Textgliederung
Um einen Überblick über das Fest der Wochen zu gewinnen, gliedern wir den Textabschnitt in vier Themenfelder auf:
- Zeitpunkt und Typologie;
- das neue Speisopfer;
- die zusätzlichen Opfer;
- Abschlussvorschriften.
- Zeitpunkt und Typologie
Das Fest der Wochen fand fünfzig Tage nach der Darbringung der Webe-Garbe am Erstlingsfest statt (3. Mo 23,15.16).1 Der Neutestamentliche Bezug liegt auf der Hand. Die Webe-Garbe am Erstlingsfest weist auf die Auferstehung des Herrn Jesus hin. Fünfzig Tage nach seiner Auferstehung war der Tag der Pfingsten2 (Apg 2). An diesem Tag kam der Heilige Geist auf die Erde und die Versammlung wurde gebildet (1. Kor 12,13).3 In diesem bedeutungsvollen Ereignis findet das Wochenfest seine Erfüllung.
- Das neue Speisopfer
Am Fest der Wochen musste ein neues Speisopfer dem Herrn dargebracht werden (3. Mo 23,16). Dieses sollte aus Webe-Broten bestehen (3. Mo 23,17). Die Brote sind ein Hinweis auf die Erlösten, aus denen die Versammlung zu Pfingsten gebildet wurde.
In Bezug auf die Brote werden vier Merkmale genannt, damit kennzeichnend für die Erlösten sind. Erstaunlich dabei ist die Präzision, mit der Gott neutestamentliche Wahrheiten in den Vorbildern des Alten Testaments vorgeschattet hat:
a) Beschaffenheit der Brote: Feinmehl
b) Zubereitung der Brote: mit Sauerteig gebacken
c) Anzahl der Brote: zwei
d) Weihung der Brote: als Erstlinge dem Herrn
a) Feinmehl
Die Brote waren aus Feinmehl herzustellen, das aus Weizen gewonnen wird. Dieser wurde zur Zeit des Wochenfestes in Israel geerntet.
- Geistliche Anwendung: Der Weizen lässt an den Herrn Jesus denken, der als wahres Weizenkorn „in die Erde gefallen“ und gestorben ist (Joh 12,24). Aus seinem Tod ist viel Frucht hervorgegangen. Die Frucht, die aus dem Weizenkorn hervorgeht, hat dieselbe Natur wie das Weizenkorn selbst. Dieses Prinzip kennen wir aus der Natur. Ebenso haben Kinder Gottes Leben aus Gott empfangen, dasselbe ewige Leben, das der Herr Jesus selbst hat bzw. ist (1. Joh 5,20). Das Feinmehl aus Weizen ist daher ein Bild des neuen Lebens, das wir in Christus besitzen.
b) Sauerteig
Eine Besonderheit bei den Webe-Broten ist die Zubereitung mit Sauerteig, mit dem die Brote gebacken wurden (3. Mo 23,17).
- Geistliche Anwendung: Sauerteig in der Bibel ist ein Bild des Bösen in seiner ausbreitenden Wirkung.4 Im Speisopfer in 3. Mose 2 durfte kein Sauerteig verwendet werden (3. Mo 2,11). Dieses ist ein Hinweis auf das vollkommene Leben des Herrn Jesus, der rein und heilig ist, ohne Sünde (1. Joh 3,5). Das neue Speisopfer der Webe-Brote in 3. Mose 23 soll dagegen Sauerteig enthalten. Hier ist es ein Bild der Erlösten, in denen Sünde (noch) wohnt (1. Joh 1,8).
Allerdings hat Gott Anweisung gegeben, die Webe-Brote zu backen. Die Einwirkung von Hitze bringt den Sauerteig zum Stillstand. Darin können wir ein Bild davon sehen, dass jeder Glaubende mit Christus gekreuzigt und der Sünde gestorben ist (Röm 6,2.6.14.18). Zwar haben wir die Sünde noch in uns, wir müssen ihr jedoch nicht mehr zwanghaft dienen. Sie ist unter Gottes Gerichtsurteil gekommen. Das macht glücklich!
c) Die Zahl zwei
Die Anordnung des neuen Speisopfers besagt, dass zwei Brote zu bringen waren (3. Mo 23,17).
- Geistliche Anwendung: Die Zahl zwei spricht von Zeugnis. Zur Zeit des Alten Testaments ist Israel Zeuge Gottes auf der Erde gewesen. In der Zeit der Gnade ist die Versammlung Zeuge Gottes in der Welt (Off 2.3). Sie ist nicht die Fortsetzung Israels, sondern eine ganz neue Schöpfung, die von Christus selbst zeugt. Als Leuchter in der Welt voll Finsternis hat sie eine hohe und verantwortungsvolle Aufgabe. Christus soll dargestellt und seine Wahrheit in der Versammlung sichtbar gemacht werden.
d) Erstlinge
Die beiden Webe-Brote sollten dem Herrn dargebracht werden – als Erstlinge5.
- Geistliche Anwendung: Kinder Gottes sind „eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe“ (Jak 1,18; vgl. Heb 12,23; Röm 8,23). Sie gehören zur neuen Schöpfung, deren Anfang Christus ist (Off 3,14). Die Verbindung zwischen Christus und uns ist dabei überaus eng. Er ist der Erstling, wir sind seine Erstlingsfrucht.
- Die zusätzlichen Opfer
Nachdem wir uns mit dem neuen Speisopfer beschäftigt haben, kommen wir nun zu den zusätzlichen Opfern, die ebenfalls darzubringen waren. Wir fragen uns, warum Gott diese Opfer in Israel anordnen ließ?
Die Antwort ist ein großer Trost. Die zusätzlichen Opfer weisen auf das vollkommene Opfer des Herrn Jesus hin, auf dessen Grundlage alle Erlösten der Versammlung Gottes vollkommene Annahme vor Gott gefunden haben. Wir können Ihm nahen und Anbetung bringen, obwohl Sünde („Sauerteig“) noch in uns ist. Außerdem kann mit den zusätzlichen Opfern der schöne Punkt verbunden werden, dass die Erlösten als Söhne Gottes Einblick in das große Werk von Golgatha besitzen und es zu würdigen wissen.
Folgende Opfer waren vorgeschrieben, die Israel zum Fest der Wochen bringen sollte (13 Opfertiere):
a) Brandopfer (das dazugehörige Speis- und Trankopfer)
b) Sündopfer
c) Friedensopfer
a) Brandopfer
Für das Brandopfer wurde gewöhnlich ein Lamm gewählt, das Gott ganz geopfert wurde (2. Mo 29,38-46). Darin sehen wir ein Bild der völligen Hingabe des Herrn Jesus am Kreuz, der sich selbst Gott „zu einem duftenden Wohlgeruch“ dargebracht hat (Eph 5,2). In diesem Opfer sehen wir auch die vollkommene Annahme der Erlösten vor Gott, die angenehm gemacht worden sind in dem Geliebten (Eph 1,7).
b) Sünd- und (c) Friedensopfer
Beim Sünd- und Friedensopfer fällt ein markanter Unterschied zum Fest der Erstlingsgarbe auf. Während dort weder ein Sünd- noch ein Friedensopfer gefordert wurde, werden hier beide Opfer ausdrücklich genannt. Der Grund liegt in der vorbildlichen Bedeutung beider Feste.
Das Fest der Erstlinge spricht von Christus. Bei Ihm war weder ein Sündopfer noch ein Friedensopfer erforderlich. Das Fest der Wochen hingegen weist auf die Versammlung hin, die aus erlösten Menschen besteht:
- Das Sündopfer ist notwendig, weil diejenigen, die zur Versammlung gehören, Sünder waren.
- Das Friedensopfer ist notwendig, weil es von der Gemeinschaft mit Gott spricht, in die die Erlösten auf der Grundlage des vollbrachten Werkes Christi gebracht werden mussten. Jetzt genießen sie diesen Frieden.
Fazit
Das Fest der Wochen weist in bemerkenswerter Weise auf das Kommen des Heiligen Geistes zur Bildung der Versammlung hin. Diese besteht aus erlösten Kindern Gottes, die:
- Leben aus Gott empfangen haben (Feinmehl);
- der Sünde gestorben sind (Sauerteig gebacken);
- ein Zeugnis in der Welt ablegen („zwei“) und
- mit Christus untrennbar verbunden sein dürfen (Erstlingsfrucht).
Zudem sind sie:
- angenehm gemacht in dem Geliebten auf der Grundlage des Werkes von Golgatha (Opfer) und
- dürfen Gott als Anbeter im Heiligtum nahen, um Ihn zu preisen.
Dies ist das höchste Vorrecht, das heute auf der Erde verwirklicht werden kann und in Ewigkeit in Vollkommenheit fortgesetzt werden wird.
Fußnoten
- 1 Vom Tag der Darbringung der Webegarbe an sollte das Volk sieben volle Wochen zählen (7 × 7 Tage = 49 Tage). Die Webegarbe wurde am Tag nach dem Sabbat dargebracht, also an einem Sonntag, der auf das Passah folgt. Von diesem Tag an waren 49 Tage zu zählen. Der 49. Tag fiel auf den siebten Sabbat. Am darauffolgenden Tag, dem fünfzigsten Tag, wurde das Fest der Wochen gefeiert. Damit fiel auch dieses Fest auf einen Sonntag.
- 2 Das deutsche Wort „Pfingsten“ entspricht dem griechischen Wort „pentekoste“, das „fünfstigste(r)“ bedeutet.
- 3 Die Versammlung gehört ihrer Bestimmung nach zum Himmel. Sie besitzt eine himmlische Berufung und ein himmlisches Ziel. Sie ist ewig. Gebildet wird sie jedoch auf der Erde - in der Zeit der Gnade, der Zeit des Heiligen Geistes auf der Erde.
- 4 Siehe dazu Artikel: „Fest der ungesäuerten Brote“
- 5 Bemerkenswert ist der unterschiedliche Gebrauch der Worte „Erstlinge“. Das Wort für „Erstlinge“ hier lautet „bikkurim“, während in Verbindung mit der Erstlingsgarbe das Wort „reschit“ gebraucht wird, das auch „Anfang“ bedeutet. „Reschit“ steht im Singular, „bikkurim“ im Plural. Die geistliche Bedeutung liegt nahe. Während die Erstlingsgarbe auf Christus, den Erstling der Entschlafenen, hinweist (Singular), sprechen die Erstlinge des Wochenfestes von den Erlösten (Plural). Diese Wahrheit haben wir schon im Fest der Erstlinge beleuchtet.
Quelle: bibelpraxis.de/a10250.html