Das „Vater unser“ 6

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In dem sogenannten Vater unser kommt als fünftes die Bitte um Vergebung. An dieser Stelle ist es sicher gut, noch einmal daran zu erinnern, dass sich Jesus an Jünger richtet, nicht an Sünder. Es geht hier also nicht darum, wie ein Sünder zu Gott kommt und Vergebung der eigenen Schuld erhält. Sie ist ein reiner Akt göttlicher Gnade, der nichts damit zu tun hat, dass wir etwas tun, beispielsweise anderen ihre Schuld vergeben (vgl. z.B. Eph 2,8.9). An dieser Vergebung haben wir keinen Anteil.

Sündenschuld hat ein Mensch übrigens immer gegenüber Gott, nicht gegenüber dem Vater; dieser Titel spricht von bestehenden Beziehungen, die nicht möglich sind, wo die Sünde noch nicht vergeben ist. Die Sündenvergebung vonseiten Gottes ist sicher und unverlierbar (vgl. z.B. Joh 10,28.29).

Hier steht die Beziehung des Jüngers zu anderen Jüngern im Vordergrund. Der Meister zeigt seinen Jüngern, dass sie nur dann auf Vergebung ihrer Schuld in ihrem praktischen Leben auf der Erde durch ihren himmlischen Vater rechnen dürfen, wenn sie selbst vergebungsbereit sind. Später, in Kapitel 18,21-35 finden wir dazu eine praktische Erklärung. Wenn es um Sündenvergebung für diese Erde geht (vgl. z.B. Mt 9,6), gibt es sie vonseiten Gottes für seine Jünger nur dann, wenn diese auch anderen gegenüber vergebungsbereit sind. Wie könnte der vergebende Vater jemanden segnen, der sein eigenes Herz gegenüber seinem Mitjünger verschließt, der um Vergebung seiner Schuld nachsucht? Vergessen wir in Verbindung mit Matthäus 18 nicht: Die Schuld des Jüngers gegenüber dem himmlischen Vater ist immer größer als die Schuld, die ein Jünger gegenüber einem anderen Jünger haben könnte.

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