Zucht im Haus Gottes – mit Weisheit handeln (von Ernst-August Bremicker) - eine Buchbesprechung

Lesezeit: 4 Min.

Vielleicht fragst du dich als junger Christ: Was habe ich denn mit Zucht in der Versammlung (Gemeinde, Kirche) Gottes zu tun?

Zucht hat mit „ziehen" zu tun. Gott möchte uns nämlich zu sich selbst hinziehen. Das hat Er grundsätzlich bei den Menschen getan, die sich bekehrt und Jesus Christus als ihren persönlichen Retter angenommen haben. Er hat aber das Ziel, uns auch in unserem praktischen Glaubensleben zu sich zu ziehen. Dazu benutzt Er unter anderem die Zucht. Sie hat bei Gott immer ein positives Ziel. Und Zucht hat eben auch mit seinem Haus zu tun - ein bildlicher Ausdruck für seine Versammlung - wo Gottes eigene Hausordnung gilt.

Ernst-August Bremicker weist in seinem Buch darauf hin, dass das griechische Wort für Zucht (paideia) vom Wort „Kind" abgeleitet ist und als Hauptwort nur an drei Stellen vorkommt: In Epheser 6,4 geht es um die Erziehung der Kinder. In 2. Timotheus 3,16 behandelt Paulus die Wirkung des Wortes Gottes und spricht über dessen unterweisende Wirkung. In Hebräer 12 behandelt der Geist Gottes das Thema „Züchtigung", also das, was wir am ehesten mit diesem Wort verbinden. Und von Beginn an macht Er deutlich, dass Zucht aus Liebe geschieht. Der Autor des Buches zeigt dann das Ziel der Zucht des himmlischen Vaters auf: dass wir in Übereinstimmung mit seiner Heiligkeit leben.

Im ersten Teil des Buches unterscheidet Ernst-August Bremicker die verschiedenen Formen der „Zucht" in der Versammlung (Gemeinde, Kirche) Gottes. Denn es geht ihm nicht um die Zucht in Familie oder sonstigen Lebensbereichen, sondern darum, was Gott uns im Blick auf die Verantwortung in der örtlichen Versammlung lehrt. Manche haben gedacht, dass nur der Ausschluss aus der praktischen Gemeinschaft der Versammlung nach 1. Korinther 5 wirklich Zucht wäre. In diesem Teil des Buches lernst du jedoch, dass es viel mehr Arten von Zucht gibt. Sie betrifft den Dienst, den wir als Christen untereinander tun können, wie zum Beispiel die geistliche Fußwaschung. Auch das Zurechtweisen in der Versammlung und das Handeln mit einem Sektierer bzw. mit solchen, die einen Ältestendienst ausüben und zugleich in sichtbarer Weise sündigen, gehören dazu. Und schließlich kommt noch die stärkste Form von Zucht, der Ausschluss, hinzu.

Im zweiten Teil des Buches profitierst du von einer Vers-für-Vers-Auslegung über 1. Korinther 5. Das ist das Kapitel des Neuen Testaments, das den Ausschluss aus der örtlichen Versammlung vorstellt. Schließlich werden im dritten Teil 11 Fragen beantwortet, die im Zusammenhang mit Zucht und Ausschluss immer wieder aufkommen.

Zucht ist kein „erbauliches Thema", wie der Autor zu Beginn seines Buches schreibt. Aber es ist ein wichtiges Thema, gerade in einer Zeit, in der die Gefahr besteht, dass die biblischen Anordnungen, die mit einem Leben in Heiligkeit zu tun haben, nicht mehr ernst genommen werden. Wenn du den Herrn Jesus als Retter angenommen hast, gehörst Du zu dem Haus Gottes, der Versammlung. Daher handelt es sich nicht um ein Buch für „alte Christen", sondern für uns alle. Gerade dann, wenn man diese Belehrungen noch nicht so gut kennt, ist es hilfreich, sich einmal intensiver damit auseinanderzusetzen. Die Beschäftigung mit diesem Thema macht dann auch deutlich, dass wir nicht nur den Herrn Jesus lieben, sondern auch seine Versammlung, für die Er sich selbst hingegeben hat.

Vor diesem Hintergrund empfehle ich dir dieses Buch. Man kann es auch gut als Nachschlagewerk verwenden, wenn es in der Praxis einmal um eine bestimmte Zuchtmaßnahme geht, von der du vielleicht etwas hörst, oder wenn du dir die verschiedenen Schritte des Vorgehens bei einer Zucht einmal ansehen musst/möchtest.

Das Buch ist beim VCG erschienen (2012), umfasst gut lesbare 175 Seiten, enthält ein Bibelstellenverzeichnis und kostet 10 Euro: http://www.vvcg-shop.de/bucher-1/zucht-im-haus-gottes.html.

Buchauszug:

„Das Neue Testament zeigt uns „mildere" Formen der Zucht als den Ausschluss. Diese sollten wir nicht nur in der Theorie kennen, sondern wir sollten sie tatsächlich praktizieren. Ein Beispiel aus dem täglichen Leben macht das klar: Was würde man von einem Arzt denken, der ein krankes Bein gleich amputiert? Es mag seltene Fälle geben, wo nichts anderes als eine Amputation übrig bleibt. In den meisten Fällen aber wird ein Arzt zunächst andere Behandlungsformen wählen, bevor er zu diesem letzten Mittel greift. Deshalb ist es wichtig, dass wir die verschiedenen Formen der Zucht kennen und sie praktizieren."

(aus: Folge mir nach - Heft 1/2013)
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