Die Herbstfeste – Vorbild der Widerherstellung Israels
Die Feste Israels, die wir bisher betrachtet haben, wurden im Frühling gefeiert. Heilsgeschichtlich stehen sie mit dem ersten Kommen des Herrn Jesus vor etwa 2000 Jahren in Verbindung. Sie sprechen vorbildlich von seinem Erlösungswerk und der Bildung seiner Versammlung. Damit weisen sie auf Gottes Handeln während der Gnadenzeit hin, insbesondere mit den Nationen.
Zu den Frühlingsfesten zählten:
- Passahfest1 (Tod des Herrn Jesus)
- Fest der Erstlingsgarbe (Auferstehung des Herrn Jesus)
- Fest der Wochen (Bildung der Versammlung)
Die Herbstfeste weisen dagegen vorbildlich auf Gottes zukünftiges Handeln mit Israel hin. Sie stehen in Verbindung mit der Erscheinung des Herrn Jesus (Mt 24,30) und sprechen von der Wiederherstellung Israels und dessen Segnung im Tausendjährigen Reich.
Zu den Herbstfesten zählten:
- Fest des Posaunenhalls (Rückruf und Sammlung Israels)
- Sühnungstag (Buße und Sündenvergebung Israels)
- Fest der Laubhütten (Segnung Israels im Tausendjährigen Reich)
Während sich die Frühlingsfeste über zwei Monate erstreckten (Abib und Siwan), wurden die Herbstfeste alle im siebten Monat (Ethanim) gefeiert und folgten in kurzem Abstand aufeinander: am 1. Tag, am 10. Tag sowie vom 15.-22. Tag des Monats.
Die Zeit zwischen Frühling und Herbst: Gnadenzeit
Zwischen dem Fest der Wochen und dem Fest des Posaunenhalls lagen etwa vier Monate (von Siwan [Mai/Juni] bis Ethanim [September/Oktober]). Dieser Zeitraum war von Jahr zu Jahr unterschiedlich lang.2 Der unterschiedlich lange Zeitraum zwischen den Frühlings- und Herbstfesten ist ein gewisses Abbild auf die Gnadenzeit, die ebenfalls von langer und unbestimmter Dauer ist und bereits seit 2000 Jahren anhält.
In dieser Zeit der Gnade ist Israel als Volk beiseite gestellt (Röm 11,25). Es lebt weitestgehend in der weltweiten Zerstreuung. Gott sammelt seine Ernte aus den Nationen und bildet die Versammlung – die himmlische Braut seines Sohnes. Wenn die Zeit der Gnade vorüber ist, wird Gott sich Israel wieder zuwenden, um das irdische Volk – die Auserwählten – zu sammeln, um sie ins „gelobte Land“ zu führen. Diese zukünftige Sammlung des Überrests wird im Fest des Posaunenhalls vorgebildet.3
Das Fest des Posaunenhalls
Das Fest des Posaunenhalls wird in 3. Mose 23,23-25 beschrieben. Der Bibeltext enthält fünf zentrale Botschaften, die helles Licht auf Gottes Handeln mit seinem irdischen Volk werfen. Anhand dieser fünf Botschaften wollen wir uns einen Überblick verschaffen und der prophetischen Bedeutung dieses Fest nachgehen:
- Siebter Monat – ein Neuanfang
- Ruhe – eine Doppelbedeutung
- Posaunenhall – worum geht es?
- Feueropfer – der Blick nach Golgatha
- Verbot von Dienstarbeit – die Unzulänglichkeit des Menschen
Botschaft 1: Siebter Monat – ein Neuanfang
Die erste Anweisung betraf den Tag der Festfeier (3. Mo 23,24). Gott bestimmte dafür den ersten Tag des siebten Monats. In geistlicher Hinsicht weist dieser Monat auf einen Neuanfang hin, denn der siebte Monat des heiligen Jahres war zugleich der erste Monat des bürgerlichen Jahres.
Ebenso wird Gott mit Israel einen Neuanfang in der Zukunft beginnen. Durch starken Posaunenhall wird Er das heute über die ganze Erde zerstreute und als Nation verworfene Volk
- zurückrufen und
- sammeln.
Wenn Gott die Zerstreuten durch Posaunenhall zurückrufen und sammeln wird, werden sie in das Land Israel zurückkehren, um dort wieder vereint als ein Volk unter der Herrschaft des Messias in der Zeit des Tausendjährigen Reiches zu leben. Diese Wiedervereinigung aller zwölf Stämme im Land Israel ist das Ziel Gottes mit den Juden.
Der Zeitpunkt des Posaunenhalls steht in Zusammenhang mit der Erscheinung des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit, wenn Er kommt, um sein Reich aufzurichten. Darauf weist der Ausdruck „an jenem Tag“ hin, der im Buch Jesaja mehrfach im Zusammenhang mit der Sammlung Israels verwendet wird (Jes 11,11-12; 18,7; 27,12-13).
Dieser Zusammenhang wird auch in Matthäus 24 deutlich. Nachdem in Vers 30 die Erscheinung des Herrn beschrieben wird, berichtet Vers 31 unmittelbar von der Sammlung der Auserwählten unter großem Posaunenhall. Beide Verse sind durch die Konjunktion „und“ miteinander verbunden und verdeutlichen so den engen Zusammenhang zwischen der Erscheinung Christi und der Sammlung Israels.
Israel wird also nicht für immer verworfen bleiben. Gott wird seinem irdischen Volk einen Neuanfang schenken, der mit dem Posaunenhall eingeleitet wird. Darauf weist der erste Tag des siebten Monats hin.
Beachte: Die Feste des Herrn schildern nicht jede Einzelheit der zukünftigen Wiederherstellung Israels. Vielmehr zeichnen sie die großen Linien des heilsgeschichtlichen Handelns Gottes mit der Gnadenzeit und dem irdischen Volk vor.
Fußnoten
- 1 Da das Fest der ungesäuerten Brote eine Sonderstellung einnimmt, führen wir es in dieser Liste nicht explizit auf. Es weist nämlich nicht auf eine heilsgeschichtliche Bedeutung hin, sondern auf unser praktisches Glaubensleben, das durch Gemeinschaft mit Christus und Trennung vom Bösen geprägt sein soll. Außerdem bildet es mit dem Passah eine Einheit.
- 2 Der 14. Tag des ersten Monats (Abib), der Tag, an dem das Passah geschlachtet wurde, bildete den Ausgangspunkt für die Berechnung der nachfolgenden Feste - auch für das Wochenfest. Von diesem Tag aus wurde gezählt. Fiel beispielsweise der Passahtag (der 14. Tag des ersten Monats) auf einen Freitag, so war der folgende Tag bereits ein Sabbat. Am darauffolgenden Tag konnte dann die Erstlingsgarbe dargebracht werden. Das fünfzig Tage später stattfindende „Fest der Wochen“ (Pfingsten) fiel in diesem Fall entsprechend früh. Da das Fest des Posaunenhalls unabhängig vom Passahfest immer am ersten Tag des siebenten Monats gefeiert wurde, war der Zeitraum zwischen diesen beiden Festen in diesem Fall länger als in einer anderen kalendarischen Konstellation. Wurde die Erstlingsgarbe beispielsweise erst am 22. Tag des Monats Abib dargebracht, verkürzte sich die Zeitspanne entsprechend. Dies war der Fall, wenn der 14. Tag des Monats Abib, also der Passahtag, auf einen Sabbat fiel. Dann war der darauffolgende Sabbat der 21. Tag des Monats Abib, und erst am folgenden Tag, dem 22. Abib, konnte die Erstlingsgarbe dargebracht werden. Dadurch fiel auch Pfingsten („Fest der Wochen“) entsprechend später, sodass die Zeit bis zum Fest des Posaunenhalls kürzer war.
- 3 Die Rückkehr vieler Juden in das Land Israel, die insbesondere durch die zionistische Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts federführend durch Theodor Herzl, einen Juden aus Österreich, vorangetrieben wurde, geschah unter der Zulassung und Vorsehung Gottes, jedoch im Unglauben. Sie führte mitunter dazu, dass seit 1948 wieder ein Staat Israel existiert und heute etwa 7,4 Millionen Juden im Land leben und dort wohnen. Hesekiel 37 macht deutlich, dass zunächst eine äußere, nationale Wiederherstellung erfolgt - ohne geistliches Leben. In der zionistischen Bewegung mag man eine Vorerfüllung dieser Prophetie bzw. eher einen Vorlauf davon erkennen: Klar ist, dass der Odem des Lebens fehlt (V. 4-8). So ist klar, dass die in der Vergangenheit und aktuell geschehene Rückkehr der Juden nicht die Erfüllung des Posaunenfests ist und so gedeutet werden kann. Diese findet nach der Entrückung der Versammlung statt.
Quelle: bibelpraxis.de/a10440.html