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Der Herr Jesus warnt uns hier, Motive von anderen beurteilen zu wollen. Auch der Herrn Jesus hielt sich an diesen Grundsatz in seinem Leben. In den Evangelien, in denen seine Menschheit betont wird, erträgt der Herr seinen Verräter Judas, bis dieser sich als solcher für alle sichtbar offenbarte. So dürfen auch wir nicht Vermutungen über Beweggründe aufkommen lassen, bis das Böse offenbar geworden ist.

Es kommt ein zweiter Aspekt hinzu. In der Bergpredigt spricht Jesus immer wieder in absoluter Weise. So auch hier: „Richtet nicht!" Den Jüngern war das Verhalten der Pharisäer bekannt, die alles und jeden öffentlich glaubten, beurteilen zu können. Deren Gesinnung eines „Richtgeistes" verwirft der Herr Jesus jetzt scharf. Der Herr Jesus belehrt die Jünger nun also darüber, nicht wie die Pharisäer öffentlich andere zu verurteilen und zu richten.

Später kommt der Herr Jesus selber noch einmal auf diesen Grundsatz zu sprechen, und zwar im zweiten Gleichnis von Matthäus 13. Der Feind hatte Unkraut gesät. Jetzt entstand die Frage: Soll das Unkraut zusammengelesen und ausgerissen werden? Der Meister aber sagt: „Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich mit diesem den Weizen ausrauft" (Mt 13,29). Die Schnitter würden in der Zeit der Ernte das Unkraut zusammenlesen. In der Erklärung des Herrn wird deutlich, dass die Engel im Auftrag des Sohnes des Menschen in der Vollendung des Zeitalters, das ist am Ende der Drangsalszeit, diejenigen zusammenlesen werden, welche die Ungerechtigkeit tun. Dann, aber erst dann wird das Gericht, das Richten der Jünger statt finden. Vorher ist dieses nicht angebracht, auch wenn man persönlich klar sehen mag, was Unkraut ist und was Weizen. Dass wir allerdings auch heute aufgerufen sind, den Bösen aus der Versammlung auszuschließen (1. Kor 5), müssen wir beachten.

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