Manchmal hört man, man dürfe in der heutigen Zeit keine Beurteilung aussprechen. Der Herr habe doch gesagt. „Richtet nicht" (Matthäus 7,1). An anderen Stellen des Neuen Testaments lernen wir jedoch, dass der Herr Jesus mit diesen Worten kein Verbot des Richtens für alle Bereiche aussprach. Denn wir werden aufgefordert zu richten und zu handeln. Der traurige Fall in Korinth, wo jemand ein unmoralisches Verhältnis mit seiner Stiefmutter pflegte, durfte den Korinthern nicht egal sein. Sie mussten eine solche Person, die bekannte, gläubig zu sein, von der praktischen Gemeinschaft der Gläubigen ausschließen. Die örtliche Versammlung (Gemeinde) war gefordert, ein solches Urteil zu fällen.

Das aber ist nicht der einzige Fall. Wir werden zwar in der Schrift nicht aufgefordert, Detektive zu spielen. Eine Sünde im Verborgenen können wir nicht erkennen. Ein schlichter Verdacht reicht nicht aus, um ein auf der Bibel gegründetes Urteil zu sprechen (vgl. z.B. 1. Timotheus 5,19). Wenn die Dinge aber offenbar werden, dürfen wir nicht schweigen.

Wenn jemand offensichtlich von der geraden Linie der neutestamentlichen Wahrheit abweicht, haben wir die Aufgabe, ihm zu helfen. Gerade, wenn man persönlich betroffen ist, gilt es, in Demut und mit geistlichen Mitteln zu handeln. Als Apollos nach Ephesus kam, waren Aquila und Priszilla dort. Als sie ihn hörten, nahmen sie ihn mit nach Hause, um ihn in der Wahrheit zu belehren. Sie hatten seine Lehre gehört und erkannt, dass ihm noch etwas fehlte. Daher konnten sie sich ein Urteil in diesem Fall erlauben und fühlten sich verpflichtet, Apollos weiterzuhelfen (Apg 18,26). Wenn sie nicht vor Ort gewesen wären, wäre es zumindest unweise gewesen, ein Urteil zu sprechen.

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