Mit weitem Herzen auf schmalem Weg (Vorwort)

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Vorwort

Der Weg des Glaubens, den die Kinder Gottes nach dem Willen ihres Herrn zu gehen haben, ist in Gottes Wort vorgezeichnet. Es ist ein gemeinsamer Weg für alle, denn der Herr will nicht, dass die Seinen, die im Himmel bei Ihm vereint sein werden - „wo ich bin", wie Er sagt -, hier auf der Erde verschiedene Wege gehen.

Doch wie jeder weiß, sieht die Praxis anders aus. Eigenes Urteil, unterschiedliche Auslegung des Wortes, menschliche Tradition und vieles andere haben dazu geführt, dass die Gläubigen heute in viele Gruppen getrennt sind. Und das Tragische dabei ist, dass die Zahl der Benennungen und neuerdings auch der Gruppen, die einen Namen ablehnen, weil sie sich allein im Namen des Herrn Jesus zu versammeln wünschen, ständig zunimmt. Haben unsere Väter noch die Wirklichkeit dessen erfahren, was sie sangen - Scharf bezeichnet, klar zu sehen ist der Weg, den ich zu gehen, weil mein Jesus ging voran -, so fragt sich heute mancher mit Beklemmung, wo denn diese klare Sicht zu finden ist. Zu groß ist die Zahl der Möglichkeiten, sich irgendwo anzuschließen, zu groß die Auswahl von Richtungen geworden, die sich oft nur wenig unterscheiden und zudem manchmal vieles von dem verwirklichen, was Gottes Wort uns zeigt. So singen auch wir heute das erwähnte Lied, denn wir wissen, dass es für den Glauben wahr ist und bleibt, was der Dichter sagt. Aber doch müssen wir zugeben, dass die ganz reale Frage, wie wir denn in glücklicher Gemeinschaft einen gemeinsamen Weg gehen können - einen Weg, der die Billigung Gottes findet -, zweifellos einen der schwierigsten Themenkreise unter Christen berührt.

Darum können auch die Beiträge zum Thema, die in dem vorliegenden Heft zusammengestellt sind, nicht im landläufigen Sinn „einfach" sein. Die geschilderte Situation macht das unmöglich. Dennoch bitten wir auch den Leser, der einfache Belehrungen sucht, den vorgestellten Gedanken zu folgen und die Hinweise auf das Wort Gottes aufzunehmen. Gott wird das Herz, das in seinem Wort Aufschluss sucht, nicht ohne Antwort lassen. So werden die Linien deutlicher und die Umrisse klarer werden. Alles ist letztlich das Werk Gottes und muss es sein.

Erörterungen über Lehrfragen führen leicht dazu, dass lediglich Standpunkte vertreten werden, statt dass vor allem die Ehre des Herrn gesucht wird. Die Herausgeber sind sich dieser Gefahr bewusst und haben lange gezögert, an die Öffentlichkeit zu treten. Sie fühlen sich aber den vielen verpflichtet, die Aufschluss suchen und von Fragen bewegt sind angesichts so mancher Äußerung, die unter Geschwistern in Umlauf ist. Solchen eine Hilfe zu bieten ist das Anliegen dieser Veröffentlichung, die im Übrigen nicht als Beitrag zu einer „Diskussion“ verstanden sein will. Der Herr bewahre uns alle vor dem unseligen Kreislauf von Argument und Gegenargument und gebe uns ein tieferes Empfinden für seine Ehre!

Den zeitgenössischen Beiträgen sind einige Zeugnisse von Brüdern aus früherer Zeit beigefügt. Diese Äußerungen zeigen einerseits, wie sehr es den Brüdern von Anfang an daran lag, die praktische Darstellung der Einheit aller Gläubigen nicht durch Zusatzbedingungen zu beeinträchtigen. Sie lassen aber auch die große Sorgfalt erkennen, mit der diese Brüder zu verhindern suchten, dass der Tisch des Herrn mit Bösem oder mit dem Boden der Spaltungen in Verbindung gebracht wurde. Das ist sehr lehrreich angesichts der heutigen Neigung, die Grenzen zu verwischen. Gewiss haben unsere Väter einst das Zeugnis von der Einheit aller Gläubigen und ihrer Verbindung mit Christus als Haupt deutlicher und treuer dargestellt als wir. Und doch waren auch sie sich der Schwachheit ihres Tuns wohl bewusst. Aber nie hat sie dieses Bewusstsein dazu veranlasst, die Grundsätze in Frage zu stellen. Und wenn wir heute noch mehr Schwachheit und manchen ernsten Mangel zu beklagen haben, sollten wir deshalb nun auch noch die Grundsätze verlassen? Ganz gewiss nicht. So schenke denn der treue Herr, dass die im Folgenden vorgetragenen Gedanken den Leser anregen, die Grundsätze des Wortes Gottes in diesen so wichtigen Fragen neu ins Auge zu fassen und mit treuem Herzen zu verwirklichen.

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