleiten

Angesichts der Möglichkeit einer solch gefährlichen Täuschung sollte jeder Gläubige danach streben, dass sein Herz und seine Wege durch das Wort Gottes beherrscht werden. Sein Flehen sollte sein: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Wege!“ (Psalm 139,23,24). Das Wort Gottes ist das Schwert des Geistes gegenüber unseren Feinden; es ist aber auch ein zweischneidiges Schwert für unser Inneres (vergl. Epheser 6,17; Hebräer 4,12.13).

Es gibt solche, die bewusst ihr eigenes Gewissen zu ihrem Führer erkoren haben. Sie achten es höher als das Wort Gottes und legen die Schrift nach diesem inneren Lichte aus. Demzufolge tun sie unter der Führung des „Gewissens“ manche Dinge, die Gott verunehren und die sein Wort nicht gutheißt. Was „geschrieben“ steht, ist immer die richtige Leitung. Das Gewissen allein ist nicht verlässlich und gar oft ein Irrlicht, das die Seele in Gefahr und sogar ins Verderben bringen kann.

Es bleibt aber bestehen, dass der Gläubige „ein gutes Gewissen“, „ein Gewissen ohne Anstoß vor Gott und Menschen“ bewahren soll (1. Timotheus 1,5 und 19; Apostelgeschichte 24,16).

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages
Halte Fest Jahrgang 1960 - Seite: 138

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