Am: Sa, 19. September 2026
Man ist manchmal erstaunt, wie freundlich Menschen sein können. Und dann fragt man sich: Ist man selbst wirklich "freundlich"? Ist das eine natürliche Eigenschaft oder etwas, was man letztlich nur in der Kraft des Heiligen Geistes verwirklichen kann?
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Vor einiger Zeit konnte ich zusammen mit meiner Frau eine Reise nach Schottland machen.
Was wir dort erlebt haben, hat uns wirklich beeindruckt und zugleich beschämt.
Die Menschen begegneten uns in einer Weise von Freundlichkeit und Zuvorkommenheit,
wie wir es im Alltag und in Deutschland eigentlich nur sehr selten erfahren.
Da lassen Autofahrer wie selbstverständlich einen Einbiegenden vor
und nicht etwa widerwillig, sondern mit einem freundlichen Wink und einem Lächeln.
Ich erinnere mich zum Beispiel an einen LKW-Fahrer auf einer Landstraße,
der genau wusste, dass er mich auf der Strecke nach der Kreuzung aufhalten würde.
An einer Kreuzung, wo er die Vorfahrt hatte, bremste er ab, winkte mir zu
und ließ mich vor ihm rechts abbiegen.
In engen Straßen wartet man gerne auf den anderen und winkt sich freundlich zu.
Wildfremde Menschen grüßen einen nicht nur flüchtig im Vorbeigehen, wenn man spazieren geht,
sondern bleiben stehen oder schauen einem offen in die Augen und fragen nach dem Wohlergehen.
Das Verrückte ist, man spürt, dass sie es ehrlich meinen.
Selbst Menschen, die bestimmt nichts mit Kirche oder Glauben zu tun haben,
strahlen oft eine Herzenswärme aus, die Wohltun und zugleich entwaffnend ist. (00:01:03)
Ist das nicht ein Spiegel, der uns vorgehalten wird?
Erlebnisse wie diese müssen uns als Gläubige ja wirklich zu denken geben.
Wie oft erleben wir das Gegenteil?
Wie oft sind wir selbst im Alltag gestresst, kurz angebunden, ja geradezu unfreundlich?
Und das, obwohl wir doch als Kinder Gottes so unendlich viel Grund für Dankbarkeit
und damit für echte Freundlichkeit haben sollten.
Wenn Menschen ohne den Herrn Jesus eine solche natürliche Zuvorkommenheit an den Tag legen,
wie viel mehr müsste doch aus unserem erlösten Leben eine Quelle der Güte sprudeln, oder nicht?
Wenn wir in Gottes Wort nach dem Begriff Freundlichkeit suchen,
stellen wir fest, dass dieses Wort nicht inflationär gebraucht wird.
Aber wenn es auftaucht, muss es uns zum Nachdenken bringen.
Freundlichkeit ist eine göttliche Herzenshaltung.
In dem bekannten Kapitel über die Frucht des Geistes in Galater 5 Vers 22
taucht die Freundlichkeit an fünfter Stelle auf.
Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. (00:02:03)
Das dort im Grundtext verwendete griechische Wort wird in anderen Zusammenhängen
auch mit Güte, Gütig, Gütigkeit übersetzt.
Das zeigt uns, welcher Wesenszug hier gemeint ist.
Es geht natürlich nicht um irgendwie eine aufgesetzte Etikette oder ein geschäftsmäßiges Lächeln,
sondern um eine echte Herzenshaltung.
Eine Haltung, die vom Herzen her gut, milde und zugewandt ist.
Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut,
da du nicht weißt, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?
So heißt es in Römer 2 Vers 4.
Sehen wir hier nicht ein erstaunliches Prinzip?
Nach Römer 2 Vers 4 ist es die Freundlichkeit, hier als Güte Gottes übersetzt,
die den Menschen zur Buße führt.
Gott ist kein unbarmherziger Machthaber, der darauf lauert, uns zu bestrafen.
Solange noch Gnadenzeit ist, kommt er uns in unbegreiflicher,
ja liebevoller Freundlichkeit entgegen.
Er möchte uns durch seine Güte gewinnen.
Wie gehen wir selbst mit dieser Freundlichkeit um? (00:03:01)
Und strahlen wir sie an unsere Mitmenschen aus?
Schon im Alten Testament wusste man um diese, ich nenne das einmal Dynamik.
Im Buch Hiob spricht Eliphas zu Beginn von einem wirklich guten Lebensprinzip.
Verkehre doch freundlich mit ihm, nämlich deinem Feind, mit deinem Gegner und halte Frieden.
Dadurch wird Gutes über dich kommen.
Freundlichkeit hat eben die Kraft, Spannungen abzubauen und Herzen zu erweichen.
Natürlich wissen wir aus eigener Erfahrung, dass Freundlichkeit nicht immer echt ist.
Die Bibel verschweigt das nicht.
Wir lesen beispielsweise in Jeremia 12 Vers 6,
denn auch deine Brüder und das Haus deines Vaters, auch sie sind treulos gegen dich.
Auch sie rufen dir nach aus voller Kehle.
Glaube ihnen nicht, wenn sie freundlich mit dir reden.
Ja, Freundlichkeit kann gespielt, kann berechnend, kann heuchlerisch sein.
Doch das darf uns niemals als Ausrede dienen, selbst kalt oder misstrauisch zu sein.
Heuchelei liegt in der Verantwortung des Täters.
Wir sind dazu aufgerufen, von Herzen freundlich zu sein (00:04:01)
und selbst dann freundlich auf Freundlichkeit oder gar Unehrlichkeit zu reagieren,
weil wir unserem Meister nachfolgen.
Ein wunderbares Beispiel für Dankbarkeit für Güte aus ungewohnter Hand finden wir in der Apostelgeschichte.
Als Paulus nach dem Schiffbruch auf der Insel Malta strandet, also Melita,
lesen wir in Apostelgeschichte 28 in den Versen 2 und 7 über die dortigen Ureinwohner.
Die Eingeborenen aber erzeigten uns eine nicht gewöhnliche Freundlichkeit,
denn sie zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle zu sich wegen des eingetretenen Regens und wegen der Kälte.
In der Umgebung jenes Ortes aber besaß der Erste der Insel mit Namen Publius Lenderein.
Der nahm uns auf und beherbergte uns drei Tage freundlich.
Paulus war sehr dankbar über diese unerwartete Freundlichkeit von Seiten der Menschen,
die damals sicherlich ungläubig waren.
Er nahm es als Geschenk aus Gottes Hand an.
Fragen wir uns aber heute, registrieren wir solche Gesten im Alltag überhaupt noch?
Sind wir fähig, zuvorkommenheit von wildfremden Menschen wahrzunehmen? (00:05:03)
Oder kreisen wir so sehr um unsere eigenen Sorgen und das eigene Ich, dass wir blind durch die Welt gehen?
Mal ehrlich, sind wir selbst nur dann freundlich, wenn wir einen Vorteil davon erwarten oder jemanden kennen?
Menschliebe soll ein Lebensstil sein.
Im Brief an Titus wird derselbe Wesenszug mit einem wunderschönen Begriff beschrieben,
als aber die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Rettergottes erschienen.
Hier haben wir genau dasselbe griechische Wort, Menschenfreundlichkeit.
Das ist keine politische Parole oder ein Konzept aus soziologischen oder psychologischen Programmen,
sondern das Herzensmerkmal unseres Rettergottes, das in uns Gestalt gewinnen soll.
Kennt man uns in der Schule, an der Universität, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in der Ausbildung,
nicht zuletzt unter den Geschwistern in der Versammlung Gottes als Menschen, von denen diese Herzensgüte ausstrahlt?
Damit kommen wir zu einem entscheidenden Punkt.
Die Freundlichkeit, von der die Bibel spricht, ist keine oberflächliche Trainingsmethode oder eine Frage des Temperamentes. (00:06:07)
Es ist keine natürliche Eigenschaft.
Sie ist, wie schon gesagt, der fünfte Teil der Frucht des Geistes.
Das bedeutet, sie ist das wunderbare Ergebnis der Innenwohnung des Heiligen Geistes in unserem Leben.
Vorausgesetzt, wir lassen ihn wirklich wirken und behindern ihn nicht durch unseren eigenen Willen.
Ist unser Missmut, unsere innere Bitterkeit und Schärfe nicht oft das traurige Ergebnis unseres eigenen Egoismus?
Wir kreisen uns um uns selbst, anstatt dankbar dafür zu sein, was Gott uns in Christus geschenkt hat.
Die erfahrene Erlösung, die unverdiente Vergebung unserer Sünden müssten uns permanent dankbar machen.
Dankbarkeit gegenüber Gott wiederum führt wie von selbst zu einer echten Offenheit gegenüber unseren Mitmenschen.
Wenn wir ihnen mit dieser göttlichen Freundlichkeit begegnen, öffnen sich doch Türen.
Wir werden es viel leichter haben, sie für den Herrn Jesus Christus zu gewinnen.
Vergessen wir dabei nicht das unverrückbare Prinzip aus Galater 6 Vers 7. (00:07:03)
Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten.
Wie wir in den Wald hineinrufen, so heißt das Sprichwort, so schallt es heraus.
Haben wir uns in unserem Leben manchmal gewundert oder gar beschwert, dass man uns kalt, abweisend, unfreundlich begegnet ist?
Vielleicht sollten wir in solchen Momenten öfter in den Spiegel schauen, nämlich den Spiegel des Wortes Gottes.
Die Schrift vergleicht sich selbst mit einem Spiegel, Jakobus tut das in Jakobus 1, Abvers 23.
Wenn wir hineinsehen, erkennen wir oft, dass unsere eigene Ausstrahlung das Echo unseres Herzens ist
und dass das, was wir von anderen erleben, wiederum der Spiegel unseres eigenen Verhaltens ist.
Lassen wir uns deshalb von der Güte unseres Retters neu motivieren.
Wenn uns Menschen in Schottland oder anderswo auf der Welt mit einer solchen Herzlichkeit begegnen,
wie viel heller sollte dann das Licht der Freundlichkeit Jesu durch uns selbst in diese dunkle Welt hineinleuchten? (00:08:01)
Ganz schlicht, im Alltag, heute, morgen, bis der Herr Jesus wiederkommt.