Vergeben kann man nicht müssen (Buchbesprechung)

Lesezeit: 2 Min.

Vergeben kann man nicht müssen
Weiterleben, wenn Unverzeihliches passiert

von Andreas Malessa und Ulrich Giesekus

Vergebungsbereitschaft gehört zu den wichtigsten Haltungen im Leben eines Christen. Denn wir sind nicht alleine in dieser Welt unterwegs, sondern insbesondere mit anderen Christen in der örtlichen Versammlung (Gemeinde) und darüber hinaus zusammengestellt. Da ist es wichtig, dass man die erfahrene Gnade, die Gott uns bei unserer Bekehrung geschenkt hat, auch anderen weitergeben können.

Vergebung ist aber nicht nur etwas für den „Alltag“. Manchmal kann es sehr schlimme Dinge geben, die ein Mensch, auch ein Christ, einem anderen Gläubigen antut. Eines der schlimmsten Vergehen ist das des Kindesmissbrauchs. Aber auch Ehebruch, falsche und übermäßige Fürsorge durch die Mutter des Ehemanns und Massenmorde hinterlassen furchtbare Narben. Wie reagieren?

In diesem Buch begründen der Journalist Andreas Malessa und der klinische Psychologe Dr. Ulrich Giesekus, dass man Vergebung nicht müssen kann. Das mag aus christlicher Sicht etwas erstaunlich wirken – und ist es auch. Natürlich – wenn man den Maßstab Jesu nimmt, der uns alle unsere Sünden vergeben hat, wenn wir sie Gott bekannt haben, dann kann man Ihn nur nachahmen. Aber wir können einen Menschen, der Furchtbares erfahren hat, nicht zwingen zu vergeben. Das würde sein Menschsein, seine menschlichen Gefühle übergehen. Wir sind keine Roboter – keiner von uns. Daher dürfen wir einen Christen nicht zur Vergebung zwingen – schon gar nicht, wenn kein Bekenntnis vorliegt. Aber wir können ihn unbedingt dazu ermutigen – und das sollten wir auch. Denn eine nachhaltige Verarbeitung des Traumas werden wir nur dann erleben, wenn wir auch vergebungsbereit sind.

Die Wichtigkeit und der persönliche Nutzen von Vergebung, auch wenn dieser für einen Christen nicht im Vordergrund steht, werden an verschiedenen Erlebnissen und Geschichten durch die beiden Autoren eindrucksvoll illustriert. Nicht jede Begebenheit und Erklärung ist in gleichem Maß überzeugend. Insgesamt aber ist dieses Buch eine sehr empfehlenswerte Lektüre für jeden Christen. Denn wir alle haben mit Wunden zu tun, die uns in unserer Familie und von Gläubigen geschlagen werden. Wenn wir dann lernen zu vergeben oder jedenfalls vergebungsbereit zu werden, unabhängig davon, ob unser Gegenüber bereit ist zu bekennen, dann ist uns und der Sache viel gedient. Zweifellos: Unser Herr wird dadurch geehrt.

– Es gibt eine Einschränkung im Blick auf die Empfehlung dieses Buches: In einer der in diesem Buch erzählten „Geschichten“ wird von einer Partnerschaft außerhalb des Rahmens der Ehe gesprochen, ohne dass dieses Zusammenleben irgendwie kommentiert würde. Aus biblischer Sicht wissen wir, dass dies Sünde ist. Das intime Zusammenleben von Mann und Frau gehört in die Ehe.

Das Buch ist im Brunnenverlag, Gießen, erschienen (2005) und umfasst gut lesbare 72 Seiten.

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